Crossover

Valentina Babor: Die Pianistin an David Garretts Seite

| Lesedauer: 7 Minuten
Volker Blech
Überlegt nach Berlin zu ziehen: Am Mittwoch gastiert die Münchner Pianistin Valentina Babor erst einmal im Admiralspalast

Überlegt nach Berlin zu ziehen: Am Mittwoch gastiert die Münchner Pianistin Valentina Babor erst einmal im Admiralspalast

Foto: Massimo R odari / Massimo Rodari

Die Münchner Pianistin Valentina Babor wird von Stargeiger David Garrett als Crossover-Solistin aufgebaut. Ein Treffen in Berlin.

Von Valentina Babor, 26, und David Garrett, 35, gibt es schöne Bilder aus der Waldbühne, wo der Stargeiger im Sommer die Newcomer-Pianistin in den Crossover-Markt eingeführt hat. Leidenschaftlich spielt sie mit wehendem blonden Haar, während er sein langes Haar lieber unter der Mütze gebändigt hält. Ein schönes Paar, werden viele mutmaßen. Fragen nach dem Privaten wiegelt Valentina Babor lächelnd ab. Dass die Leute das denken, das sei schon in Ordnung. „Es ist ein Teil der Vermarktung. Das darf man nicht zu ernst nehmen.“

Es gibt sogar eine Legende für die zufällige Begegnung der beiden Künstler, eine aus dem Social-Media-Zeitalter. Demnach hatte sie ein Konzert in München, er eines tags darauf. „Davids Dirigent war bei unserem Konzert. Er lud uns zum Konzert ein, und wir haben uns das Konzert angehört“, erzählt Valentina Babor: „Dann waren wir backstage. Da habe ich David begrüßt und ein paar Worte mit ihm gewechselt. Am nächsten Tag hatte ich eine Facebook-Nachricht von einem gewissen David Garrett.“

Valentina Babor spielt auf seinem Album, David Garrett auf ihrem

Nach der Legende hat er sie natürlich nicht angebaggert, sondern nur im Dienste der Musik angepostet. Es war eigentlich nur ein Satz, sagt die Pianistin: „Bist du schon bei einem Plattenlabel unter Vertrag? Ich habe zurückgeschrieben, vielen Dank, aber wer bist du eigentlich? Es gibt so viele Fake-Accounts. Dann haben wir telefoniert. Er sagte mir dann, dass er schon länger Künstler suche, die er produzieren könne. Und so ging es los.“ Inzwischen ist Valentina Babors erstes, von David Garrett produziertes Crossover-Album „piano princess“ auf dem Markt. Garrett lässt darauf seine Geige in zwei Stücken wie „Anything for love“ erklingen. Im Gegenzug ist auf Garretts neuen Album „Explosive“ die Pianistin bei Michael Jacksons „They don’t care about us“ zu hören.

Als Solistin in Sachen Crossover ist Valentina Babor am Mittwoch im Admiralspalast zu erleben. Inzwischen wird sie gehypt, aus der Prinzessin ist gar schon eine „Göttin der Klaviermusik“ geworden. Was so gar nicht zu ihr passt, sie wirkt im Gespräch viel bescheidener, bodenständiger. Ihr Markenzeichen ist dem CD-Cover zu entnehmen. Wo andere Pianisten intellektuell versunken oder gar griesgrämig am potenziellen Käufer vorbei schauen, lacht Valentina Babor fröhlich ins Bild. „Musizieren hat für mich viel mit Freude zu tun hat. Das möchte ich auch dem Publikum vermitteln“, sagt sie: „Ich finde nicht, dass in der Klassik immer alles ganz ernst zu sein hat. Und gerade im Bereich des Crossovers ist alles viel lockerer. Das macht mir Spaß.“

