20er-Jahre-Ära

Frischer Wind im Berliner Bauhaus-Archiv

Die neu arrangierte Dauerausstellung im Bauhaus-Archiv ist erst einmal die letzte im Haus. Das Gebäude soll ab 2017 erweitert werden.

Foto: , gunter Lepkowski, vg-bild,kunst 2015 / Bauhaus Archiv

Ein bisschen ist es so, als würde das Bauhaus-Archiv sich noch einmal neu erfinden. Um zu zeigen, was für ein Potenzial dieses Haus eigentlich hat, das ewig unter seinem Ausstellungslimit bleibt. Seit Anfang an ist es schlicht zu klein für all die Exponate, die es besitzt. Nun weht frischer Wind im Museum mit einer neu arrangierten Dauerausstellung samt einer Sonderausstellung.

Sie präsentiert 100 Objekte, die in den letzten zehn Jahren neu ins Museum kamen. Annemarie Jaeggi, die Chefin, will ihr Haus jetzt von der allerbesten Seite zeigen. Sie schaut gerade positiv in die Zukunft – die Gelder für den Erweiterungsbau und die Sanierung des denkmalgeschützten, von Walter Gropius entworfenen Gebäudes sind genehmigt. Bund und Land teilen sich paritätisch 56,4 Millionen Euro für das Projekt. 34,8 Millionen Euro gehen auf den Neubau, 21,5 Millionen Euro kommen auf die Sanierung.

Der Wettbewerb wird ausgeschrieben, zudem werden Büros extra eingeladen, die sich mit innovativen Museumsbauten einen Namen gemacht haben. Natürlich sollen auch junge Büros vertreten sein, schließlich gehörte die Erneuerung von Architektur zu den Zielen des Bauhauses. „Dann haben wir ein schönes Spektrum“, mein Jaeggi. Voraussetzung für den Entwurf des Neubaus, kein Solitär solle es sein, sei „Respekt“ vor dem historischen Gebäude.

Bauhaus-Jubiläum 2019

„Alles in trockenen Tüchern“, sagt Jaeggi, so als müsse sie sich noch einmal Mut zusprechen auf der letzten Etappe. Derzeit befinden sich die Unterlagen zu Raum- und Bedarfsplanungen bei den Bundesbehörden. Wenn dort grünes Licht kommt, kann der Architekturwettbewerb ausgeschrieben werden. Im Bauhaus setzt man auf die nächsten Monate. Der Bau des Neubaus würde dann 2017 beginnen. Alles knapp kalkuliert – 2019 steht das große, internationale Bauhaus-Jubiläum an im Verbund mit Dessau und Weimar. Im Bauhaus-Archiv übt man derweil Gelassenheit, wenn das Stammhaus erst fertig ist, könnte man zur Not 2019 den Neubau als „Schaustelle“ im Jubiläumsangebot anbieten. So wird es wohl auch die Neue Nationalgalerie machen, auch dort ist wohl nicht damit zu rechnen, dass die aufwendige Generalsanierung bis 2019 abgeschlossen ist.

Die Neupräsentation wird die letzte sein im alten Sheddach-Gebäude. Die Entfernung diverser Zwischenwände bewirkt Wunder, die Aufteilung in die drei Bauhaus-Phasen Dessau, Weimar und Berlin scheint klar und hell und von der Anmutung relativ großzügig für die beengten Räumlichkeiten. Die Exponate kommen viel besser zur Geltung, zumal sie nun auf Sockel gestellt sind, somit kann der Besucher die Klassiker auf Augenhöhe betrachten: Marianne Brandts legendäre Teekanne, Josef Hartwigs „Bauhaus-Schachspiel“ oder etwa der lange Zeit verschollen geglaubte „Afrikanische Stuhl“ von Marcel Breuer.

Hier gelingt es, einen großen Bogen zu schlagen in der Geschichte des Bauhauses, die 1933 in Berlin endete. Aus dieser letzten Phase von etwa einem Jahr existieren nur wenig materielle Zeugnisse. In den zwei Seitenräumen gibt es „Tiefenbohrungen“ zu ganz bestimmten Themen: wie etwa damals im Bauhaus ausgestellt wurde – Fotos dokumentieren verschiedene Ausstellungen. Plakate und Postkarten zeigen, in welcher Weise geworben wurde. Wer ins Exil ging und wie auf Burg Giebichenstein, einer dem Bauhaus verwandten Institution, gearbeitet wurde. Die Gemälde von Oskar Schlemmer sind zahlenmäßig ausgedünnt – 35 Exponate befinden sich derzeit in der großen Schlemmer-Landesschau in Stuttgart.

Bei der Einrichtung des Bauhaus-Archivs ging Walter Gropius als Vorbild voran und spendete sein Archiv als Fundament für das Museum. Die 10.000 DM als Preisgeld für den Goethe-Preis reichte er ans Berliner Bauhaus weiter. Von dieser „Ursuppe“, erklärt Jaeggi, lebe das Haus heute noch. Familienangehörige der einstigen Bauhäusler, in dritter oder vierter Generation, machten Schenkungen oder „veräußerten sehr entgegenkommend“ einzelne Objekte. Besonders schön ist die Schau dort, wo man Kuriositäten aus dem Alltag des Bauhauses sichtet. Dazu gehört Marcel Breuers prominentes Kinderbett aus dem Hause des Meisters Gropius in der Weißenhof-Siedlung in Stuttgart. Das letzte dieses Entwurfs. Das ist gut so, in diesen spartanischen Holzkasten mit Löchern würde man sein Kind heute kaum mehr legen.

120.000 Besucher im Jahr

Übrigens wird sich die Ausstellung im Neubau künftig auf 1400 Quadratmetern ausbreiten können, jetzt sind es 550 Quadratmeter. Der Platz ist dringend nötig. Das Haus hat mit rund einer Million Exponate – aus allen Bereichen – weltweit die größte Kollektion zur Geschichte der Design- und Architekturschule. 120.000 Besucher zählt das Bauhaus-Archiv im Jahr, Tendenz steigend. Das neue Haus soll auf 175.000 Gäste ausgelegt sein.

Bauhaus-Archiv, Klingelhöferstr.14, Tiergarten. Sonderausstellung: Bis 25. Mai. Mi–Mo 10–17 Uhr.