Wettbewerb

Das Bauhaus-Archiv setzt Leuchtzeichen in der Stadt

Glasturm mit Lounge und Blick auf die Stadt: Für das neue Museum für das Bauhaus-Archiv hat der Architekt Volker Staab große Pläne.

Weit in die Stadt hinein leuchten soll er, vielleicht wird man das Licht noch an der Goldelse sehen. Auf jeden Fall will der 20 Meter hohe, filigrane gläserne Turm ein Zeichen setzten als extravaganter Neubau des Bauhaus-Archives am Landwehrkanal.

Tatsächlich hat der Berliner Architekt Volker Staab mit seinem Team einen auf den ersten Blick überzeugenden Entwurf für das neue Museum geliefert. Weil es ein recht offener Gegenentwurf ist zu streng musealen Kunsttempeln, die sich abschirmen von ihrem Umfeld.

Staabs Modell schmiegt sich geradezu ein in die nicht ganz unkomplizierte städtebauliche Topographie der Von-der-Heydt-Straße. Es lässt dem historischen Bau mit den Sheddächern von Walter Gropius Raum, respektiert ihn, behauptet sich dennoch selbstbewusst mit seinen fünf Besucheretagen, die mit auffallenden XXL-Mikadostäbchen durchzogen sind.

50 Büros waren eingeladen, 41 lieferten ihre Entwürfe

Schön ist, dass Staab den Blick zum Landwehrkanal offen lässt, und es einen lichten, tiefergelegten Hof mit einem Atrium gibt. Zur Von-der-Heydt-Straße hin schließt ein weißer Riegel das Ensemble ab, hier werden künftig das Café und der gut sortierte Museumsshop unabhängig von den Museumszeiten ihr Eigenleben führen und die Gegend hoffentlich auch beleben.

Zwei Tage brauchte die Jury, um sich am Ende für den Staab-Entwurf zu entscheiden. Einstimmig, „13:0“, schwärmt Regula Lüscher, die Senatbaudirektorin ist kaum zu bremsen in ihrer Euphorie für den Sieger. Schließlich geht es hier um ein „Museum der Zukunft“, das „niederschwellig“ sein soll.

Insgeheim denkt sie wohl an das Museum der Moderne am Kulturforum, das städtebaulich auch eine exzeptionelle Lösung braucht. 50 Büros waren eingeladen, 41 lieferten, wobei, laut Lüscher, die Konkurrenz groß war, das „Niveau extrem hoch“.

Das eigentliche Museum aber verläuft unterirdisch. Der leuchtende Glaskörper fungiert als Eingangsbereich, um in das Untergeschoss zu kommen, dort befinden sich umlaufend die Ausstellungsräume. Hier unten soll künftig der gesamte Ausstellungsbetrieb stattfinden, während das historische Gebäude ausschließlich für Archiv, Bibliothek und Forschung vorgesehen ist.

Die Fenster des denkmalgeschützten Gebäudes – es entspricht längst nicht mehr einem modernen Museumsbetrieb – sollen im Zuge der Sanierung wieder freigelegt werden. Bislang waren sie abgedichtet, weil Kunstwerke nur wenige Lux vertragen. Die Ausstellungsfläche wird sich von 700 auf 2300 Quadratmeter mehr als verdreifachen. Gott sei Dank ist das Haus auf Zuwachs angelegt.

Glasturm mit Lounge und Blick auf die Stadt

Direktorin Annemarie Jaeggi rechnet mit 175.000 Besuchern im Jahr, derzeit sind es 115.000. Übrigens bekommt der Glasturm im oberen Stock eine Lounge mit Blick auf die Stadt. Ob sich Lüschers Wunsch erfüllt, dass sich hier Jugendliche wie Junggebliebene einfach mal so „hinfletzen“ und abhängen, wird sich zeigen. Jedenfalls sind Stock zwei und drei für die Museumspädagogik reserviert. In der ersten Etage soll ein Studiolo digital eingerichtet werden – mit den wichtigsten Informationen zum Haus.

Startschuss für den Bau soll 2017/18 sein. Das Geld ist da, 56,2 Millionen Euro, Bund und Land teilen sich die Summe. Wenn es gut geht, sind Neubau und Sanierung 2021 abgeschlossen. Damit ist klar, zum 100.-Bauhaus-Jubiläum muss auf der Baustelle gefeiert werden. Auch die Sanierung der Nationalgalerie, die Mies-van-der-Rohe-Ikone, wird nicht abgeschlossen sein. Wie wär’s mit Baustellen-Hopping zum Geburtstag?