Filmfestspiele

Die Berlinale 2012 lockt mit Weltpremieren

Die 62. Berlinale steht im Zeichen der Aufbrüche und Umbrüche in der Gesellschaft. Das Filmfestival wird am Donnerstag im Berlinale-Palast am Potsdamer Platz eröffnet und präsentiert bis zum 19. Februar 395 Filme in ausgewählten Berliner Kinos. Eine Blick auf das Programm der zeigt: Weltpremieren stehen an.

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Am Donnerstagabend wird sich der Vorhang im Berlinale-Palast am Potsdamer Platz zum ersten Mal heben: Zur Eröffnung des Wettbewerbs 2012 zeigen die Berliner Festspiele „Les adieux à la Reine“. In seinem Kostümfilm mit Diane Kruger und Léa Seydoux beschreibt der französische Regisseur Benoît Jacquot die Französische Revolution aus der Sicht der Dienerschaft in Versailles. Der Film entstand nach einem Roman von Chantal Thomas, er läuft als Weltpremiere in Berlin.

Bis zum 19. Februar konkurrieren 18 Filme um die Goldenen und Silbernen Bären, fünf weitere laufen außer Konkurrenz. Die meisten Filme im Wettbewerb sind Uraufführungen – vielleicht versucht das Festival damit die vernichtende Kritik an der letztjährigen Wettbewerbsausgabe zu kontern.

Weitere Weltpremieren sind etwa der neue Film des philippinischen Regisseurs Brillante Mendoza, „Captive“, in dem Isabelle Huppert eine von der Terroristengruppe Abu Sayaf gekidnappte Entwicklungshelferin spielt, der neue Film der Brüder Taviani, „Caesar Must Die“, und Billy Bob Thorntons „Jayne Mansfield s Car“, der in Koproduktion mit Russland entstanden ist. Ebenfalls Weltpremieren sind die drei deutschen Beiträge: In „Barbara“ schildert Christian Petzold die Biografie einer Ärztin in der DDR 1980, die einen Ausreiseantrag gestellt hat und in die Provinz abgeschoben wird. „Was bleibt“ von Hans-Christian Schmid ist die Geschichte einer Familie, die zusammenbricht. Und in „Gnade“ von Matthias Glasner wandert ein deutsches Paar nach Norwegen aus, sucht dort nach einem Neuanfang, wird aber mit einer alten Schuld konfrontiert. Vor einigen Jahren hatte Glasner mit seinem Vergewaltiger-Drama „Der freie Wille“ in Berlin für Diskussionen gesorgt.

In den Wettbewerb eingeladen sind auch die neuen Arbeiten des ungarischen Enfant terrible Benedek Fliegauf (dessen erster Film „Dealer“ im Forum der Berlinale lief), von Stephen Daldry („Extrem laut und unglaublich nah“) und Zhang Yimou, der sich in sich in „The Flowers of War“ mit dem Nanking-Massaker beschäftigt. Es ist ein Wettbewerb, der auf Entdeckungen hoffen lässt.

Da dürfte es rege Diskussionen unter den Mitgliedern der Internationalen Jury geben, die in diesem Jahr hochkarätig besetzt ist. Unter Vorsitz des britischen Regisseurs Mike Leigh gehören ihr der niederländische Fotograf und Filmemacher Anton Corbijn, der iranische Regisseur Asghar Farhadi (Nader & Simin), die französisch-britische Schauspielerin Charlotte Gainsbourg, der amerikanische Schauspieler Jake Gyllenhaal, der französische Regisseur François Ozon, der algerische Schriftsteller Boualem Sansal sowie die deutsche Schauspielerin Barbara Sukowa an.

Die Hommage des Festivals gilt in diesem Jahr der Schauspielerin Meryl Streep, die ihren neuen Film „Die Eiserne Lady“ vorstellen wird. Zum Programm der Hommage gehören unter anderem die Filme „Kramer gegen Kramer“, „Sophies Entscheidung“ und „Die Brücken am Fluss“, allesamt Klassiker des neueren amerikanischen Kinos. Geehrt wird mit der Berlinale-Kamera auch der Regisseur Haro Senft, einer der Unterzeichner des Oberhausener Manifests. Es hatte vor 50 Jahren den Anspruch erhoben, „den neuen deutschen Spielfilm zu schaffen“. Senft hat sich vor allem um den deutschen Kinder- und Jugendfilm verdient gemacht.

Das Großereignis der Retrospektive des Festivals, die in diesem Jahr die „linke“ deutsch-russische Filmfirma Meschrabpom vorstellt, ist die restaurierte Fassung des Stummfilmklassikers „Oktober“ von Sergej Eisenstein, der die russische Revolution nachzeichnet. Auch in der Sektion Berlinale Special läuft ein neu restaurierter Film: „The Life And Death of Colonel Blimp“ des legendären Duos Michael Powell und Emeric Pressburger. Weltpremieren in dieser Sektion sind „Glück“, der neue Film von Doris Dörrie sowie „I, Anna“ von Barnaby Southcombe mit Charlotte Rampling und Gabriel Byrne.

Nicht immer war in der Vergangenheit beim Special die Abgrenzung zur Sektion Panorama deutlich sichtbar. In ihr laufen im Jahr 2012 etwa die neuen Filme von Tony Gatlif („Indignados“), Hou Hsiao-hsien („10 + 10“) sowie „The Woman Who Brushed Off Her Tears“ von Teona Strugar Mitevska mit Victoria Abril. Einer der Schwerpunkte der Panorama-Dokumente sind Dokumentarfilme aus der arabischen Welt oder über sie. Drei in Kairo angesiedelte Filme etwa stellen den „Arabischen Frühling“ vor.