Berlinale-Reporter

Wo "Mammuth" für seine Aufführung vorbereitet wird

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Heike Dietrich
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Gerard Depardieu brilliert in "Mammuth"

Auf dem roten Teppich hatte Schauspieler Gerard Depardieu nur wenig Zeit für seine Fans. Denn schnell ging es zur Premiere des Films "Mammuth". Darin spielt er einen 60-jährigen Schlachter in Rente, der mit seinem Motorrad an die Orte seiner Jugend zurück kehrt.

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Das Zentrum der Berlinale ist 240 Quadratmeter groß und liegt außerhalb der Kinosäle. In einem Gebäude direkt gegenüber dem CinemaXx am Potsdamer Platz werden die Kopien der Filme verwaltet, die während des Filmfestivals zum Einsatz kommen. Hier befindet sich das Filmlager des Festivals - die Schaltstelle zwischen den Sektionen und Kinos.

Manchmal ist es ganz knapp. Dann kommen die Filme erst kurz vor ihrer Aufführung in Berlin an. Wie einer der Wettbewerbsbeiträge, der noch am morgigen Freitag gezeigt werden soll. Welcher das ist, möchte André Stever, Leiter des Filmlagers der Berlinale, jedoch lieber nicht sagen. Über die Schreib- und Schneidetische des Lagers geht jeder einzelne Film mit seinen Kopien.

Alle Filme werden, bevor sie im Festival oder im Rahmen des European Film Market gezeigt werden, gesichtet. Mehr als 6000 eingereichte Filme sind seit Oktober über die beiden Schneidetische und die Bildschirme des Lagers gelaufen und wurden technisch überprüft.

Etwa seit Mitte Januar steht die Endauswahl: 400 Filme kamen ins Festival, 700 wurden im Rahmen des European Film Market gezeigt, davon etwa 150 in beiden Bereichen. Sie wurden nochmals geprüft. Gibt es technische Beeinträchtigungen? Gibt es Untertitel? Besonderheiten wie diese werden auf Laufzetteln für die Kinos notiert, damit dort die Vorstellungen reibungslos ablaufen können. 40 Mitarbeiter arbeiten zurzeit für das Lager in der Voxstraße und ein zweites in der Linkstraße: Fahrer, Kopienprüfer, Büro. Jeder betreut schwerpunktmäßig eine Sektion und behält den Ablauf im Auge.

Leider kommen die Filme immer „eher spät“, wie Stever und Mitarbeiterin Tanja Horstmann sagen. 2009 sei etwa die Hälfte der Videos erst während des Festivals eingetroffen. Wie eben jener ungenannte Wettbewerbsfilm, der erst in der Nacht zu Donnerstag angekommen ist.

Der französische Wettbewerbsbeitrag „Mammuth“ mit Gérard Depardieu, der am Freitag Premiere feiert, läuft am Donnerstag über den Schneidetisch. Kopienprüfer Bodo Müller begutachtet ihn und bereitet ihn für die Vorführungen vor – wie jeden anderen der Wettbewerbsfilme. „Gérard ist ziemlich cool“, sagt Stever beim Blick über Müllers Schuler – wirklich gesehen hat er den Film jedoch noch nicht. Hier geht es ausschließlich um den technischen Zustand – auf Inhalt kann dabei kaum geachtet werden. Mitunter geschehe es, dass noch mal ein Teil des Films auf dem Schneidetisch ganz begutachtet wird. „Dann hat man hinterher den Eindruck, das kenne ich doch. Aber eigentlich verschwimmt alles ineinander“, so Horstmann.

„Mammuth“ ist in drei Kopien nach Berlin gekommen, zwei englischen und einer deutschen. Freitag früh um 0.30 Uhr findet eine Probe statt. Zuvor gab es bereits zwei Marktvorführungen sowie am Donnerstag eine Juryvorführung.

1057 Kopien sind bei der Berlinale 2010 insgesamt im Einsatz. Sie stehen im zweiten und dritten Stock eines Gebäudes an der Voxstraße, direkt gegenüber dem CinemaXx am Potsdamer Platz. 240 Quadratmeter groß ist das Zentrum der Berlinale. Das Lager ist nicht unbedingt das, was man sich unter einem Lager vorstellt. Keine Halle mit meterhohen Regalen und Gabelstablern, die dazwischen hin und herfahren. Mehr zwei Büro-Etagen samt Teeküche und Pausentischen mit einfachen Regalen, in denen die 35-mm-Kopien in Kartons und die meisten anderen Filme digital in Schachteln stehen.

Von hier aus wird „Mammuth“ an die Kinos verschickt. Stever selbst hat 1994 als Vorführer angefangen, bis ihn Jahre später der frühere Festival-Chef Moritz de Hadeln anstellte. Der für den Wettbewerb zuständige Fahrer pendelt zwischen dem Lager und den Aufführungsstätten. „Die Fahrer wohnen hier praktisch“, sagen Clever und Horstmann. Sie behalten auch im Blick, wo überall die Kopie gezeigt wird und holen sich die mit „OK“ gekennzeichneten Kopien selbst aus den Regalen. Zur Not fahren sie auch andere Gegenstände – Notenständer beispielsweise, wie bei der Aufführung von „Metropolis“. Auch wenn ein Verleiher einen Film anfordert, wird er von hier geliefert.

Wandgroße Programmtafeln in der unteren der beiden Etagen zeigen, welcher Film wann wo gezeigt wird. Grün markiert wird er, wenn er im Lager angekommen ist, gelb – er ist noch nicht eingetroffen. Ein Strich dahinter – die Kopie wurde zu den Kinos gebracht. Jeweils am Vorabend der Aufführung sollen die Kopien in den Lichtspielhäusern eintreffen.

Eine ausgetüftelte Logistik. Meist klappt alles, doch an die eine oder andere Panne erinnern sich Stever und Horstmann – widerwillig. „Vor einigen Jahren wurde im Forum eine Zusammenstellung von Kurzfilmen gezeigt. Dabei war nicht aufgefallen, dass der zweite Akt vertauscht war. Doch dem Publikum fiel es auf – es war ein holländischer Film, der dort bereits gezeigt wurde. Unser Akt war dagegen nach Holland gegangen – das mussten wir dann ganz schnell austauschen“, sagt Horstmann.