Berlinale

Jella Haase: „Ich bau mir einen Schutz auf“

Erst „Fack ju, Göhte“, und bald auch beim Tatort: Jella Haase ist der Shooting Star der Berlinale. Auch wenn das irgendwie zu spät kommt.

Jella Haase / Schauspielerin

Jella Haase / Schauspielerin

Foto: Reto Klar

August Diehl, Nina Hoss, Franka Potente, Anna Maria Mühe: Sie alle waren schon Shooting Star der Berlinale. Eine Riege europäischer Nachwuchsdarsteller wird jedes Jahr auf dem Festival vorgestellt, um auch international bekannt zu werden. Dieses Jahr ist Jella Haase der deutsche Shooting Star. Das kommt jedoch mindestens ein Jahr zu spät. Seit ihrer Chantal in „Fack ju Göhte“ hat sie einen irren Erfolg hinter sich und im vergangenen Jahr einen Film nach dem anderen abgedreht. Auch ihren ersten „Tatort“ als jüngste Ermittlerin aller Zeiten. Von Nachwuchs kann also keine Rede sein. Wir haben die 23-Jährige vorab getroffen.

Berliner Morgenpost: Frau Haase, die Berlinale hat Sie zum Shootingstar ernannt. Wie fühlen Sie sich?

Jella Haase: Ich fühle mich sehr geehrt und bin sehr gespannt. Das wird ganz bestimmt eine aufregende Zeit.

Kommt das nicht viel zu spät? Hätte man das nicht schon auf der letzten Berlinale tun müssen?

Ach, ich bin glücklich darüber, wie die Dinge passieren. Ich glaube, alles hat seine Zeit. Ich glaube auch, dass es gut ist, in sowas hineinzuwachsen. Dieses Jahr fühle ich mich einfach schon ein bisschen sicherer als die Jahre davor, und das ist sicher hilfreich.

Sind Sie denn eine Berlinale-Gängerin?

Mein erster Kinofilm „Lollipop Monster“ hatte auf dem Festival Premiere und auch „Kriegerin“ lief dort. Durch die Shootingstars lerne ich die Berlinale aber sicher noch mal von einer ganz neuen und sehr spannenden Seite kennen.

Wie bereiten Sie sich auf den Rummel vor?

Ich habe ein bisschen Urlaub gemacht.

Mit „Fack ju Göhte“ 1 und 2 spielten sie gleich in zwei der fünf erfolgreichsten Filmen seit 1968 mit. Wie fühlt man sich da?

Also, ich wach jetzt nicht auf und denke: Ich habe in zwei der erfolgreichsten Filmen mitgespielt. Für Außenstehende ist das wahrscheinlich viel krasser. Man rutscht da so rein und auf einmal ist das so. Für mich bleibt das auch etwas Abstraktes, das ist nicht greifbar, ist einfach eine Zahl. In zehn Jahren werde ich das vielleicht anders sehen.

Hat sich Ihr Leben seither geändert? Werden Sie jetzt ständig überall von all den „Göhte“-Fans erkannt und angesprochen?

Ich versuche ganz bewusst, mein normales Leben weiterzuleben, also neben der Filmerei auch meinen Alltag, meine Hobbys wahrzunehmen. Da hat sich nicht viel verändert, außer dass ich auf der Straße erkannt werde. Aber auch das hält sich in Grenzen. Auf dem roten Teppich sehe ich schließlich anders aus als privat. Das ist ein Schutz, den man sich aufbauen kann. Ich glaube, für Elyas ist das viel krasser. Der kann wahrscheinlich nirgends mehr hingehen. Das würde mich sehr bedrängen.

Chantal ist eine Proll-Kunstfigur. Erwartet man von Ihnen auch so ein Verhalten? Wundert man sich, dass Sie anders sind?

Nein, Gott sei Dank nicht. Beim ersten Film hat der Regisseur auf der Bühne noch gesagt: „Jella, zeig mal, dass du richtig sprechen kannst.“ Da waren die Leute verblüfft, die glaubten wirklich, dass ich so von der Straße weg gecastet wurde. Das ist jetzt aber nicht mehr so. Ich hatte ja das große Glück, dass ich schon vorher und auch danach in einigen Filmen mitgewirkt habe. Da kann man sehen, dass ich auch anders kann.

Sie spielen gern extreme Rollen, haben aber nie Schauspielunterricht genommen. Wo nehmen Sie das her?

Das ist schon sehr viel Intuition, viel aus dem Bauch. Ich denke, ich bin ehrlich in meinem Spiel. Manchmal hast du auch das große Glück, einen guten Regisseur zu haben, der dich führen kann. Für den Film „4 Könige“ habe ich mit einem Coach richtig tiefenpsychologische Rollenanalysen betrieben. Auch das ist ein wichtiges Fundament.

Überlegen Sie sich, einmal Schauspielunterricht nachzuholen? Um nicht immer nur Raubbau an sich selber zu betreiben?

Auf jeden Fall. Nach meinem letzten Film „Looping“ hatte ich erstmals richtige Albträume. Da war eine so hohe Emotionalität. Mein Unterbewusstsein hat da ganz fiese Dinge angestellt. Da war ich sehr erschrocken. Da muss ich mich wohl besser schützen. Dafür brauche ich vielleicht noch ein paar Techniken. Ich habe jetzt erst mal kein Projekt, aber wenn das wieder eine so fordernde Rolle wird, was ich ja hoffe, muss ich mich dafür rüsten.

Sie spielen demnächst im neuen „Tatort“ aus Dresden. Das ist wohl das Höchste, was einem das deutsche Fernsehen anbieten kann. Wie ist das, im großen Schlachtross der ARD mitzuspielen?

Das ist schon eine totale Ehre. Es hat mich aber auch ein bisschen verunsichert, weil ich nicht weiß, ob ich mich mit einer Serie festlegen will. Deshalb habe ich auch nicht für zwei Jahre unterschrieben, ich wirke jetzt in der ersten Folge mit. Und dann: mal sehen. Ich bin sehr glücklich, dass man mir die Freiheit auch gelassen hat.

Sie stechen damit Aylin Tezel als jüngste Tatort-Ermittlerin aus und werden sicher so vermarktet. Setzt das unter Druck?

Die Folge wird ja erst im März ausgestrahlt. Wahrscheinlich kommt das dann. Aber jetzt bin ich noch behütet.