Konzert in Berlin

Danko Jones zeigt in Berlin alle Rock‘n‘Roll-Klischees

Keine Experimente, keine Kompromisse: Der routinierte Entertainer Danko Jones schleudert im zum Ächzen vollen Fritz-Club im Postbahnhof mit Gitarrenriffs um sich - und erntet frenetischen Jubel.

Foto: Redferns via Getty Images/Getty Images

Worte wie Veränderung oder gar Experiment kommen in der Welt des durchtrainierten Danko Jones nicht vor. Er bleibt dem Stil, den er in den vergangenen Jahren geprägt hat, unerbittlich treu. Was auch total in Ordnung ist. Dazu hat er sämtliche Klischees, die der Rock’n’Roll hervorgebracht hat, in seine Ansprachen und in seine Songtexte verfrachtet.

Man nimmt es ihm nicht übel. Denn wie er dieses raue, rüde und mitunter auch ein wenig ordinäre Lebensgefühl am Donnerstagabend von der Bühne in den zum Ächzen vollen Fritz-Club im Postbahnhof schleudert, beweist ihn als routinierten Entertainer, der weiß, was er tut. Mit „Wild Woman“ und „The Twisting Knife“, beides Stücke vom neuen, siebten Album „Fire Music“, eröffnen Sänger und Gitarrist Danko Jones, Bassist John „JD“ Calabrese und der neue Schlagzeuger Rich Knox den Abend gleich mit einem gehörigen Energieschub.

Irgendwie klingen die Stücke nach wenigen Akkorden schon höchst vertraut. Heftig, trocken, treibend, von passender Lautstärke und bestem Sound transportiert. „We Kick Your Ass!“, ruft der Kanadier in den Saal – und Teufelszeichenhände recken sich in die Höhe.

Gitarrenriff um Gitarrenriff, Solo um Solo pfeifen dem Publikum um die Ohren. Danko Jones, die Band nennt sich so wie ihr Sänger, bedienen sich bei AC/DC ebenso wie bei den Ramones, bei Garagen-Rockern ebenso wie beim Punk, wildern mal im Heavy-Metal-Revier, wenden sich forderndem Bluesrock zu und stürzen sich dann in die Mitsing-Power-Pop-Nummer „First Date“ vom 2006 erschienenen Album „Sleeps With The Enemy“.

Längst alte Bekannte in Berlin

Gegründet bereits 1996, ließen sie sich erst nach langem Touren durch Kanada zwei Jahre später zu einer ersten Platte hinreißen – einer EP auf dem kleinen Sonic Unyon-Label in Kleinstauflage. Nach Veröffentlichung der ersten LP „I’m Alive And On Fire“ 2001 kamen Danko Jones erstmals nach Europa. Seither absolvieren sie Jahr für Jahr ein immenses Tour-Pensum, auch auf den großen Festivals wie Wacken oder Highfield. Und in Berlin sind sie längst alte Bekannte.

Danko Jones schmiert seinem Publikum nicht ohne Ironie Honig-Breitseiten um den Mund. Natürlich sind die Berliner das beste Publikum der Welt. Natürlich würden sie liebsten nur noch in der Hauptstadt spielen. Natürlich sei heute erst Donnerstag, aber die Stimmung fühle sich wie bei eine Freitag-Nacht-Party an. Mit dem ebenfalls neuen „Gonna Be A Fight Tonight“, das ins Ohr geht, als hätte es schon vor gefühlt 20 Jahren zum Repertoire gehört, geht es Richtung Höhepunkt. Die Menge tobt und skandiert die Refrainzeilen laut mit. Und dann ist die atemlos machende Stunde auch schon wieder vorüber.

Zeit zum Luftholen und Zugabe brüllen. Klar, auch dieses Ritual gehört dazu. Und die drei Musiker kehren recht schnell auf die Bühne zurück. „Turn the light on and shoot them!“, entfährt es Danko Jones. Er meint seinen Kameramann. Das Berliner Konzert, der Auftakt der Europa-Tournee, wird für eine DVD mitgeschnitten. Und nochmal werfen alle als das Licht tatsächlich angeht die Arme hoch und jubeln sich bis zur Heiserkeit. Gleich mehrere Zugaben sind der Lohn.