Berlinale

Meryl Streep: „Es ist hübsch, der Boss zu sein“

Die ersten Stars sind die Juroren. Sie dürfen sich immer zuerst vorstellen. Frau Streep spielt sich dabei schon mal als Boss auf.

Da geht’s lang: Jurypräsidentin meryl Streep mit zwei ihrer Ko-Juroren, Lars Eidinger (l.) und Clive Owen

Da geht’s lang: Jurypräsidentin meryl Streep mit zwei ihrer Ko-Juroren, Lars Eidinger (l.) und Clive Owen

Foto: Michael Kappeler / dpa

Stars und Politik, Glamour und Engagement: Die Berlinale steht immer für beides,. Nicht nur deshalb ist Meryl Streep als Präsidentin der diesjährigen Wettbewebwerbsjury ein Glücksfall. „Ich bin unglaublich stolz und fühle mich geehrt, diese Jury zu leiten“, sagt die Oscarpreisträgerin am Mittwochvormittag, als sie sich mit ihren sechs Kojuroren der internationalen Presse vorstellt.

„Auch wenn ich absolut keine Ahnung habe, wie das läuft, aber ich werde das schon lernen.“ Mit einem Grinsen setzt sie nach: „Und es ist hübsch, der Boss zu sein.“ Ihren Kojuror, den Berliner Schauspieler Lars Eidinger, hat sie schon „unter meiner Fuchtel“.

Finde die Menschlichkeit

Die Jury ergänzen der Brite Clive Owen, die italienische Schauspielerin Alba Rohrwacher, die polnische Regisseurin Małgorzata Szumowska, der britische Filmkritiker Nick James und die französische Fotografin Brigitte Lacombe. Meryl Streep gefällt die Verteilung. „Ich setze mich seit langem für die Gleichberechtigung von Frauen ein. Bei dieser Jury sind wir mit 4 zu 3 sogar in der Überzahl. Die Berlinale übernimmt da eine Vorreiterrolle.“

Wie man als Schauspieler die Leistung anderer bewerte, will eine Journalistin wissen. „Jeder bringt sein eigenes Selbst und seine Agenda mit ein, das lässt sich gar nicht vermeiden“, erklärt Streep. „Als Schauspielerin brauche ich ein mitfühlendes Herz, das will ich auch hier einbringen. Berlinale-Filme haben oft provokante Inhalte und erzählen von fremden Kulturen, die ich vielleicht nicht verstehe. Ich will in den Filmen die uns allen gemeinsame Menschlichkeit finden.“

Lars Eidinger gibt sich da kampflustiger. „Wenn Schauspieler behaupten, sich nicht gegenseitig zu beurteilen, weil alle gleich gut sind, ist das einfach eine Lüge“, sagt der Berliner Schaubühnen-Star. „Wenn ich einen Film sehe, urteile ich andauernd über andere. Aber mich muss ein Film berühren, ich muss emotional eintauchen, sonst kann ich gar nicht bewerten.“

Für Clive Owen geht es dagegen vor allem darum, die Filme und das Kino zu feiern und mit den Preisen am Ende Filmemachern zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. „Im Kino gibt es keine Hierarchie, da ist es schwierig zu sagen, wer der Beste ist.“

Małgorzata Szumowska, die vergangenes Jahr den Silbernen Bär für die beste Regie gewann, spürt eine besondere Verantwortung. „Der Preis hat mir unglaublich geholfen, und ich weiß, was eine solche Auszeichnung bedeutet.“ Aber sie sieht die Juryarbeit auch als „tollen Urlaub“, weil es Zeit gibt wie sonst, über Filme zu reden.

Tabula rasa für alle

Ganz bewusst hat sie sich nicht auf ihre Aufgaben vorbereitet, verrät Meryl Streep. „Ich habe nichts zu den Filmen recherchiert, die wir die nächsten neun Tage sehen werden. Und ich habe es auch meiner Jury verboten, vorher irgend etwas darüber zu lesen.“ Sie schaut verschmitzt in die Runde. „Es ist so außergewöhnlich, sich völlig frisch und unvoreingenommen auf etwas einzulassen. Tabula rasa. Ich hoffe, wir können alle diese Chance nutzen.“

Ob sie dabei ihre Rolle als Jurypräsidentin ähnlich streng und emanzipiert anlegt wie ihre Figuren in „Die Eiserne Lady“ oder „Der Teufel trägt Prada“? „Ich weiß ja noch gar nicht, wie das hier funktioniert. Meine Jury hat also alle Freiheiten.“ Sie freut sich auf viele intensive Gespräche. „Am Ende hat dann jeder eine Stimme. Nur ich habe zwei.“