Kino

Acht Filme im Rennen um deutschen Oscar-Beitrag

Am Dienstag und Mittwoch wird in München über den deutschen Beitrag für den Auslands-Oscar diskutiert. „Victoria“ könnte durchfallen.

 "Elser. 13. Minuten" von Oliver Hirschbiegel

"Elser. 13. Minuten" von Oliver Hirschbiegel

Foto: © Lucky Bird Pictures,Bernd Schuller / Lucky Bird Pictures,Bernd Schuller

Mainstream oder Arthaus? Historische Aufarbeitung oder aktuelles Thema? Bewährtes oder Innovatives? Aber auch: Sieger oder Verlierer? Das sind so Fragen, die sich eine neunköpfige Jury am Dienstag und Mittwoch stellen muss, wenn es um den deutschen Kandidaten für den sogenannten Auslands-Oscar geht.

Der soll am Donnerstag Vormittag verkündet werden. Bis dahin werden die Damen und Herren in Räumlichkeiten der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen über acht Filmtitel diskutieren und vielleicht auch streiten müssen.

Vergangenheitsbewältigung oder aktuelle Stoffe

Gern wurden in der Vergangenheit Filme gekürt, die sich mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzen. Was das deutsche Bestreben um stete Aufarbeitung dokumentieren soll, aber in Hollywood auch gut ankommt.

Dieses Jahr stünden da gleich zwei Kandidaten zur Wahl: „Elser“ über den Hitler-Attentäter Georg Elser und „Im Labyrinth des Schweigens“ über die Frankfurter Auschwitz-Prozesse. Beides relevante Themen, beide aber in braver Schulreportmanier verfilmt.

Zwei Kandidaten widmen sich der jüngeren Geschichte: „Wir sind jung. Wir sind stark.“ setzt sich mit fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Rostock 1992 auseinander und zwingt den Zuschauer auch in die Täterperspektive. „Freistatt“ deckt den Missbrauch in einem Jugendheim in den 60er-Jahren auf.
Die Hälfte der Filme aber befasst sich mit ganz gegenwärtigen Stoffen: Der Überraschungserfolg „Jack“ handelt von vernachlässigten Kindern in Berlin, Til Schweigers „Honig im Kopf“ von Alzheimer. Mit „Schmidts Katze“ geht auch eine echte Komödie ins Rennen. Und mit der Berlin-Hymne „Victoria“ der große Lola-Sieger des Jahres: ein 140-Minüter ohne einen einzigen Schnitt.

Nur halb so viele Kandidaten wie im Vorjahr

Diese Kandidaten werden übrigens nicht ausgewählt, jede Produktionsfirma kann einen Film einreichen, wenn er den Kategorien der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, kurz AMPAS, entspricht und zwischen dem 1. Oktober 2014 und dem 30. September 2015 ins Kino kam. In diesem Jahr wurden acht Filme eingereicht, im Vorjahr waren es fast doppelt so viele, nämlich 15.

Die Jury setzt sich zusammen aus Vertretern von Organisationen wie dem Verband Deutscher Filmproduzenten, dem Verband der Filmverleiher und der Deutschen Filmakademie.

Die Sache mit der Sprache

Diese Juroren werden also darüber zu befinden haben, ob man wieder auf Nummer sicher geht oder ob man auf ein filmhistorisch einmaliges Experiment wie „Victoria “ setzt. Ein Kandidat muss laut Statuten nicht mehrheitlich auf Deutsch gedreht worden sein, darf aber nicht überwiegend in englischer Sprache sein. Schließlich heißt die Oscar-Fachkategorie „Bester nicht-englischsprachiger Film“. Das könnte „Victoria“ zum Verhängnis werden.

Die Academy in Hollywood wird dann am 14. Januar aus den vielen Einreichungen bekannt geben, welche Länder nominiert werden, und am 28. Februar um den Goldknaben bangen dürfen. Dieses Jahr kam der deutsche Beitrag „Die geliebten Schwestern“ nicht in die Endrunde, das war zuletzt Wenders’ Tanzdoku „Pina“ 2012 gelungen, der aber nicht siegte. Ein Jahr später gewann immerhin die deutsch-französisch-österreichische Koproduktion „Liebe“ von Michael Haneke den Auslands-Oscar.