Berlinale-Wettbewerb

„Jack“ – traurig aktueller Film über allein gelassene Kinder

Der erste deutsche Berlinale-Beitrag: Edward Bergers Film „Jack“ spielt in den düsteren Straßen der Hauptstadt. Die Mutter hat sich frisch verliebt und ihr kleiner Sohn weiß nicht mehr wohin.

Foto: © Jens Harant

Die erste Hälfte des Films hat man als Zuschauer schon Angst um Jack, wenn der allein die Straße in Berlin überquert. Die Kamera zeigt so konsequent seine Perspektive, dass man einfach nicht sehen kann, ob da jetzt ein Auto kommt.

Der Junge ist müde und gehört längst ins Bett. Aber die Mutter hat sich frisch verliebt, meint es nicht böse, hat den Schlüssel nicht wie vereinbart im Kinderschuh vor der Wohnungstür versteckt und so irrt Jack, zehn Jahre alt, mit seinem kleinen Bruder Manuel, fünf Jahre, durch Berlin, über stark befahrende Straßen, durch volle U-Bahnen und in gruselige Parkhäuser.

Eine Odyssee durch Berlin

Der erste deutsche Berlinale-Beitrag zeigt ein Bild von Berlin, das bestens in die Zeit passt. Es ist nicht einmal zwei Wochen her, dass zwei Gerichtsmediziner in ihrem Buch „Deutschland misshandelt seine Kinder“ die schlechte Jugendarbeit im Land kritisierten. Der Film „Jack“ illustriert die im Skandal-Buch gezeigten Beispiele und zeigt auf, wo Verwahrlosung anfängt. Oberflächlich ist in dieser kleinen Familie alles in Ordnung. Die Mutter (Luise Heyer) liebt ihre Söhne, schafft es aber nicht, sich um sie zu kümmern. In ihrer Abwesenheit verbrüht sich der kleine Manuel und Jack (Ivo Pietzker füllt den Film vollkommen aus) soll deshalb in ein Heim – dort hält er es nicht aus. Und die Odyssee durch Berlin beginnt.

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Positive Kraft eines Jungen

Am eindrücklichsten sind wohl die Szenen, in denen der kleine Junge immer wieder versucht, in die eigene Wohnung zu kommen. Es ist irgendeine Hausnummer 3, neben einem Fahrradladen. Regisseur Edward Berger wird später in der Pressekonferenz sagen, es könnte auch Bielefeld oder Gütersloh sein. Es ging ihm darum, die positive Kraft dieses Jungen darzustellen. „Der ganze Film findet im Grunde nur auf Jacks Gesicht statt.“

Kurz darauf wurde es auch peinlich, weil eine mexikanische Journalistin sagte, sie hätte nicht gedacht, dass so etwas in Deutschland passieren könne. „Bei uns in Mexiko laufen Kinder nicht alleine durch die Stadt.“

Termine: Am Sonnabend (8. Februar 2014) um 9.30 Uhr u. 18 Uhr im Friedrichstadtpalast; 12.30 Uhr im Haus der Berliner Festspiele; 16. Februar 2014 um 13 Uhr im Haus der Kulturen der Welt

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