Konzertkritik

Simply Red feiern mit 10.000 Fans 30. Jubiläum in Berlin

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Peter E. Müller
Der Sänger Mick Hucknall (2.v.l.) der britischen Band Simply Red in der Mercedes-Benz Arena in Berlin bei der „Big Love Tour“

Der Sänger Mick Hucknall (2.v.l.) der britischen Band Simply Red in der Mercedes-Benz Arena in Berlin bei der „Big Love Tour“

Foto: Britta Pedersen / dpa/picture alliance

Simply Red sind wieder zusammen, nach dem Abschied in Berlin 2009 nun das Comeback. Und 10.000 Fans feierten mit.

Vor sechs Jahren haben sie sich hier von Berlin verabschiedet. Da hieß die weitläufige Mehrzweckhalle noch O2 World und Simply Red, die Soul-Pop-Truppe aus Manchester, schaute Rahmen ihrer „Farewell“-Tournee noch einmal vorbei, bevor sie sich ein Jahr später auflöste. Aber man soll eben niemals nie sagen. Schon gar nicht im Popgeschäft. Am Dienstagabend steht Mick Hucknall, Sänger und Kopf von Simply Red und einzige Konstante der Gruppe, wieder mit seinen Mitstreitern auf der Bühne in Friedrichshain, die inzwischen den Namen Mercedes Benz Arena trägt. Und feiert mit rund 10.000 treuen Fans das 30-jährige Bestehen seiner Band.

Die Besucher wirken glücklich, Simply Red wieder zu haben. Da stört auch der kleine Rechenfehler nicht. Wie kann eigentlich eine Band, die sich nach 25 Jahren aufgelöst hat, fünf Jahre später ihr 30-jähriges Bestehen feiern? Ach, egal. Sie sind wieder zusammen, nahezu in derselben Besetzung wie beim Abschiedskonzert. Und vor allem, sie spielen ganz publikumsfreundlich all ihre Hits. Dass sie in diesem Jahr mit „Big Love“ nahezu unbemerkt auch ein neues Album aufgenommen haben, schlägt sich nur im Titel dieser Tournee nieder. Ein einziges neues Stück gibt es davon, „Shine On“ heißt es. Als sie es spielen, sind wir schon im Zugabenblock.

Der namensgebende Rotschopf Mick Hucknall hat in den 80er- und 90er-Jahren jede Menge Hits gelandet. Mit Simply Red verkaufte er mehr als 55 Millionen Platten und landete weltweit mehr als 100 Top-20-Platzierungen. Gold- und Platinehrungen pflastern seinen Weg, seit 1985 gleich mit dem Debütalbum „Picture Book“ und der dritten daraus ausgekoppelten Single „Holding Back The Years“ der Durchbruch kam. Nun wird routiniert auf hohem Niveau die Vergangenheit beschworen. Als das Saallicht Punkt 21 Uhr verlöscht, wird aber erst einmal dem Gastgeber des Abends gehuldigt.

Karriere im Zeitraffer

Auf den riesigen Leinwänden, die diese Show illustrieren, wird im Zeitraffer die Karriere des Mick Hucknall aufgeblättert. Bilder eines blutroten Fötus im Mutterleib, Mick als Baby im Körbchen, als Erstklässler, mit Daddy, mit seiner ersten Punkband, dann erste Erfolge und Mick Hucknall auf den Titelseiten von Musik- und Glamourmagazinen. Ein bisschen eitel selbstverliebt wirkt das schon. Es dauert aber zum Glück nicht lange, bis Hucknall mit umgehängter Gitarre zu den Worten „Let’s begin with the beginning“ aus der Kulisse kommt und den Abend ganz allein mit „Holding Back the Years“ eröffnet.

Nun läuft alles exakt strukturiert ab wie am Schnürchen. Man kennt das von Simply Red. Licht und Sound sind exzellent, die Projektionen sind ausgefeilt, Spontaneität und sonstige störende Überraschungen haben hier keinen Platz. Die Mischung aus Motown-Soul, Phillysound und Disco-Funk ist klug austariert und der 55-jährige Mick Hucknall ist stimmlich bestens in Form. Die Halle ist vollbestuhlt. Daran mag es liegen, dass die Show nur etwas schwerfällig auf Touren kommt. Bei „For Your Babies“ beginnen sich immer mehr Fans zu erheben und spätestens bei „Enough“ steht, tanzt und singt die ganze Halle.

Das vom Jazzrock gestreifte „Enough“ sei einer der Favoriten seiner Karriere, sagt Hucknall. Von nun an bekommen auch seine Musiker immer wieder mal Raum für solistische Einwürfe. Gitarrist Kenji Suzuki ist wieder dabei, ebenso Saxophonist Ian Kirkham, Trompeter Kevin Robinson und Bassist Steve Lewinson. Keyboarder Dave Clayton und Schlagzeuger Roman Roth komplettieren die aktuelle Besetzung. Auf Chorsängerinnen hat man diesmal verzichtet.

Straff organisiertes Best-of-Programm

Die Show ist ein straff einstudiertes Best-of-Programm mit jeder Menge alten Bekannten. Dem reggaegetriebenen „Night Nurse“ und dem funklastigen „It’s Only Love“, der schmachtenden Ballade „Stars“ und dem wuchtigen „Money’s Too Tight (To Mention)“, das nach genau 90 Minuten den Schlusspunkt setzt unter diese soulpoppige Hit-Melange, die bei aller Professionalität immer auch ein wenig distanziert wirkt. Aber das liegt ja vielleicht nur an der großen Halle. „Money’s To Tight (To Mention)“, die Coverversion eines Stückes des R’n’B-Duos The Valentine Brothers, war 1985 die allererste Single von Simply Red. So schließt sich der Kreis.

Der Jubel über die Wiederkehr von Mick Hucknalls Simply Red ist einhellig. Für mehrere Zugaben kehren sie auf die Bühne zurück, um sich mit der Kuschelballade „If You Don’t Know Me By Now“, im Original von Harold Melvin & The Blue Notes, endgültig zu verabschieden. Nun sind sie bis Ende kommenden Jahres auf Welttournee.

Ob sie als Simply Red nach diesem Jubiläum zusammenbleiben oder Mick Hucknall wieder zur Solokarriere zurückkehrt? Gegen eine neuerliche Rückkehr nach Berlin hätte das applausfreudige und zum Feiern entschlossene Publikum sicher nichts einzuwenden.