Berlinale

„Hail, Caesar“ eröffnet die Berlinale mit Schwung

Der neue Film der Coen-Brüder ist eine Hommage auf das alte Hollywood. Mit lauter tollen Stars. Leider wird kein großes Ganzes daraus.

Kino: Hail, Caesar!

Kino: Hail, Caesar!

Foto: © Universal Pictures

Dieses Römerkleidchen! Diese Betonfrisur! Und dann trägt er auch noch ein Schwert am Gurt, mit dem er überall hängenbleibt. In „Hail, Caesar!“ wird George Clooney zur Schießbudenfigur. Er spielt einen Filmstar anno 1953, der in einem Monumentalschinken mitspielt, aber da ist nichts Glamouröses an ihm, nichts Cooles wie sonst immer.

Wenn Clooney bei den Coen-Brüdern mitwirkt, muss er stets den Deppen geben. Siehe „O Brother, Where Art Thou“. Siehe „Burn after Reading“. Und nun „Hail, Caesar!“, wo er noch grundeitel daherkommt und Backpfeifen einstecken muss. Doch Clooney tut es augenscheinlich mit Lust an der eigenen Demontage. So viel Selbstironie ist schon mal großartig.

Scarlett Johansson als Badenixe, Channing Tatum als Tanzstar

„Hail, Caesar“, der am Donnerstag die Berlinale eröffnet hat und am 18. Februar ins Kino kommt, ist eine liebevolle Hommage auf das Alte Hollywood, auf die Goldene Ära des Kinos mit seinem damals noch heilen Starsystem. Es handelt vom alltäglichen Irrsinn in einem fiktiven Studio namens Capitol, das doch ziemlich an MGM erinnert.

Und es beschert uns einen herrlichen Streifzug durch alle Genres: Wir wohnen einem Esther-Williams-Wasserballett mit einer strahlenden Scarlett Johansson bei, einer Gene-Kelly-Musical-Einlage mit Channing Tatum in einer quietschvergnügten Matrosen-Choreographie.

Und ebenjenem Bibelschinken, der dem ganzen Film seinen Namen gibt, mit deutlichen Bezügen zu „Das Gewand“, dem ersten Cinemascopefilm, der je ins Kino kam, Clooney also als Richard-Burton-Verschnitt. Von allem etwas. Lauter hübsche, liebevolle Einlagen, lauter Anspielungen und Verschlüsselungen, die es zu knacken gilt. Das Kino als eigenes Stoffreservoir.

Der Mann fürs Brenzlige hat viel zu tun

Im Mittelpunkt steht aber nicht Clooney, sondern Josh Brolin (der Star aus dem Coen-Film „No Country for Old Men“). Er spielt einen „Fixer“, also so etwas wie den Mann fürs Brenzlige. Und weil es viel Brenzliges gibt im verkommenden Hollywood-Babylon, hat er so viel zu tun, dass man schon mal glaubt, er sei der Studio-Boss selbst.

Badenixe Johansson erweist sich nämlich, sowie die Kamera abschaltet, als vulgärer Haifisch, sie passt nicht mehr in ihre Flosse, weil eine Schwangerschaft kaum noch zu verbergen ist. Deshalb muss schnell eine Ehe arrangiert werden, um den Skandal zu vertuschen.

In einer Gesellschaftskomödie fällt überdies der Hauptdarsteller aus, weshalb ein singender Cowboy (der noch nicht so bekannte Alden Ehrenreich in einer herrlichen Audie-Murphy-Parodie) plötzlich im Smoking Parlando beherrschen muss. Außerdem müssen gleich zwei Klatschkolumnistinnen (Tilda Swinton in einer trefflichen Doppelrolle) daran gehindert werden, schmutzige Details aus dem Privatleben des „Hail, Caesar“-Stars zu drucken.

Auf Hochtouren kommt der „Fixer“ aber erst, als Clooney entführt wird. Und zwar von kommunistischen Drehbuchautoren, die das Zugpferd des Capitol-Studios mit dem „Kapital“ von Marx zu einem Linken umpolen wollen. Das ist vielleicht die finsterste Volte dieses Films: dass McCarthy doch recht hatte mit seiner Hexenjagd auf vermeintlich kommunistische Umtriebe im Hollywood der 50er-Jahre.

Nicht der beste Film der Coens, aber noch immer ein Coen-Film

Das klingt erst mal alles prima und ist es ja auch. Aber der Film will Parodie und Hommage zugleich sein, und da hapert es zuweilen. Immer wieder gelingen den Coens großartige Kabinettstückchen. Wenn Ralph Fiennes als Regisseur dem Cowboy mit zunehmender Verzweiflung einen einzigen Satz vorspricht: „Wenn es doch bloß so einfach wäre“, dieser ihm aber nie fehlerfrei über die Lippen kommt.

Am Ende wird „Es ist kompliziert“ daraus. Oder wenn Frances McDormand als Cutterin fast buchstäblich für ihren Beruf draufgeht, nicht weil sie Kette raucht neben dem hochexplosiven Zelluloid, sondern weil sich ihr Schal im Projektor verfängt.

Aber es wird kein großes Ganzes aus diesen Nummern. Die besten Filme über das Filmbusiness sind noch immer Billy Wilders „Boulevard der Dämmerung“ und Blake Edwards’ „S.O.B. - Hollywoods letzter Heuler“, weil sie gnadenlos bissig und zynisch waren. Die Coens dagegen sind eher lakonisch und nett.

Es mag daran liegen, dass die Studios heute nicht mehr die Macht wie früher haben – da muss man mit vielleicht nicht mehr so harsch ins Gericht gehen. „Hail, Caesar!“ ist deshalb nicht der beste Film der Coen-Brüder. Aber er ist noch immer ein Coen-Film.

„Nur“ eine Europa-, keine Weltpremiere

Man kann aus diesem Werk viel lernen. Nicht nur über das Business an sich. Sondern auch über ein Filmfestival wie die Berlinale. Auch ein Dieter Kosslick ist ja irgendwie so ein Fixer, einer, der alles im Lot halten, der hier für Glamour und da für eine Notlösung sorgen muss. Dem ein Spagat zwischen Anspruch und Teppich, Botschaft und Unterhaltung gelingen muss.

Da ist ein „Hail, Caesar!“ erst mal der ideale Kandidat für einen Eröffnungsfilm. Weil er ja gleich mit drei hohen Cs aufwarten kann. Mit Clooney, fast schon Dauerstar der Berlinale. Aber auch mit den Coens, die hier schon 2010 mit „True Grit“ das Festival eröffnet haben. Und dann spielen mit den Damen Swinton und McDormand auch gleich zwei ehemalige Berlinale-Jurypräsidentinnen mit.

Dafür muss dann halt in Kauf nehmen, dass die Eröffnung keine Weltpremiere ist, dass der Film schon seit sechs Tagen in den USA läuft. Und dass er dort, trotz all der Stars, den schwächsten Kino-Start aller bisheriger Coen-Filme hingelegt hat, weiß man nun auch schon. Wäre es doch bloß so einfach. Aber es ist eben kompliziert.

Termine: Friedrichstadt-Palast, Donnerstag, 11 Uhr.

Ab 18. Februar im Kino