Deutscher Film

Iris Berben – „Bei der Filmförderung jetzt freie Bahn“

Die Zukunft des staatlich subventionierten Films ist gesichert. Nur weiß keiner so recht, was warum gefördert werden sollte. Beobachtungen auf einer Podiumsdiskussion.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Die deutsche Filmakademie und ihre Präsidentin Iris Berben luden am Nachmittag ein zu einem Podiumsgespräch über die Zukunft der deutschen Filmförderung. Grund dafür: Seit dem 28. Januar ist sicher, dass die Filmförderung überhaupt eine Zukunft hat. Die war zuletzt ungewiss. Was war passiert? Fast zehn Jahre ist es her, dass die Betreiber der Kinoketten die Zwangsabgabe an die Filmförderungsanstalt FFA nicht mehr bezahlen wollten. Sie reichten Klage ein und argumentieren, dass sie vor allem wirtschaftlich erfolgreiche Filme aus internationaler Produktion zeigten und kein Interesse an deutschen Filmen hätten. Kinos seien „Wirtschaftsunternehmen und keine studentischen Filmclubs“.

Kinobetreiber sind keine Filmförderer

Knapp 25 Prozent Marktanteil hat der deutsche Film in den heimischen Kinos und den verdankt er fast ausschließlich den Publikumsrennern von Schweiger, Schweighöfer, Bully Herbig und zuletzt „Fack ju Göhte“ mit sechs Millionen Zuschauern. Allesamt von der Kritik eher wenig geschätzte Filme. Die deutschen Kinobetreiber sind nicht die besten Freunde der deutschen Filmkunst.

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Jetzt hat das Bundesverfassungsgericht darüber entschieden, die Kinobetreiber müssen zahlen, der deutsche Film ist Wirtschafts- und Kulturgut gleichermaßen. Der jahrelang Streit hat ein Ende, was jedoch nicht den Beginn einer neuen Liebe bedeutet. Iris Berben sagt: „Es wäre zu einfach, jetzt weiter zu machen wie vorher. Wir haben freie Bahn.“ Damit beginnen ordnungsgemäß die Chancen und Probleme, um die sich die deutsche Filmlandschaft jetzt mit gebotener Eile kümmern muss.

Was ist denn die Identität des deutschen Films?

Auf dem Podium versammeln sich am diesem Nachmittag der FFA-Vorsitzende Peter Dinges, der Journalist Daniel Kothenschulte, der Film- und Medienanwalt Mathias Schwarz, der Professor und Produzent Martin Hagemann und die Produzentin Maria Köpf. Hinter ihnen prangen in kleinen Quadraten die Titel der aktuellen Filme, darunter: Die Frau des Polizisten, Feuchtgebiete, Die andere Heimat und Tarzan. Vor ihnen liegen nichts als Fragen. Zum Beispiel die nicht geringe, was eigentlich der deutsche Film und seine künstlerische Vision ist. Was ist die Identität des deutschen Films? Daniel Kothenschulte wünscht sich eine Marke, ähnlichen dem dänischen Dogma-Film und einen separaten Fördertopf für künstlerische Filme. Der eloquente Martin Hagemann will endlich eine grundsätzliche Debatte führen, darüber wie Wirtschaftlichkeit und Kultur zusammengehen können.

Nur wenig Geld fließt zurück

Auch die Frage, was Erfolg eigentlich bedeutet, möchte er stellen und rechnet vor: 65 Prozent öffentliche Gelder stecken in den deutschen Produktionen, zurückgezahlt werden nur fünf Prozent. Das ist kein Erfolg. Den kulturellen Erfolg hingegen nur in Preisen und Festivalteilnahmen zu bemessen, ist ihm auch viel zu wenig. Die Teilnehmer werfen sich immer neue Fragen, Ideen und Wünsche zu. Antworten gibt es keine. Doch das endlich wieder inhaltliche Debatten geführt werden können, dass man sich streiten kann ohne Anwälte und Gerichte, das ist für den deutschen Film endlich eine gute Nachricht. Die Bahn ist frei.

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