Staatsballett

Balletttänzer halten an Verdi fest

Mit einem Warnstreik haben die Tänzer des Staatsballetts Berlin ein Informationsgespräch mit den Künstlergewerkschaften verhindert

Neue Streiks drohen: Die Tänzer des Staatsballetts wollen einen von Verdi ausgehandelten Haustarifvertrag. Dafür wurden bereits acht Vorstellungen wie im April an der Staatsoper im Schiller-Theater bestreikt

Neue Streiks drohen: Die Tänzer des Staatsballetts wollen einen von Verdi ausgehandelten Haustarifvertrag. Dafür wurden bereits acht Vorstellungen wie im April an der Staatsoper im Schiller-Theater bestreikt

Foto: DAVIDS/Boillot / DAVIDS

Die Fronten sind deutlicher als zuvor, zugleich wird die Situation im Staatsballett und damit der Berliner Opernstiftung immer verfahrener. Zum ersten Mal in der neuen Saison haben die Tänzer gestreikt, allerdings war es diesmal kein Streik, der dem Publikum wehtat. Es fiel keine Ballettvorstellung aus, sondern es wurde am Mittwoch ab 17 Uhr eine mehrstündige Streikversammlung in den Räumen des Staatsballetts in der Deutschen Oper abgehalten. Verdi hatte dazu aufgerufen. Die Tänzer sind dem erneut mit großer Mehrheit gefolgt. Das bleibt als Ergebnis festzuhalten.

Von der Arbeitgeberseite wird Verdi gerne als Aggressor dargestellt, der sich in die kleine Welt des Künstlerdaseins drängen will. Traditionell werden die Spitzentänzer von der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA) und der Vereinigung deutscher Opernchöre und Bühnentänzer (VdO) vertreten. Die beiden Künstlergewerkschaften stehen für den geltenden Flächentarifvertrag NV Bühne.

Die große Mehrheit der Tänzer trat Verdi bei

Als sich in den letzten Jahren zunehmend Unmut über die Arbeitszustände unter den Tänzern breit machte, herrschte Sprachlosigkeit zwischen Tänzern und Gewerkschaften. Die gegenwärtigen Streiks gehen zurück auf die fehlende Fürsorglichkeit der Künstlergewerkschaften in der Vergangenheit. Vor einem Jahr trat die große Mehrheit der Tänzer dann Verdi bei, und am Mittwoch kamen auch wieder neu eingestellte Tänzer hinzu, heißt es seitens der Gewerkschaft. Gerungen wird um einen eigenen Haustarifvertrag. In der letzten Saison wurden dafür acht Vorstellungen bestreikt.

Die Opernstiftung, vertreten durch Generaldirektor Georg Vierthaler, lehnt nach wie vor Verhandlungen mit Verdi ab. Er erklärt die beiden Spartengewerkschaften für tariflich zuständig. Und hat dementsprechend die Fäden gezogen. Fieberhaft wurde in den letzten Wochen an einem Vertragsentwurf, der sich an den Verdi-Forderungen abarbeitete, gefeilt. An diesem Mittwoch um 17 Uhr sollten sich dann die beiden Künstlergewerkschaften mit den Tänzern zusammen setzen und ihr Eckpunktepapier für einen Haustarifvertrag vorstellen. Das Informationsgespräch sollte in den Räumen des Staatsballetts und während der Arbeitszeit erfolgen.

Tänzer befürchteten Abmahnungen

Einige Tänzer hatten bereits im Vorfeld öffentlich gesagt, dass sie dem nicht folgen werden, weil sie sich vom Arbeitgeber keine Gewerkschaft vorschreiben lassen wollen. Sie sahen sich aber arbeitsrechtlich unter Druck gesetzt. Abmahnungen wurden befürchtet, wenn sie während der Arbeitszeit nicht erscheinen. Daraufhin rief Verdi von 17 bis 24 Uhr zum Warnstreik auf. Und stellte beiläufig die Konkurrenz kalt.

Bei den kleinen Künstlergewerkschaften fanden sich um 17 Uhr drei Tänzer sowie die Angestellten ein, heißt es am Donnerstag seitens des Staatsballetts. Offenbar will man sich von dem Desaster unbeeindruckt zeigen. Die Verhandlungen der Künstlergewerkschaften mit dem Deutschen Bühnenverein, der die Arbeitgeber vertritt, sollen am 22. September fortgesetzt werden.

Die Opernstiftung hat 800 Künstler, davon 80 Tänzer

Die Arbeitgeber verweisen in ihrem Vorgehen auf das neue Tarifeinheitsgesetz, das „die Durchlöcherung des einheitlichen Flächentarifvertrags durch abweichende Tarifverträge mit dritten Gewerkschaften verhindern soll“. Generaldirektor Vierthaler verweist in diesem Zusammenhang gern darauf, dass zur Opernstiftung 800 Künstler gehören und nicht nur 80 Balletttänzer.

Aber genau das Gleichmacherische gehört zu den Argumenten, die die Tänzer verärgern und Verdi zuspielen. Kein Insider wird leugnen, dass es an Opernhäusern künstlerische Hierarchien gibt, die sich in der Bezahlung und in den Arbeitsbedingungen niederschlagen. Vornean stehen die Orchester, dann folgen die Chöre, die Tanzcompagnien fühlen sich immer hintenan. Das Staatsballett wollte mit GDBA und VdO den neuen Haustarifvertrag bis 1. Oktober in Kraft treten lassen. Aber danach sieht es nicht aus. Es wird weitergehen, heißt es bei Verdi. Gemeint sind die Streiks.