Filmfestspiele

Diese Berlinale ist die erste ohne Zoo-Palast

Mehr als 50 Jahre war der Zoo-Palast in Charlottenburg Spielstätte der Berliner Filmfestspiele. Nun ist das Kino erstmals nicht dabei. Neben diesem Abschied gibt es aber auch ein Berlinale-Comeback zu feiern.

Eine Ära geht zu Ende. Mehr als ein halbes Jahrhundert war der Zoo-Palast an der Hardenbergstraße Spielstätte der Berlinale. Er galt bis zum Umzug des Festivals an den Potsdamer Platz vor elf Jahren gar als das wichtigste Kino. Seit Liselotte Pulver 1957 den Neubau eröffnet hatte, feierten hier jahrzehntelang die Beiträge des Wettbewerbs ihre Premiere, fuhren schwarze Limousinen vor, aus denen Weltstars von Walt Disney bis Tom Hanks stiegen, um vor jubelnder Menge über den roten Teppich zu laufen. Bis 1999 war der große Saal mit seinem Sternenhimmel Hauptaustragungsort der Internationalen Filmfestspiele.

Und auch nach dem Umzug hielten die Berlinale-Verantwortlichen am Zoo-Palast fest. Eine Dekade lang sorgten die Premieren der Panorama-Sektion weiter für Menschentrauben vor den Glastüren. Cineasten und Neugierige wollten einen Blick auf Madonna oder John Hurt erhaschen. Die Prominenten brachten Glamour in den zunehmend vernachlässigten Westteil der Stadt.

In diesem Jahr nun ist das Traditionshaus erstmals nicht dabei, das Panorama zum Friedrichstadtpalast und Kino International weitergezogen. Das Kino ist seit Ende des Jahres geschlossen, am 29. Dezember 2010 lief die letzte Vorstellung. Vorerst, denn der denkmalgeschützte Bau wird saniert und umgebaut. Erst in zwei Jahren soll das Lichtspielhaus mit reduzierter Sitzplatzanzahl wiedereröffnet werden.

Besonders repräsentabel ist das Areal zwischen Bahnhof Zoo und Gedächtniskirche derzeit eh nicht, es gleicht eher einer Großbaustelle. Gegenüber dem Kino wird ein neuer Luxushotel-Komplex hochgezogen, die Kirche ist eingerüstet, die Straßen aufgerissen. An der Fassade des Kinos, wo bis vor kurzem handgemalte Filmplakate hingen, mahnt jetzt nur ein großer schwarzer Fleck an die Renovierungsbedürftigkeit des in die Jahre gekommenen Prachtbaus. Wie es mit neuem Betreiber weitergeht und ob die Berlinale das Kino ab 2013 erneut als Spielstätte nutzen wird, ist noch unklar.

Neben dem Abschied gibt es aber auch ein Berlinale-Comeback zu feiern. Die Schwangere Auster, das Haus der Kulturen der Welt im Tiergarten, ist nach längerer Auszeit wieder mit dabei.

Die ehemalige Kongresshalle war nur ein Jahr nach dem Zoo-Palast in Berlins Bauboomphase eröffnet worden und gemeinsam sorgten die beiden spektakulären Neubauten nach den Provisorien der Anfangsjahre für internationalen Glamour in der Frontstadt. 1958 wurden hier die Festspiele eröffnet und Bürgermeister Willy Brandt betonte vor Kino-Ikonen wie Gina Lollobrigida, Frank Capra und Curd Jürgens die Weltoffenheit der geteilten Stadt. 2011 laufen im Haus der Kulturen der Welt nun die Premieren der Kinder- und Jugendreihe Generation.

Die Entscheidung für das Haus ist durchaus strategisch zu verstehen. Zuletzt war das Zentrum in die Krise geraten: Im Herbst 2010 kündete das Auswärtige Amt an, den Etat für den Veranstaltungsort, der wie die Berlinale Teil der Berliner Festspiele ist, um 20 Prozent zu kürzen. Berlinale-Chef Dieter Kosslick und der Intendant der Berliner Festspiele, Joachim Sartorius, kritisierten im November die Pläne. Sie setzten falsche Signale, hieß es. Die Entscheidung kurz darauf, die Schwangere Auster nun erneut als Austragungsort der Filmfestspiele aufzunehmen, darf nun ihrerseits als Zeichen verstanden werden.

Als dort 1958 zum ersten Mal die Berlinale eröffnet wurde, erhielt übrigens Ingmar Bergmans „Wilde Erdbeeren“ den Goldenen Bären als bester Spielfilm. Just mit diesem Film eröffnete am Donnerstag die diesjährige Bergman-Retrospektive, allerdings in keinem der beiden Traditionshäuser, sondern in einem Multiplexkino am Potsdamer Platz.