Berlinale 2009

Silberner Bär - Was Birgit Minichmayr jetzt vorhat

Auf der Berlinale 2001 war Birgit Minichmayr noch Shooting-Star. Seitdem hat sie eine atemberaubende Karriere gemacht. Ob am Burgtheater oder an der Berliner Volksbühne. Für das Drama "Alle Anderen" hat Minichmayr jetzt als beste Schauspielerin den Silbernen Bären bekommen. Morgenpost Online sprach mit ihr über Filme, Campino und neue Pläne.

Im Kino sah man die heute 31-jährige Birgit Minichmayr in Großproduktionen wie "Der Untergang" oder "Das Parfüm". Auf der Berlinale war die Schülerin von Klaus Maria Brandauer auch in "Der Knochenmann" zu sehen. Für Maren Ades Beziehungsdrama "Alle Anderen" hat die in Wien und Berlin lebende Schauspielerin nun den Silbernen Bären bekommen. Mit ihr sprach Peter Beddies.

Morgenpost Online: Wie geht man an so eine Rolle heran?

Birgit Minichmayr: Lars Eidinger und ich wussten schon lange, dass wir die Hauptrollen spielen würden. Schon ein dreiviertel Jahr vor dem Dreh haben wir mit den Proben begonnen. Wir trafen uns immer mal wieder für eine Woche getroffen.

Morgenpost Online: Wenn man sich den Film anschaut, könnte man denken, dass Sie viel improvisiert haben.

Birgit Minichmayr: Komisch, diese Frage kommt häufiger. Dabei haben wir überhaupt nicht improvisiert. Für mich ist das ein total tolles Kompliment, wenn das so rüberkommt. Aber das wirkt wohl so, weil Maren Ade so tolle Dialoge schreibt.

Morgenpost Online: Der Film fühlt sich ja so an, als würde man einem Paar beim Leben zuschauen. War es für Sie wichtig zu wissen, wie es weiter gehen könnte?

Birgit Minichmayr: Wir haben nie darüber gesprochen, ob dieses Paar sich trennt oder nicht. Ich selbst glaube, dass sie noch nicht abschließend darüber gesprochen haben. Das macht für mich ja auch die Spannung aus. Und hier ist jetzt der Zuschauer gefragt. Der soll sich mal schön selbst den Kopf zerbrechen.

Morgenpost Online: Das Aufhören in einer Beziehung ist ja immer der schlimme Teil.

Birgit Minichmayr: Stimmt. Das kenne ich aus eigenem Erleben auch. Man denkt sich bei so mancher Beziehung: "Warum hat die denn so lange gehalten?" Und oft ist die Antwort recht simpel: "Weil man gekämpft hat!"

Morgenpost Online: Hat der Film therapeutische Wirkung, gerade weil man so vieles aus dem eigenen Leben kennt?

Birgit Minichmayr: Also, ich glaube nicht, dass mich dieser Film zu einer Beziehungsexpertin gemacht hat. Aber man wird sich durch so einen Film schon bewusst, was für eine Liebende man ist. Obwohl sich das auch irgendwie ständig ändert.

Morgenpost Online: Viele Ihrer Kollegen ziehen ja die Einsamkeit der Beziehung vor. Oder die Abwechslung, wie auch immer man es nennen mag.

Birgit Minichmayr: Nein, das ist nichts für mich. Sowohl im Beruf als auch im Privatleben bin ich eher der Beziehungsmensch. Etwas gemeinsam mit Menschen zu erreichen, ist doch das Schönste, was es geben kann.

Morgenpost Online: Spielt sich eine solche Rolle leichter, wenn man Anknüpfungspunkte hat?

Birgit Minichmayr: Definitiv! Nun käme ich natürlich nie auf die Idee zu sagen: "Gitti ist wie ich!" Das wäre ja mein künstlerischer Tod. Aber ich erkenne schon Dinge wieder: die Energie zum Beispiel. Die haben wir beide durchaus gemein. Aber ich kann das gut nachvollziehen, dass man uns beide dicht beieinander vermutet.

Morgenpost Online: Wieso das?

Birgit Minichmayr: Bei einer Vorstellung hier auf der Berlinale war ein Freund einer Freundin mit, der mich nicht kennt. Und der fragte zwischendurch: "Ist Birgit im richtigen Leben auch so ... anstrengend?" Meine Freundin hat zum Glück das Gegenteil bestätigt.

Morgenpost Online: Sind Sie privat denn resoluter?

Birgit Minichmayr: Im Gegenteil. Das ist ja das Schöne an diesem Beruf, dass man ausprobieren kann, wie es sich anfühlt, wenn man jemanden brüsk auffordert zu gehen. Im richtigen Leben wäre ich nie so direkt. Ich würde mir Ausreden einfallen lassen, wäre viel höflicher. Man könnte es auch harmoniebedürftig nennen.

Morgenpost Online: Mit Ihrer Arbeit am Theater und beim Film sind Sie schon gut ausgelastet. Jetzt singen Sie auch noch auf dem neuen Album der "Toten Hosen". Wird das die nächste Karriere?

Birgit Minichmayr: Nein, bestimmt nicht. Das war eine einmalige Sache. Obwohl ich echt gern singe, strebe ich nicht an, jetzt auch noch eine Platte zu machen.

Morgenpost Online: Die Idee entstand in Berlin?

Birgit Minichmayr: Genau. Als wir beide bei der "Dreigroschenoper" im Admiralspalast gespielt haben, kam Campino irgendwann auf mich zu und meinte, wir müssten mal was zusammen machen. Aber das sagen ja viele. Aber dann kam der Anruf kam, ich soll nach Düsseldorf kommen, um das Duett aufzunehmen. Also habe ich es gemacht. Aber nun gibt es ein neues Problem.

Morgenpost Online: Welches?

Birgit Minichmayr: Na ja, Campino meinte halt, ich solle mir bitte mal den 21. Februar freihalten, da will er mit mir das Lied bei der "Echo"-Verleihung singen. Dass das Lied überhaupt auf die Platte gekommen ist, ist ja schon Ehre genug. Aber nun soll ich auf einer Bühne zur Rockröhre werden? Wenn das mal gut geht!