Der Hausherr wirkt bestens erholt. Dieter Hallervorden ist gerade aus dem Urlaub zurück. Er hat sich auf sein französisches Schloss zurückgezogen, um ja für keine Anfragen erreichbar zu sein. Deren gibt es viele, denn am 5. September steht ja sein 80. Geburtstag an. Nun aber ist er am Dienstag morgen da, um die neue Saison im Schlosspark Theater vorzustellen. Die nächsten Tage gibt es bereits Voraufführungen zur neuen Produktion „Amadeus“, die Premiere aber gibt es selbstredend erst am Sonnabend, pünktlich zum Runden. Und den wird Hallervorden natürlich an seinem Haus, in seiner Familie verbringen.

Vor runden Geburtstagen habe er sich nie gefürchtet. An dieser Stelle aber weist der Theaterintendant auf ein anderes Datum hin: den 12. Dezember 2008, als er im Roten Rathaus den Vertrag fürs Schlosspark Theater unterzeichnet hat. Damals, sagt er nicht ohne Stolz, habe es überall Zweifel gegeben, ob er auch nur die ersten neun Monate überstehen würde. Jetzt startet seine siebte Spielzeit.

Der Hausherr und der Sonnenuntergang

Die wird ein bisschen Hallervorden light. Aber nur ein bisschen. Sechs neue Produktionen bringt die neue Saison, neben Peter Shaffers „Amadeus“, der als Film weltberühmt wurde, unter anderem Neil Simons „Rose und ihr hilfreicher Gast“ mit Michaela May, „Auf Messers Schneide“ unter der Regie von Folke Braband und „Einer flog übers Kuckucksnest“. In keinem dieser Produktionen spielt Hallervorden selbst mit, in keiner führt er Regie. Dabei ist das Haus immer dann am vollsten, wenn der Hausherr selbst auf der Bühne steht.

Auch unter den Wiederaufnahmen finden sich seine Hits nicht, weder Molières „Bürger als Edelmann“ noch „Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt“. Dafür wird er sich einen Traum erfüllen und im Frühjahr 2016 unter Thomas Schendels Regie Gerhard Hauptmanns Sozialdrama „Vor Sonnenuntergang“ spielen.

Klares Bekenntnis für die Next Generation

Was man, bitte schön, nicht als Metapher verstehen soll. Ja, gibt er zu, er habe von Mai bis Juli ein wenig oft auf der Bühne gestanden, er habe gedacht, er brauche eine Pause, um die Batterie aufzuladen. „Aber dann bin ich in Urlaub gefahren und spätestens nach zwölf Tagen dachte ich: Was mache ich denn jetzt?“

Trotz seines hohen Alters und dem ewigen Kampf um ein Privattheater will sich Hallervorden aber nicht aufs Altenteil zurückziehen. Und liefert mit der frisch gegründeten Jugendtheaterintiative „YAS“ auch ein klares Bekenntnis für die nächste Generation. Nur über eines wird er – auf Nachfrage – doch vorsichtig ungnädig: als er gefragt wird, was denn wohl von den Subventionen übrig bleibe, wenn Kulturstaatssekretär Tim Renner unter den Berliner Boulevardtheatern vor allem das Renaissance-Theater finanziell aufwerten will.

Tim Renner sei es, der eine Jury zusammenstelle und die Kriterien, nach denen sie die Gelder verteilen sollen. Die Entscheidungen träfen also Dritte. „Wir müssen nur aufpassen, dass diese Dritten den Bühnen insgesamt gewogen sind.“ Da blitzt ganz kurz ein bisschen Zorn auf, bevor er wieder auf Altersmilde umschaltet: „Ich fasse mich da in Geduld.“