Konzert im Kesselhaus

Konsequent, authentisch, echt - JJ Grey & Mofro in Berlin

JJ Grey und seine Band Mofro haben im Berliner Kesselhaus authentischen Bluesrock abgeliefert und ihr Publikum begeistert. Erfrischend, dass es in der glatten Popwelt noch solche Musiker gibt.

Foto: Redferns via Getty Images/Getty Images

Als Konzertbesucher ist man froh, wenn ein Laden nicht ganz ausverkauft ist. Wenn man problemlos direkt vor die Bühne kommt. Wenn man den Musikern auf die Finger schauen kann und ihnen Auge in Auge gegenüber steht. Das Kesselhaus der Kulturbrauerei ist an diesem Dienstagabend zwar ganz gut gefüllt, aber man hätte einem Vollblutmusiker wie JJ Grey und seiner Band Mofro dann doch noch etwas mehr Publikum gewünscht bei seinem jüngsten Berlin-Besuch. Denn es gibt heutzutage nur wenige Entertainer, die es so ernst und persönlich meinen mit ihrer Musik. Und die sich so hemmungslos in ihr verlieren.

JJ Grey, der eigentlich John Grey Higginbotham heißt, stammt aus Jacksonville im US-Bundesstaat Florida. Er schreibt Lieder über die hart arbeitenden Menschen seiner Heimat, über Nachbarn, Freunde und Verwandte, über die Härten des Lebens. Aber auch über die Schönheit und Unberechenbarkeit der Natur und das Glück, auf diesem Planeten leben zu dürfen. Mit seinen sechs Musikern, die sich mit einem Lächeln verstehen, spielt sich der Endvierziger durch den Blues des Südens, den heißen Sound der Sümpfe, den Soul eines im amerikanischen Bible Belt groß gewordenen Jungen, der dem Rhythm’n’Blues ebenso verfallen ist wie dem Gospel und der Country-Musik.

Zunächst aber steht der Singer/Songwriter Marc Broussard aus Louisiana auf der Bühne. Doch nicht einfach nur als Vorprogramm. Während der Sänger mit dem zerzausten Vollbart seine beseelten Soulballaden singt, zunächst noch allein mit Gitarre, steigt plötzlich Mofro-Keyboarder Anthony Farrell mit ein. Später kommen noch Schlagzeuger Anthony Cole, Gitarrist Andrew Trube und Bassist Todd Smallie auf die Bühne, um seine Songs zu veredeln. Und JJ Grey steht an der Bühnenseite und singt zweite Stimme. Da hat einer einen Freund mit auf Tournee genommen. Und schon diese Eröffnung ist musikalischer Genuss.

Emotional aufgeladene Songs

Mit dem aufwühlenden „99 Shades of Crazy“ eröffnen JJ Grey & Mofro ihr Konzert. Nun prägen auch Trompeter Dennis Marion und Saxofonist Jeff Dazey mit ihren flirrenden, kantigen Riffs die Stücke, deren Mittelpunkt immer JJ Greys markante, raue, von ganz tief von innen kommende Stimme ist, die sich Strophe um Strophe mehr und mehr in die Höhe schwingt. Ein neues Album haben sie mitgebracht. Es ist das mittlerweile achte seit 2001 und es heißt „Ol‘ Glory“. Es sind emotionsgeladene, lustbetonte, lebensweise Geschichten von Menschen und ihren Schicksalen.

„Every Minute“ spielen sie daraus, später auch die bewegende Ballade „Light A Candle“. Daneben aber gibt es Klassiker wie das wütende „Country Ghetto“ mit heftigem Blues-Harp-Einsatz, „Slow, Hot And Sweaty“ über eine heiße Liebesnacht oder zum großen Finale das stürmend-drängende „Orange Blossom“. Stillstehen ist zwecklos. Diese funk- und soulgetriebene Musik ist von kompromissloser Offenheit. Immer wieder bekommen die einzelnen Musiker reichlich Raum für Soloausfüge, doch immer wieder findet die Band zurück auf den eingeschlagenen Weg. Es ist die pure Freude, JJ Grey & Mofro live erleben zu dürfen.

Im Zugabenteil kehrt Marc Broussard, übrigens der Sohn des in die Louisiana Hall of Fame aufgenommenen Gitarristen Ted Broussard von den Boogie Kings, zurück auf die

Bühne und gemeinsam spielen sie den Titelsong des neuen Albums „Ol‘ Glory“. JJ Grey und seine großartige Band beweisen sich einmal mehr als bodenständige Musiker, die das, was sie da tun, von ganzem Herzen lieben. Es ist erfrischend, dass es in dieser immer uniformierter werdenden Popwelt noch solche Musiker gibt. Konsequent, authentisch, echt. Lang anhaltender Applaus ist ihnen gewiss.