„Tatort“

Warum Schauspielerin Jenny Schily wenig Wert auf Prominenz legt

Die Schauspielerin Jenny Schily, Tochter des Politikers und Rechtsanwaltes Otto Schily, ist am Sonntag im ARD „Tatort“-Krimi zu sehen.

Foto: Reto Klar

„Ich gestehe, ich gucke nicht regelmäßig ‚Tatort‘“, sagt Jenny Schily gleich vorab. Und dennoch lässt sich die 47-Jährige als Expertin für die Krimireihe bezeichnen, die seit über 40 Jahren sonntags für verlässliche Quoten in der ARD und montags für Gesprächsthemen in deutschen Kantinen sorgt. Die Schauspielerin gab in der Vergangenheit bereits eine Psychiatriepatientin bei Thiel und Börne in Münster, eine Mörderkomplizin bei Ritter und Stark in Berlin und die Exfrau von Steier in Frankfurt.

Und auch an diesem Sonntag ist die Berlinerin um 20.15 Uhr wieder in einer Nebenrolle zu sehen, wenn Fabian Hinrichs und Dagmar Manzel als Felix Voss und Paula Ringelhahn ihren ersten Fall in Franken lösen. Ambitionen auf eine Kommissarenrolle habe sie selbst nicht, erklärt Schily. „Ich hätte Angst, nicht genug anderes machen zu können. Man muss das voll und ganz machen, und ich weiß nicht, ob ich dazu bereit bin.“ Es habe aber auch noch niemand gefragt, ergänzt sie – und lacht.

Jenny Schily fühlt sich wohl in ihrer Nische, wie sie selber sagt. Nur selten komme es vor, dass sie auf der Straße erkannt werde. Ihre für eine Schauspielerin recht untypische Zurückhaltung erklärt sie sich selbst mit der großen Bekanntheit ihres Vaters. Jenny Schily ist die Tochter des Grünen-Mitbegründers, einstigen RAF-Anwaltes und ehemaligen Bundesinnenministers Otto Schily aus dessen erster Ehe mit der Malerin Christiane Hellwag. „Ich bin mit dem Gefühl aufgewachsen, dass mein Vater bekannt war. Das war einfach schon immer so“, sagt sie. „Vielleicht ist deshalb bei mir der Wunsch nach Berühmtheit, der bei anderen Kollegen viel ausgeprägter ist, nie so stark gewesen.

Bekanntheit ist banal

Meine Sehnsucht ist da sehr begrenzt, weil ich weiß, dass Bekanntheit am Ende total banal ist.“ Manchmal frage sie sich selbst, warum sie trotzdem diesen Beruf gewählt habe. „Ich bin kein extrovertierter Mensch und kein Entertainer. Es ist jedes Mal eine Herausforderung und nichts, was mir zufliegt. Aber daraus schöpfe ich dann auch Kraft.“ Wer Jenny Schily trifft, glaubt, dass sie mit solchen Aussagen nicht bloß kokettiert. Die Mutter einer achtjährigen Tochter spricht beim Interview im „Manzini“ an der Ludwigkirchstraße in Wilmersdorf trotz Caféhauslärm mit ruhiger, unaufgeregter Stimme. Jeden ihrer Sätze scheint sie zuvor genau überlegt zu haben, nach Antworten pausiert sie kurz und lächelt erwartungsvoll.

„Natürlich bin ich trotzdem eitel und habe gerne Erfolg. Und bei der Schauspielerei ist das immer mit einer gewissen Öffentlichkeit verbunden, die ich auch brauche“, sagt sie. Das Gefühl, dass es trotzdem gerade dieser Job sein müsse, habe sie schon früh mit sich herumgetragen. „Es hat nur eine Weile gebraucht, bis ich es in die Tat umgesetzt habe.“ Jenny Schily studierte zunächst zwei Semester Slawistik, bevor sie sich an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ bewarb. Ihr Vater sei von dieser Idee zunächst wenig begeistert gewesen, aber dass sei schon unzählige Male in der Presse zu lesen gewesen, sagt sie. Jenny Schily möchte über ihren Beruf, nicht über ihren Vater sprechen, das macht sie deutlich. Auch wenn das Verhältnis gut sei.

Theater in Dresden, Frankfurt und Berlin

In den Anfangsjahren spielte Jenny Schily hauptsächlich Theater. Zuerst in Dresden, dann in Frankfurt und später an der Schaubühne Berlin. „Am Theater hat man sehr viel Kontinuität. Das ist schön, weil man sich bei jedem Stück weiterentwickeln kann. Das kann aber auch kippen, und dann findet man es langweilig“, sagt sie. „Ich hatte irgendwann so ein Betriebsgefühl, und das war nicht schön.“ Also wechselte sie zum Film, heute genießt sie ihre neu gewonnene Freiheit. „Beim Theater hatte ich mein Auskommen. Jetzt ist es immer wieder eine Herausforderung, wenn mal eine Zeit lang nichts kommt. Aber das hält wach, und das finde ich gut“, sagt die Schauspielerin. „Klar muss man mit seinen Ängsten umgehen, aber ich denke, das haben auch Leute mit einem geregelten Job. Um die Angst kommt man nicht herum.“

Mit ihrer Tochter, ihrem Mann, einem freischaffenden Komponisten, und dessen 18-jähriger Tochter lebt Jenny Schily in Charlottenburg. Momentan sei kein Tag wie der andere, und das genieße sie sehr. „Das ist manchmal schwierig, weil es keine festen Strukturen gibt, aber meistens sehr schön“, sagt sie. „Es ist ein unstetes Leben, obwohl es mit Mann und Kind Dinge gibt, die Stetigkeit verlangen.“ Ein Leben, das auch ihr Vater kennen dürfte.

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