Willkommen bei der Audienale! Vor der roten Teppich-Landschaft des Berlinale Palasts ist in diesem Jahr ein großer grauer Kubus gelandet. Einen kurzen Schreckmoment denkt man, oje, schon wieder eine Berliner Baustelle, die nicht fertig wird. Wie peinlich vor all den New Yorkern und Parisern und sonstwem, der immer die deutsche Pünktlichkeit preist. Jetzt haben die es zur Eröffnung der Berlinale nicht geschafft, die Umzugscontainer am Marlene-Dietrich-Platz rechtzeitig wegzuräumen. Aber beim zweiten Blick muss man dann feststellen: Das ist doch tatsächlich geplant, dieses Ding.
Er ist – das muss man zugeben – wirklich nicht besonders schön, dieser Berlinale-Palast. Mit seiner Vorstadt-Ästhetik unterscheidet sich das Musical-Theater, in dem das Filmfest seit 14 Jahren zuhaus ist, nicht groß von der Spielbank nebenan oder der Shopping Mall gegenüber. Potsdamer Platz halt. Gerne würde man behaupten, dass andere Städte so etwas nicht in ihrem Zentrum dulden würden. Aber dann wiederum fällt einem sofort Köln ein und sein gigantischer Musical-Müllsack, in den vorübergehend die Oper eingezogen ist. Insofern kann man vielleicht die Geste des Autoherstellers als Freundlichkeit deuten. Audi wollte einfach nicht mehr, dass die Berlinale-Besucher sich diesen üblen Palast anschauen mussten und haben kurzentschlossen ihren großen klotzigen Pavillon in die Sichtachse gedrängelt.
Audi ist seit langem Partner, seit November sogar Hauptpartner des Filmfests. Der Pavillon wurde da bereits angekündigt: Ein vielfältiges Programm sollte der zweigeschossige Bau „an der Fankurve“ bieten und Schutz vor der Witterung. Nun ja, das Grau passt sich an diesem Freitag morgen auf jedem Fall hervorragend dem Wetter an. Die Besucher der Berlinale sind auf jeden Fall eher genervt als begeistert. „Das Ding steht im Weg“, sagt ein Filmemacher aus Dänemark. Tagsüber ginge es ja noch, aber abends, da würde die Einschränkung schon eher nerven. „Hässlich ist es auch noch“, erklärt seine Kollegin.
Es hilft nur eins: Man muss rein in den Kasten. Drinnen gibt es nämlich Schampus und Häppchen und einen fantastischen Blick auf den roten Teppich. Und wer drinnen ist, muss auch den Blick auf das klobige Ding nicht mehr ertragen. Allerdings gibt es das nur für geladene Gäste.





