Klassik

Philharmoniker spielen Musik für das andere Ende der Welt

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Volker Blech
Eric Schmidt (r.), Executive Chairman von Alphabet Inc., und Philharmoniker-Intendant Martin Hoffmann stellen im Foyer des Kammermusiksaals die Kooperation zwischen Klassik und Google vor.

Eric Schmidt (r.), Executive Chairman von Alphabet Inc., und Philharmoniker-Intendant Martin Hoffmann stellen im Foyer des Kammermusiksaals die Kooperation zwischen Klassik und Google vor.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Die Berliner Philharmoniker sind jetzt Premiumpartner des Google Cultural Institute. Damit soll die Klassik weltweit zugänglich sein

Der Google-Einstiegsfilm für die Berliner Philharmonie hat seinen eigenen Zauber. Man fliegt quasi über den Fernsehturm hinweg zur Philharmonie und kommt über den Haupteingang in den großen Saal. Dort steht Beethovens Neunte auf dem Probenplan, Chefdirigent Sir Simon Rattle wartet am Pult seiner Philharmoniker auf das Startsignal. Man hat zwei Kameras zur Verfügung, um das Ganze mit 360-Grad-Schwenks zu verfolgen und abwechselnd dem Dirigenten oder Musikern über die Schulter zu schauen.

Amit Sood, Direktor des Google Cultural Institute, zeigt den Trailer bei seiner Präsentation am Dienstag im Südfoyer der Philharmonie. Das schmale Südfoyer ist jener Raum, in dem die Büsten der früheren Chefdirigenten stehen und an die große klassische Tradition erinnern. Auf seiner Onlineplattform macht Google jetzt auch die Architektur und künstlerische Arbeit der bedeutendsten Opern-, Konzert- und Theaterhäuser zugänglich. Rund 60 Institutionen aus etwa 20 Ländern beteiligen sich an der Kooperation, sagt Amit Sood.

Berlin spielt ganz vorne mit

Die Philharmoniker sind Premiumpartner. Wer die Seite der „Darstellenden Künste“ anklickt, findet hinter den Berliner Philharmonikern die Royal Shakespeare Company in London, die Carnegie Hall in New York, das Theatro Municipal in São Paulo und die Opéra national in Paris. Auch die Staatsoper Unter den Linden findet sich bereits im Google Cultural Institute wieder. Berlin spielt ganz vorne mit.

In der Philharmonie tritt Amit Sood, der smarte Direktor des seit 2011 aktiven Non-Profit-Instituts, mit Headset auf, spricht frei und mit lächelnder Verbindlichkeit. „Wir freuen uns über die Zusammenarbeit“, lautet seine Botschaft. Ziel von Google sei es, die darstellenden Künste auch für jemanden am anderen Ende der Welt, etwa für ihn, der aus Bombay stammt, zugänglich zu machen. Darüber hinaus zeigt er die technischen Raffinessen, neben den 360-Grad-Videos, interaktiven Geschichten und Bildergalerien gibt es auch Backstage-Eindrücke von ansonsten verschlossenen Räumen wie etwa dem Tonstudio.

Streben nach Höchstleistungen

Gleich nach der Präsentation empfangen Philharmoniker-Intendant Martin Hoffmann und Eric Schmidt, amerikanischer Informatiker, Internetmilliardär und neuerdings Executive Chairman von Alphabet, im Foyer, um die neue Kooperation zu feiern. Schmidt verweist darauf, dass sich die Philharmoniker in ihrem Streben nach Höchstleistungen stets verschiedene Ausdruckswege erschlossen haben. Jetzt ist es das Digitale.

„Nie wieder wird es eine Zeit geben, in der sich die Technik so langsam verändert“, sagt Solo-Cellist und Medienvorstand Olaf Maninger. Man muss immer offen bleiben, will er damit sagen, weil sich alles immer schneller entwickelt. Und Klassik sei kein Fußballspiel, die Menschen müssen im Internet darüber stolpern. Das Google Cultural Institute sei „einer der Königswege“ dafür, so Maninger. Die seit 2008 von den Philharmonikern betriebene Digital Concert Hall bleibt von der Kooperation unberührt.