Das Gefühl ist nicht neu – es ist: der erste Tag an der Uni. Alle anderen kennen sich schon aus, kennen die Leute, die Wege, die Räume, die Cafés, die Ecken, in die sie sich zurückziehen können. Es gibt nur einen Anfänger – man selbst. 10 Jahre Berlinale, immer als einfacher Zuschauer, nun erstmals die Akkreditierung – ich darf doofe Fragen stellen. Ich bin Erstsemester. Oder Berlinale-Reporter.

Zum Beispiel: Wo sind denn hier die Pressekonferenzen? Und stolpere direkt in eine hinein. Werner Herzog, der Präsident, Oscarpreisträgerin Renée Zellweger und die weiteren Mitglieder der Jury sitzen auf dem Podium im ersten Stock des Hotels Grand Hyatt am Potsdamer Platz. Werner Herzog sagt noch einige wichtige Dinge, dann ist es auch schon vorbei, die Fotografen stürzen sich auf Zellweger, die fast verlegen in die Kameras lächelt und einige Fragen beantwortet. Große Sonnenbrille in den blonden Haaren, eine sehr schmale Person in einem schlichten schwarzen Kleid, auf der Leinwand wirkt sie doch gar nicht so zart. Aber wahrscheinlich ist das immer noch der Eindruck aus „Bridget Jones“. Schließlich wird sie von einer Frau von der Bühne gezogen. Man könnte sagen: gerettet.

Das Zentrum der Berlinale ist ganz schön aufgeregt. Dabei wird das Festival erst am Abend um 19.30 Uhr mit dem chinesischen Film „Tuan Yuan“ („Apart Together“) eröffnet. Diejenigen, die beruflich hier sind, treffen Geschäftspartner, Kollegen, stehen vor den Plänen, versuchen neue Termine in ihrem Tagesplaner unterzubringen, verschaffen sich Infomaterial. Am Seitenausgang des Grand Hyatts stehen Autogrammjäger in der Kälte. Alle recht zielgerichtet. Filmteams filmen, dass noch nichts passiert. Ich treibe über den Platz.

Darf ich auch in die Golden-Bear-Lounge? Nein, sorry, aber Sie dürfen gern mal gucken. Croissants und Weintrauben auf dem Tresen, weiße Polster. Nett. Blick auf den Berlinale-Palast. Fotografen haben begonnen, ihr Equipment für den ersten Premieren-Abend in Stellung zu bringen.

Darf ich in das zum Premierenkino umfunktionierte Theater? Ich darf. Unten gibt es die Taschen, jene berühmten Berlinale-Taschen, die auch gern im Freundeskreis herumgereicht werden und die wie Trophäen getragen werden. Bekommt die jeder? Kommt darauf an. Ein Blick auf das Badge, die Karte um den Hals: Alles klar. Mein erster dicker Berlinale-Katalog, geschätzte drei Kilo schwer. Meine erste echte Berlinale-Tasche. Umhängen, unter den Arm klemmen, verstecken?

In den Potsdamer Platz Arkaden stehen die nicht-professionellen Kino-Liebhaber in der Warteschlange. Endlos. Dabei zeigt der Bildschirm über ihnen, dass schon die meisten Filme ausverkauft sind. Frustrierend. So hatte auch der Morgen begonnen: Keine Karten über das Internet – um 10.02 Uhr, zwei Minuten nach Beginn des Vorverkaufs für den nächsten Tag. Ein kleines Kontingent, heißt es immer, sei online zu erwerben. Aber wie klein ist es eigentlich? Dieselbe Frage in jedem Jahr. Keine Erstsemester-Frage.

Die Welt der normalen Zuschauer. Dort, wo man morgens um 7 Uhr schon auf dem Teppich vor dem Ticketschalter hockt, um sicher zu gehen, den Wunschfilm auch wirklich zu bekommen. Der Eintritt zur Pressevorführung von „Tuan Yuan“ war dagegen einfach: Ausweis vorzeigen, durchgehen, Film gucken. Luxus. Die Berlinale-Tasche mit dem dicken Katalog klemmt aber immer noch unter dem Arm.