Lukratives Filmfestival

Wie viel die Berlinale Berlin einbringt

300.000 verkaufte Eintrittskarten, 19.000 Fachbesucher, 100.000 Touristen: Dank der Berlinale klingeln in Berlin die Kassen. Nicht nur die Festivalkinos, auch zahlreiche anderen Branchen profitieren von dem Event.

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Wenn am Donnerstag die Berlinale eröffnet wird, ist das nicht nur für Filmfans ein Grund zur Freude. Fast 300.000 verkaufte Eintrittskarten und mehr als 19.000 Fachbesucher aus 115 Ländern sowie rund 100.000 Touristen sorgen dafür, dass in der Stadt die Kassen klingeln. Die Volkswirte der Investitionsbank Berlin (IBB) wollten es genau wissen und haben die durch die Internationalen Filmfestspiele 2012 ausgelösten wirtschaftlichen Effekte mit Hilfe eines Simulationsmodells berechnet. Das Ergebnis ist beeindruckend: Rechnet man alles zusammen, lassen Besucher und Veranstalter des weltweit größten Publikumsfestivals in den zehn Festival-Tagen rund 66 Millionen Euro in der Stadt und schieben damit ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von insgesamt rund 122 Millionen Euro bis zum Jahr 2016 an.

Die Berlinale ist damit nicht nur ein wichtiger Imagefaktor für die Stadt. Denn die Besucher der Berlinale füllen nicht nur die Festivalkinos. Zahlreiche Branchen profitieren. Da insgesamt 24.000 der rund 100.000 Cineasten nicht aus Berlin und Brandenburg stammen sondern aus dem übrigen Bundesgebiet (18.000) und dem Ausland (6000) logieren sie in den Hotels der Stadt, essen in den Restaurants, besuchen private Kunstausstellungen und Museen oder lassen sich in den Friseursalons filmfestreif frisieren. Darüber hinaus kaufen sie in den Kaufhäusern und Einkaufszentren längst nicht nur Souvenirs ein. Auch das Transportgewerbe profitiert, schließlich fahren die Festival-Besucher meist mit dem Taxi oder den öffentlichen Verkehrsmitteln. Reisen sie im eigenen Auto an, tanken sie an den Berliner Tankstellen und füllen die Parkhäuser der Stadt – oder werfen ihre Münzen in die Parkautomaten.

Davon profitiert auch der Arbeitsmarkt. Nach den Berechnungen der IBB-Experten bringt das Filmfest, das in diesem Jahr bereits zum 62. Mal stattfindet, rund 370 zusätzliche Arbeitsplätze in der Hauptstadt, beziehungsweise sichert bereits vorhandene Arbeitsplätze.

„Etwa 70 Prozent der Arbeitsplätze entstehen dabei in den Dienstleistungsbereichen und 30 Prozent im Produzierenden Gewerbe“, rechnet Hartmut Mertens, IBB-Chef-Volkswirt vor. Zudem werden nach seiner Überzeugung auch in Zukunft weiter Arbeitsplätze entstehen. Mertens rechnet mit 82 Arbeitsplätzen jährlich bis 2016. Allerdings, räumt er ein, seien die genannten Werte nur Schätzungen.

Finanzspritze für den Haushalt

Sehr genau kann Mertens dagegen die Zahlen für die Filmbranche benennen. So geben allein die Film-Touristen für durchschnittlich drei Tage 11,5 Millionen Euro am Kinoschalter und der Hotelrezeption aus. Dazu kommen die 30,7 Millionen Euro, die die Fachbesucher beisteuern. Zu den Fachbesuchern zählen neben den rund 4000 Journalisten vor allem Filmrechtehändler, Agenten, Filmproduzenten, Drehbuchautoren, Filmemacher und Schauspieler. Insgesamt 24 Millionen Euro beträgt das Berlinale-Budget, das für Kinomieten, Werbeagenturen, Sicherheitskräfte, Eventveranstalter und Berlinale-Mitarbeiter ausgegeben wird.

Für den chronisch klammen Berliner Haushalt zahlt sich die Berlinale ebenfalls aus. Die öffentlichen Einnahmen Berlins werden sich durch das Festival um etwa 17 Millionen Euro erhöhen. Das ist weit mehr, als die Berlinale in Form öffentlicher Subventionen erhält (sieben Millionen Euro). „Jeder Euro Förderung bringt damit 2,40 Euro für die Berliner Landeskasse“, sagt Mertens. Schon lange bevor am 19. Februar die Goldenen und Silbernen Bären verliehen werden, steht für den Wirtschaftsexperten deshalb ein Gewinner der Berlinale 2012 daher bereits fest: „Die Hauptstadt Berlin“, so das Fazit des Volkswirts. Auch für die Berliner Kinos ist das alljährlich stattfindende Filmfestival ein wichtiges Ereignis. Das gilt nicht nur für die großen Berlinale-Kinos im Zentrum der Stadt, sondern auch für die kleinen Kiezkinos von Köpenick bis hin zu Steglitz. So verwandelt sich Abend für Abend ein anderes Berliner Programmkino zum Schauplatz des fliegenden Roten Teppichs. Dann, wenn es heißt: „Berlinale goes Kiez“.

Mit insgesamt 95 Spielstätten mit 269 Kinosälen und 51.556 Sitzplätzen kann sich Berlin zu Recht Deutschlands Filmhauptstadt nennen. Denn trotz der zahlreichen Kinoschließungen in den vergangenen Jahren hat Berlin damit gemessen an den anderen deutschen Metropolen wie München (38) und Hamburg (27) immer noch die meisten Spielstätten und auch die meisten Besucher. So gingen 2010 9,52 Millionen Besucher in die Berliner Kinos und damit doppelt so viele wie in den anderen deutschen Kinohochburgen München und Hamburg (4,58 bzw. 4,38). Ein Städtevergleich zeigt jedoch, dass die Berliner durchaus nicht zu den fleißigsten Kinogängern zählen. Setzt man die Zahl der Kinobesuche in Relation zur Einwohnerzahl, kommt Berlin nur auf einen mittleren Platz. Im Vergleich von 14 Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern hat die Stadt Nürnberg die meisten Cineasten. Dort geht jeder Bürger durchschnittlich vier Mal pro Jahr ins Kino, gefolgt von Stuttgart (3,6) und München (3,4) auf den Plätzen zwei und drei. Berlin landet auf Rang sieben (2,8 Besuche), das Schlusslicht bildet Dortmund (1,5).

Günstig für Kinogänger

An den Ticketpreisen von durchschnittlich 7,41 Euro kann das nicht liegen: „Berlin ist damit nach wie vor eine sehr preisgünstige Stadt für Kinogänger“, sagt Mertens. Nur in Dresden (6,77 Euro) und Leipzig (7,27 Euro) ist ein Kinobesuch noch preiswerter.