Kino

Robert De Niro als Praktikant bei Anne Hathaway

Verkehrte Rollen Im Kino: Einst war Anne Hathaway Praktikantin von Meryl Streep, nun ist Robert De Niro der ihre.

Schlagabtausch der Generationen: Anne Hathaway ist die Chefin, Praktikant Robert De Niro muss den Kaffee bringen

Schlagabtausch der Generationen: Anne Hathaway ist die Chefin, Praktikant Robert De Niro muss den Kaffee bringen

Foto: Francois Duhamel / dpa

Das wurde aber auch Zeit. Nach Jahrzehnten, in denen sich die gemeine Mainstream-Komödie vor allem an der vermeintlichen Unvereinbarkeit von Männern und Frauen und den damit verbundenen Klischees abarbeitete, sind nun die neuen Alten der Stoff der Stunde. Es geht nicht mehr darum, wer besser zuhören und wer besser einparken kann. Es geht um den Graben zwischen den Generationen.

Im letzten Jahr handelte Ralf Westhoffs Überraschungshit „Wir sind die Neuen“ dieses Thema anhand der Nachbarschaft zweier höchst unterschiedlicher Wohngemeinschaften ab: Hier feucht-fröh­liche Alt-68er, da verklemmte Studenten, denen die Zukunftsangst im Nacken sitzt. „Man lernt nie aus“ geht einen Schritt weiter.

Ra(s)tloser Ruhestand

Auf der einen Seite steht Jules Ostin (Anne Hathaway), die erfolgreiche Gründerin eines Startups, eines Online-Modeversands. Auf der anderen Seite sitzt Ben Whittaker (Robert De Niro). Der über 70-Jährige hat bis zur Rente für einen Telefonbuch-Verlag gearbeitet. Als Witwer versucht er das Beste aus dem Herbst seines Lebens zu machen.

Er ist um die Welt geflogen, hat neue Sprachen gelernt und Kochkurse besucht. Doch nichts scheint ihm in seinem ra(s)tlosen Ruhestand den ersehnten inneren Frieden zu bringen – bis er sich schließlich um die Stelle eines „Senior-Praktikanten“ bei ATF bewirbt.

Billiger Hilfsarbeiter

Geschäftsführer Cameron (Andrew Rannels) hält es für eine gute Idee, mit älteren Praktikanten die Firma um ein paar Erfahrungen reicher zu machen. Chefin Jules fühlt sich überrumpelt. Bei dem Wort „Senior“, das in den USA Studenten kurz vor ihrem Abschluss beschreibt, hat sie an einen jüngeren Praktikanten gedacht, nicht an einen „Senioren“.

Und so behandelt sie Ben erstmal, wie ein Chef ungünstigster Weise einen Praktikanten behandelt. Sie bringt ihm nichts bei und hält ihn als billigen Hilfsarbeiter. Derweil erfreut sich ihr Praktikant bei ihren Angestellten immer größerer Beliebtheit. Kein Wunder, schließlich schlägt Ben als notorischer Anzugsträger mit seinen höflichen Umgangsformen die üblichen Nerds eines IT-Unternehmens um Längen.

Schlagabtausch der Generationen

Jules ist von der Situation überfordert, versetzt Ben in eine andere Abteilung, nur um kurz darauf, nach Feierabend, seine menschliche, rein platonische Nähe zu suchen. Denn schließlich braucht auch die erfolgreiche Karrierefrau nicht nur steigende Umsatzzahlen und einen vollen Terminkalender, sondern einen besten Freund, an dessen Schulter sie auch mal eine Träne verdrücken und ihr weicheres Ich zur Ruhe betten kann. So weit, so erfolgsversprechend.

„Man lernt nie aus“ hätte das Zeug zu einem aufschlussreichen Schlagabtausch der Generationen. Er könnte auch als Update mit umgekehrten Vorzeichen von „Der Teufel trägt Prada“ durchgehen, in dem Anne Hathaway die rechte Hand der resoluten Chefin eines Modemagazins gab.

Robert De Niro, was immer man von seiner Karriere als hüftsteifer Jerry-Lewis-Epigone in den letzten 20 Jahren halten mag, wäre ein kongeniales Pendant zu Meryl Streep gewesen, die damals Hathaways Chefin spielte. Doch leider verharrt Drehbuchautorin und Regisseurin Nancy Meyers wie schon bei ihren vorherigen Spätsemester-Filmen „Wenn Liebe so einfach wäre“ und „Was das Herz begehrt“ im allzu Offensichtlichen. Statt ihren Figuren ins Herz zu sehen oder auch nur ihr Arbeitsleben genauer unter die Lupe zu nehmen, hangelt sie sich von Kalauer zu Kalauer.

Und plötzlich wird, völlig unvermittelt, emotional auf die Tube gedrückt – als könnte man das Eingeständnis gefühlter Verloren- oder Verbundenheit ohne Substanzverlust auf der Startseite eines Mode-Apps positionieren und nach Belieben her- und wieder wegwischen. Vielleicht sollte Nancy Meyers das nächste Mal Ralf Westhoff als Assistent zu Rate ziehen. Man lernt schließlich nie aus.

Komödie USA 2015 121 min, von Nancy Meyers, mit Robert DeNiro, Anne Hathaway, Rene Russo