Konzerte zur Adventszeit

Kinder verdienen nur das Beste der klassischen Musik

Viele Eltern überlegen, ob sie mit den Kindern in die Oper oder ins Konzert gehen. Es gilt einiges zu beachten. Tipps zur Adventszeit.

Wenn ein Märchen aus dem Ruder läuft: „Schneewittchen und die 77 Zwerge“ von  Elena Kats-Chernin ist die aktuelle, bezaubernde Kinderoper an der Komischen Oper

Wenn ein Märchen aus dem Ruder läuft: „Schneewittchen und die 77 Zwerge“ von Elena Kats-Chernin ist die aktuelle, bezaubernde Kinderoper an der Komischen Oper

Foto: Eventpress Hoensch / picture alliance / Eventpress Ho

Erwachsene sollten sich, bevor sie in der Adventszeit einen Konzert- oder Opernbesuch für ihren Nachwuchs planen, einmal daran erinnern, was ihr erstes, das Leben prägende Musikerlebnis war. War es eine Schulaufführung mit der Flötengruppe, ein Kirchenkonzert mit Bach oder ein Opernbesuch? Vermutlich kommen, um sich an die Außergewöhnlichkeit zu erinnern, drei Dinge zusammen. Mindestens ein Elternteil teilte mit Leidenschaft das Erlebnis, es spielten professionelle Musiker und es war ein Stück, dessen Vielschichtigkeit man damals noch gar nicht verstanden hat. Was weniger damit zu tun hatte, dass vorn auf der Bühne ein singender Vogelhändler, ein tanzender Nussknacker oder ein aufgeregter Mann mit Stab in der Hand agierten. Es gibt einfach den Zauber großer Musik.

Familienvorstellungen heißt ein Zauberwort

Längst wissen wir – was eine bittere Erfahrung mancher vermeintlich kindgerechter, letztlich inhaltsleerer Education-Programme der letzten Jahre ist – dass man seinen Kindern nur das Beste vom Besten gönnen sollte. Und nur mit den besten Interpreten und Vermittlern. Familienvorstellungen heißt ein Zauberwort. Dafür sind in Berlin zuerst die Opernhäuser und die Spitzenorchester zuständig. In der Oper gibt es eine lange Tradition: Mozarts „Zauberflöte“ wird von allen drei Opernhäusern angeboten. Das populäre Zaubertheater ist trotz volkstümlicher Elemente Kindern gar nicht so leicht zu vermitteln. In der Staatsoper gibt es an diesem Wochenende im Foyer mehrere moderierte Kinderkonzerte. Unter dem Titel „Zaubersterne“ spielen Musiker der Staatskapelle. Wer will, kann sich am Sonnabend die „Zauberflöte“ im großen Haus anschauen, nachmittags in einer Familienvorstellung, die Größeren nehmen die Abendvorstellung. Die Deutsche Oper zeigt ihre „Zauberflöte“ (ab zehn Jahren) zweimal im Dezember.

Eine einzigartige Kinderopern-Tradition kann die Komische Oper vorweisen. Dort wirbt man sogar mit anspruchsvollen Uraufführungen. Bis Jahresende steht die Kinderoper „Schneewittchen und die 77 Zwerge“ der Komponistin Elena Kats-Chernin noch fünf Mal auf dem Plan. Bei der modernen Märchen-Adaption geht es schrill, witzig, bunt zu, was auch Erwachsenen Spaß macht. Humperdincks „Hänsel und Gretel“ ist geradezu ein Klassiker zur Adventszeit, die grandiose Produktion der Komischen Oper ist viermal im Dezember zu erleben. In der Werkstatt der Staatsoper hat Isabell Ostermann die Kinderoper „Der gestiefelte Kater“ inszeniert. Bei den Berliner Philharmonikern wird die Weihnachtszeit künstlerisch vergnüglich eingeleitet. „Merry Quizmas!“ heißt das etwas andere Familienkonzert, durch das Hornistin Sarah Willis und „KiKa“-Moderator Malte Arkona führen. Es spielen Mitglieder des Orchesters, und es gibt ein Quiz rund um Musik und Weihnachten. Wahrscheinlich ist „Merry Quizmas!“ sogar das originellste Familienprogramm zum diesjährigen Fest. Insgesamt bleibt schon festzuhalten, dass es bei den aktuellen Berliner Familienangeboten so gar nicht multikulti oder interreligiös, sondern abendländisch gediegen zugeht. Unter dem Märchentitel „Zwerg Nase“ veranstaltet Dirigent Andreas Peer Kähler am 5. Dezember im Kammermusiksaal eine musikalische Lesung für Sprecher und Orchester, in dem sich auch Dudelsack und Krummhorn befinden. Das Kinderkonzert wird vom Kammerorchester Unter den Linden, einem kreativen Ensemble, bestritten.

Im Konzerthaus findet am heutigen Sonnabend ein Bach-Marathon statt. Es ist genau genommen ein Tag der offenen Tür für einen großen Komponisten. Erwachsene können ihre Kinder getrost an der Hand mitnehmen. Wenn Ivan Fischer am Pult seines Konzerthausorchester den Marathon mit „Mein erster Bach“ um 12 Uhr eröffnet, dann ist das ein Familienprogramm. Anschließend gibt es Bach zum Hören, zum Mitsingen, im Liegestuhl oder für Kinder aufbereitet. Es gibt einiges zu entdecken. Gegen den Strich gebürstet ist am dritten Advent das Programm „Peter gegen den Wolf“, eine sinfonische Gerichtsverhandlung für Schauspieler und Orchester. Für Eltern, deren Kinder begeistert in einem Chor mitsingen, muss man auch auf die großen Vorbilder hinweisen. Mit Weihnachtskonzerten gastieren die Wiener Sängerknaben und die Dresdner Kruzianer in Berlin.

Auch im Theater tut sich einiges: Pünktlich zur Adventszeit kauft Opernsänger Luitpold Löwenhaupt für seine Familie eine Gans, die zum Weihnachtsfest auf den Tisch soll. Aber Weihnachtsgans Auguste wehrt sich. Am Sonntag ist Premiere des Friedrich-Wolf-Klassikers im Prater. Dort zeigt das Theater an der Parkaue seine Neuinszenierung von Katrin Hentschel.

Einige Tipps für die Adventszeit:

„Zauberflöte“ Die Mozart-Oper läuft in der Deutschen Oper am 12. und 29.12. (Tel. 34384343) und in der Staatsoper im Schiller-Theater am 29.11. um 15 Uhr (Familienvorstellung) und 19 Uhr, 5., 6. und 30.12. (Tel. 20354555) Kinderkonzerte am 29.11. um 11 und 12.30 Uhr im Foyer..

„Schneewittchen und die 77 Zwerge“ Komische Oper am 30.11., 1., 11., 21. und 26.12. (Tel. 47997400)

Philharmoniker „Merry Quizmas!“ mit Hornistin Sarah Willis und „KiKa“-
Moderator Malte Arkona am 29.11. um 14,30 und 17 Uhr

Bach-Marathon Konzerthaus am Gendarmenmarkt am 28.11. von 12 bis 23 Uhr. Iván Fischer eröffnet den Tag mit dem Familienkonzert „Mein erster Bach“.

„Zwerg Nase“ Andreas Peer Kähler dirigiert am 5.12. um 15.30 Uhr sein Kammerorchester Unter den Linden im Konzerthaus. (01805-700 733)

„Peter gegen den Wolf“ Das Konzerthausorchester führt am 13. und 14.12. eine sinfonische Gerichtsverhandlung mit Schauspielern
(Tel. 203092101)