Filmfest

Christoph Waltz und James Schamus in der Berlinale-Jury

James Schamus wird Präsident der diesjährigen Berlinale-Jury. Etwas überstrahlt wird der US-Erfolgsproduzent von seinen sieben Mitjuroren. Da landete der Berlinale-Chef mehr als einen Coup.

Foto: epa Christophe Karaba / dpa

Cannes war mal wieder schneller. Am 6. Januar schon hat das französische Filmfestvial seinen Jurypräsidenten benannt. Und das, obwohl es doch erst im Mai startet. Es wartete auch noch mit einem echten Coup auf: Jane Campion ist seit „Das Piano“ nicht nur eine der ganz großen Regisseurinnen des Weltkinos, sie ist auch die allererste Frau, die in Cannes der Jury vorstehen darf. Als die Nachricht bekannt wurde, fragte man sich unweigerlich, wer eigentlich die Jury auf der Berlinale leiten wird, die doch ungleich früher, am 6. Februar startet.

Erst jetzt, 22 Tage vor dem Start, wurde die Personalie bekannt. Die späte Meldung nährt Spekulationen, ob Festivalchef Dieter Kosslick einen besonders dicken Trumpf aus dem Ärmel zieht oder bis zum Schluss keinen veritablen Namen präsentieren kann. Der Präsident heißt nun James Schamus.

Der Mann hat nicht ganz den Bekanntheitsgrad von Jane Campion. Schamus ist Filmproduzent, die stehen immer nur in der zweiten Reihe. Aber der Amerikaner hat immerhin so große Erfolge wie „Lost in Translation“, „Vergiss mein nicht“ und „Dem Himmel so fern“ produziert sowie jüngst „Dallas Buyers Club“, der gerade zwei Golden Globes gewann. Auf sein Konto geht nicht nur der Oscar-Titel „Brokeback Mountain“, sondern eigentlich alle Filme von Ang Lee, auch „Das Hochzeitsbankett“ und „Sinn und Sinnlichkeit“, die 1993 und 1996 Goldene Bären gewannen.

Kosslick holt Christoph Waltz nach Deutschland zurück

Gleichwohl wird der Präsident in diesem Jahr wohl ein bisschen überstrahlt von seinen sieben Mitjuroren, mit denen er über die Preise des Wettbewerbs entscheiden wird. Nun gut, die Schauspielerin Tryne Dyrholm kennen außerhalb von Dänemark auch nicht so viele, obwohl sie schon oft in Berlinale-Wettbewerbsfilmen wie „En Soap“, „In deinen Händen“ oder zuletzt in „Die Königin und der Leibarzt“ zu sehen war.

Auch der Name der iranischen Filmemacherin und Künstlerin Mitra Farahani ist nicht jedem geläufig, auch wenn sie schon häufig in der Sektion Panorama zu Gast war. Die anderen vier Juroren machen das aber mehr als wett.

Denn da ist Christoph Waltz. Einst viel beschäftigter Schauspieler in Deutschland, dem gleichwohl der große Durchbruch immer versagt blieb. Bis ein Amerikaner namens Quentin Tarantino ihn für „Inglourious Basterds“ besetzte – nachdem Leonardo DiCaprio abgesagt hatte – und damit den Grundstock zu einer Weltkarriere legte, zwei Oscars und Globes inklusive. Seither ist der Österreicher, der lange in Berlin und London gewohnt hat, dem deutschen Film verloren. Kosslick holt ihn nun aber immerhin als Juror nach Deutschland, nach Berlin zurück. Einziger Wermutstropfen: Waltz war erst im Mai 2013 auch Juror in Cannes. Das könnte als einfallslos interpretiert werden.

Barbara Broccoli als weiterer Trumpf

Noch ein Trumpf ist Barbara Broccoli. Auch sie ist zwar „nur“ Produzentin, aber sie ist die Tochter von Albert Broccoli und führt dessen Kinoserie fort, die als erfolgreichste Reihe in die Annalen der Filmgeschichte einging: Broccoli produziert die James-Bond-Filme; und sie war es, die Daniel Craig als neuen Spion-Darsteller vorschlug – und der Reihe damit noch einmal einen ganz neuen Kick bescherte.

Ein weiterer guter Bekannter ist Michel Gondry, der französische Kultregisseur, der mit so schrägen und fantasiesprühenden Werken wie „Science of Sleep“ und „Abgedreht“ gleich zwei mal im Wettbewerb der Berlinale vertreten war und in diesem Jahr im Panorama sein jüngstes Werk „Is the Man Who is Tall Happy?“ vorstellen wird.

Hinzu kommt noch Tony Leung, einer der ganz großen Stars aus China, der in den meisten Filmen von Wong Kar-wai zu sehen war, so auch im Eröffnungsfilm 2013, „The Grandmaster“, aber auch mit Ang Lee und Zhang Yimou zusammen arbeitet. Sie alle sind gute Bekannte auf dem Festival.

Ein echter Neuzugang dagegen ist Greta Gerwig, die uns im Panorama 2013 als „Frances Ha“ bezaubert hat, aber sonst erst einmal auf der Berlinale vertreten war, 2010 in „Greenberg“.

Eine tolle, illustre Truppe also, die Kosslick da um sich schart. Eine, die Lust macht auf das Festival. Nur warum die Namen so spät bekannt gegeben wurden, das bleibt schon ein Rätsel. Da hatte der große Konkurrent aus Cannes mal wieder die Nase vorn.