Popstar Garrett hat eine gute Wahl getroffen, jeder wird die charmante Pianistin mögen. Unser Treffen findet in einem Berliner Hotelfoyer statt. „Ich überlege, nach Berlin zu ziehen“, sagt Valentina Babor irgendwann: „Dagegen spricht, dass München natürlich sehr zentral liegt, wenn man viel reisen muss. Ich werde immer ein Zuhause in München haben, einfach, weil dort meine Eltern leben und ich dort mein Studio habe. David hat es leichter, er kann seine Geige überall mit hinnehmen. Ich muss immer an einem Ort sein, wo meine Instrumente stehen, um meine Programme einzustudieren.“ Valentina Babor, ein Münchner Künstlerkind, wurde bereits mit zwölf Jahren am Mozarteum und am Institut für Hochbegabten-Förderung aufgenommen. Als Pianistin hat sie sich Preise erspielt und schließlich an der Münchner Hochschule studiert. Sie ist eine ausgereifte, ausgewiesene Klassik-Pianistin. Mit David verbinde sie, sagt Valentina Babor, ein ähnlicher Werdegang. „Auch ich habe ja sehr früh angefangen und galt als so eine Art Wunderkind. Wobei David schon früh bei der Deutschen Grammophon war und mit den besten Dirigenten aufgetreten ist. Ich habe mit acht mein erstes Konzert gegeben. Insofern habe ich im frühen Alter viele Konzerterfahrungen gesammelt, von denen ich jetzt profitiere.“

Von Garrett ist bekannt, dass er sich mit Crossover aus seiner strengen Kindheit mit klassischer Musik befreit hat. „Er wurde von seinem Vater gedrillt“, sagt die Pianistin, „das war bei mir nicht der Fall. Mein Vater ist Architekt, er ist Architekt in München und auch in Berlin. Er macht gerade am Kurfürstendamm irgendwas.“ Ihre Mutter war früher Balletttänzerin, die bei John Cranko in Stuttgart getanzt hat.

Mit dem Namen Babor werden viele Frauen etwas anderes verbinden, nämlich ein Kosmetikunternehmen, das sich auf Natur- und Luxusprodukte spezialisiert hat. „Mein Großvater hat es damals mit einem Geschäftspartner aufgebaut“, sagt Valentina Babor. „Mein Großvater hatte zunächst Klavier studiert, konnte damit aber nach dem Weltkrieg nicht genug zum Leben verdienen. Er hat dann Chemie studiert und dieses spezielle Öl entwickelt, das bis heute verwendet wird.“ Aber die Firma wird heute von der Familie des Geschäftspartners weiter geführt. „Ich nehme keine Babor-Kosmetik. Aber eine gute Creme ist mir schon wichtig.“ Eine gewisse Eitelkeit will die Pianistin gar nicht leugnen. „Ich versuche, mich immer schön anzuziehen. Aber ich muss nicht zum Schönheitschirurgen“, sagt sie: „Aber es kann ja noch kommen. Wenn sich einer besser fühlt danach, dann soll er es tun.“

Ihr Lieblingskomponisten sind Chopin und Mozart

Die Musikerin bezeichnet Chopin und Mozart als ihre Lieblingskomponisten, nennt aber auch Beethoven und Brahms. „Bei Bach bin ich bis jetzt noch sehr vorsichtig“, sagt sie: „Während meines Studiums habe ich auch sehr viel zeitgenössische Musik gespielt. Komponisten denken viel freier, als die meisten Interpreten denken. Wenn man mit einem lebenden Komponisten zu tun hat, merkt man schnell, wie sehr sie sich über freie Interpretationen freuen. Wenn sie selber in ihren Stücken neue Dinge zu hören bekommen. Ich glaube, Interpreten müssen sich immer viel mehr trauen.“ Beim Thema großer Pianisten fällt schnell der Name von Grigory Sokolov, das spricht für ihren exklusiven Geschmack. Er sei ein Künstler mit einer außergewöhnlichen Qualität, sagt sie. Ein Pianist, wie es sie heute ja kaum noch gibt. „Er pflegt ein ernstes Repertoire, aber privat ist er unglaublich witzig. Ich habe ihn einmal backstage kennengelernt.“

Genau genommen hat sie sich selbst bereits über eine Zukunft zwischen Klassik und Crossover entschieden. „Im Crossover möchte ich mir neue Stücke, neue Arrangements erarbeiten. Am liebsten mit David zusammen, wenn er Lust darauf hat. Ich habe ganz viele Ideen im Kopf. Aber ich will auch im klassischen Bereich weitermachen.“ Sie weiß, dass es immer Kritiker geben wird, denen das eine oder das andere nicht gefällt. „Vor Kritik darf man keine Angst haben“, sagt sie: „Man muss immer das tun, was einem selber gefällt.“

Admiralspalast-Studio, Friedrichstr. 101–102, Mitte. Am 2.12. um 19.30 Uhr