Eigentlich wollte er gleich wieder gehen. Tom Tykwer kam am Dienstagabend in den Zoo Palast, um seinen Film „Drei“ vorzustellen. Und vorher vor dem Publikum ein paar Worte zu verlieren. Dann wollte er weiter. Aber spontan bleibt er dann doch. Setzt sich in die letzte Reihe. Und schaut sich selbst seinen Film von 2010 noch mal an. Weil er von dem Ambiente so angetan ist. Und seinen Beziehungsfilm schon lange nicht mehr vor Publikum gesehen hat. Noch dazu vor so unvorbereitetem.
„Wie viele kennen den Film denn noch nicht?“, fragt er vorab. Da gehen etwa zwei Drittel der Hände hoch im Saal Drei. Das erstaunt den Regisseur denn doch. Er hat erwartet, dass sich viele den Film, wie er, nach langer Zeit noch einmal anschauen würden.
Ein ganz persönlicher Film
Hauptrolle Berlin: Jeden ersten Dienstag im Montag zeigt diese Filmreihe, eine Gemeinschaftsproduktion des Kinos mit der Berliner Morgenpost, einen genuinen Berlin-Film. Und immer wird ein Gast dazu geladen, der über die Entstehung spricht. Den Auftakt machten im August Jan Ole Gerster und Tom Schilling mit „Oh Boy“. Am 6. Oktober folgt „Berlin Calling“ mit Paul Kalkbrenner.
Der zweite Abend der Reihe war Tykwer vorbehalten. Der nicht etwa seinen Klassiker „Lola rennt“ präsentierte, sondern seinen anderen Berlin-Film, eine Dreiecksgeschichte, in der er Berlin nicht so sehr als Kulisse, sondern als Heimatort inszenierte. Und der deshalb auch viel persönlicher ist. Mit ganz vielen Lieblingsorten. „,Lola rennt’“, meint er denn auch im gut ausverkauften Saal, „ist schon viel weiter weg, der feiert ja bald 20-Jähriges. Da fühle ich mich plötzlich sehr alt.“
Reise ins historische Berlin
„Drei“, der ziemlich genau vor fünf Jahren seine Premiere auf dem Filmfest von Venedig feierte, ist da noch deutlich näher. Tykwer erinnert sich, wie er wegen der vielen Sexszenen Überzeugungsarbeit leisten musste, um seine Schauspieler Sophie Rois, Sebastian Schipper und Devid Striesow zu gewinnen. Und erklärt dem Publikum, wie schwierig es ist, so intime Szenen vor reisiger Crew zu drehen. Demnächst wird er sein drittes dezidiertes Berlin-Projekt in Angriff nehmen: die Verfilmung von Volker Kutschers Krimis aus dem Berlin der 30er-Jahre. „Das“, meint der Regisseur, wird dann noch mal eine ganz andere Herausforderung: weil es die Drehorte von einst so fast alle nicht mehr gibt.
BM





