Kurfürstendamm

Das Haus Cumberland ist bald zurück

Das Haus Cumberland am Kudamm soll aus seinem Tiefschlaf erwachen. Die Fertigstellung der ersten Wohnungen ist für Ende 2012 vorgesehen. 200 Wohnungen, 16 Büros und fünf Läden wird es hier künftig geben sowie ein Restaurant, das mit dem Borchardt konkurrieren soll.

Eichendielen, helle moderne Möbel, lichtdurchflutete Räume – die Musterwohnung im Haus Cumberland ist fertig, lediglich an den Balkonen wird noch gearbeitet, das großzügige Flair des alten Grand Hotels ist fast wieder spürbar, auch wenn in dem repräsentativen Gebäudeensemble seit 1936 bis zum Auszug 2002 Behörden ihren Sitz hatten: Der Verkauf der rund 200 geplanten Wohnungen und Penthäuser hat noch gar nicht richtig begonnen, doch die Immobilienentwickler haben bereits 1000 Anfragen auf dem Tisch, 60 Kaufinteressenten sind angemeldet.

Die meisten kommen nach Angaben der Investoren aus Deutschland, viele aus München und Düsseldorf, aber auch für viele Berliner sei das Angebot als Kapitalanlage interessant. „Und dass ohne jede Werbung. Wir sind von einer guten Resonanz ausgegangen, aber sie übertrifft alle unsere Erwartungen“, sagte am Donnerstag Dirk Germandi, der zusammen mit Detlef Maruhn und Thomas Bscher das denkmalgeschützte Haus Cumberland am Kurfürstendamm 193–194 im vergangenen Jahr von der Orco Germany erwarb. Der Preis für das seit Jahren leer stehende Gebäudeensemble lag nach Angaben der Käufer bei 29 Millionen Euro. Orco hatte 2006 nach eigener Auskunft 40 Millionen Euro gezahlt.

Insgesamt 26.000 Quadratmeter Nutzfläche sollen auf dem Grundstück entstehen, 3500 mehr als im Bestand vorhanden sind. Das Gebäudeensemble hat drei Innenhöfe, einen seitlichen Durchgang und reicht bis zur Lietzenburger Straße. Der Gebäudeteil am Kurfürstendamm soll für 16 hochwertige Büros ab einer Größe von rund 500 Quadratmetern und fünf Luxusläden saniert werden. Nach den Plänen der Investoren, die inklusive des Kaufpreises mit rund 120 Millionen Euro für den denkmalgerechten Umbau rechnen, soll hinter dem repräsentativen Eingang am Boulevard ein Nobel-Restaurant auf 500 Quadratmeter einziehen: „Als Gegenpart zum Borchardt in Mitte“, sagte Detlef Maruhn. 300 Plätze soll es bieten, und auch für diese prominente Fläche gebe es bereits „zahlreiche Interessenten“, die allerdings noch nicht genannt werden. Erschlossen werde das Gebäude an der Kurfürstendamm-Seite mit einem neuen Hauseingang in der Mitte.

Gartendenkmal aus Kaiserzeit wird abgetragen

120 der geplanten Wohnungen sollen Ende 2012 fertig sein, teilten Germandi und Maruhn im ehemaligen Kaisersaal mit. Der Saal soll nach historischem Vorbild restauriert werden. Auch der gewerbliche Teil am Kudamm soll zum 100-jährigen Bestehen anlässlich der Fertigstellung des Cumberlands 1912 dann fertig sein. Der Rest der Wohnungen Mitte 2013. Im Schnitt werden die Altbau-Wohnungen (30 bis 167 Quadratmeter) und Penthäuser (110 bis 285 Quadratmeter), die zwischen 3500 und 7500 Euro pro Quadratmeter kosten für 450.000 Euro angeboten.

Angesichts des Jubiläums „125 Jahre Kurfürstendamm“ in diesem Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen stehen die Projektentwickler vor einer logistischen Herausforderung. Damit so wenig Laster wie möglich über den Boulevard fahren, wird der Hauptteil der Abwicklung über die Lietzenburger Straßen organisiert. Am 4. April sollen die Bauarbeiten zur neuen Tiefgarage beginnen, die unter den drei denkmalgeschützten Innenhöfen entstehen wird. 137 Stellplätze werden gebaut. Dazu wird der Hof 2 – ein Gartendenkmal aus der Kaiserzeit – für die Zeit der Bauarbeiten abgetragen, um anschließend wieder zurückgebaut zu werden. Die Einfahrt zur Tiefgarage wird sich an der Lietzenburger Straße befinden.

Auch der Bezirk ist froh, dass die Problemimmobilie Cumberland, die seit fast zehn Jahren leer steht, endlich wieder mit Leben erfüllt wird. Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) geht davon aus, noch in diesem Frühjahr die Baugenehmigung erteilen zu können. Das Genehmigungsverfahren hatte erst im vergangenen September begonnen. Die Investoren lobten die Zusammenarbeit mit dem Bauamt als zügig und produktiv. Und dabei seien die Absprachen wegen des Denkmalschutzes nicht einfach gewesen.

Auch Baustadtrat Gröhler zeigte sich ausgesprochen optimistisch: „Wir haben den Eindruck, dass die Investoren das Vorhaben schnell und kompetent umsetzen wollen.“ Es sei zudem nicht versucht worden, etwas rauszuschlagen, was man nicht rausschlagen könne. Und weil der Bezirk froh über die Entwicklung im Cumberland sei, habe die Behörde auch an der einen oder anderen Stelle kleine Kompromisse zugelassen – beispielsweise bei der Größe der Balkone.