Bestellt und nicht abgeholt, so steht er da, der Neue aus dem Norden, der seinen Dienst in Nürnberg antreten soll. Aber die Kollegen bieten kein Empfangskomitee am Bahnhof, die stehen in weißen Schutzanzügen im Wald an einem frischen Tatort. Also macht sich auch der Neue, wiewohl sein Dienst eigentlich erst am nächsten Tag beginnt, dorthin auf. Und stellt sich buchstäblich neben der Leiche vor. Dieser Auftakt hat Signalwirkung: Im neuen Franken-„Tatort“, der heute mit der poetisch betitelten Folge „Der Himmel ist ein Platz auf Erden“ startet, sollen nicht die Ermittler, sondern der Fall im Fokus stehen. Das Besondere an den beiden neuen Kommissaren sei, doziert die zuständige BR-Redakteurin Stephanie Heckner, „dass sie ihren Dienst ohne Etikett antreten.“ Das Besondere, könnte man frei interpretieren, ist, dass sie nicht besonders sind.

Das ist natürlich gemein. Immerhin haben wir es dabei mit Dagmar Manzel und Fabian Hinrichs zu tun. Die eine eine waschechte Berlinerin, die mühelos zwischen Kino, Theater, Chanson und Musiktheater changiert. Der andere seit „Sophie Scholl“ (2004) als ewiger Filmnachwuchs gefeiert, was dem 40-Jährigen und Lola-Ausgezeichneten längst nicht mehr gerecht wird. Max Färberböck, kino- wie krimigestählter Regisseur und Ko-Autor dieses „Tatorts“, widerspricht seiner Redakteurin denn auch ein bisschen. Definiert er doch beide Figuren als „emotional unzuverlässig“.

Zwei, die gern anecken

Die Dame, einst aus dem Osten geflohen, kann ihren Mund nicht halten, wofür sie schon manche Vorladung bekommen hat. Sie hat aber auch Ladehemmung, kann nicht schießen, seit ein Kollege ihretwegen gestorben ist. Der Herr ist aber auch nicht gerade das, was man angepasst nennt. Die beiden verstehen sich gleich prima. Und werden zusammen wohl gern anecken. Übrigens nicht nur in den Folgen. Hinrichs hat zu seinem Einstand auch schon privat über die Quotenhörigkeit der Öffentlich-Rechtlichen gepoltert.

Besonders ist diese Folge aus einem anderen Grund: Ausgerechnet Bayern, flächenmäßig das größte Bundesland, hat seit Anbeginn der „Tatort“-Reihe, also seit dem ersten BR-Fall 1972, einzig aus München ermittelt, während andere Länder schon zwei bis drei Städte zur Krimikulisse erwählt haben. Diese zentralistische Agonie wird jetzt erst durch das Franken-Team gebrochen, das zwar in Nürnberg stationiert ist, aber in ganz Franken ermitteln soll. Was eine neue Tonart in der Reihe ergeben soll. Den „Dodard“, wie es einer der Kollegen schon mal ausdrückt.

Der erste Fall noch kein Highlight

Ach ja, der Fall. Der soll ja die Hauptrolle spielen: In besagtem Wald wird eine männliche Leiche gefunden, offensichtlich bei einem Schäferstündchen erschossen. Aber nicht von der Frau, mit der er im Auto zugange war. Von der fehlt erst mal jede Spur. Die Kommissare ermitteln an der Erlanger Uni, wo der Professor in der Raketenforschung tätig war. Offensichtlich ein ganz großes politisches Ding. Oder hat der Mord am Ende doch ganz profane persönliche Motive?

Der erste Fall fürs Franken-Team, seien wir ehrlich, ist noch kein Highlight. Und letztlich doch nur dazu da, um die Neuen einzuführen. Aber das kann ja noch werden. Der Franken- „Tatort“ hat es dabei schwer. Gab es doch gerade ein fulminantes Debüt der neuen Berlin-Ermittler. Der Franken-„Tatort“ hat es dabei leicht: Nach dem letzten, unterirdischen Ostern-„Tatort“ kann es nur besser sein.

ARD, 12. April, 20.15 Uhr