Kommentar

Warum das Berliner Schloss nicht zerredet werden darf

Das Berliner Stadtschloss ist eine vorbildliche Baustelle. Bisher entspricht alles dem Zeit- und Kostenplan. Nun will Berlins Regierender Bürgermeister diese Pläne ändern. Das wäre ein fataler Fehler.

Foto: Paul Zinken / dpa

In der Stadt gibt es bekanntlich eine vorbildliche Baustelle: das Berliner Schloss. Sie ist im Zeit- und Kostenrahmen. Das hat natürlich etwas Streberhaftes und entspricht nicht der hiesigen Herangehensweise, sobald es etwas zu bauen gibt. Nun hat der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Donnerstag im Abgeordnetenhaus einen ersten Vorstoß unternommen, um das Projekt durcheinanderzubringen: Während der Bauarbeiten sollen die Pläne für die Nutzung des Berliner Stadtschlosses noch einmal geändert werden. „Es muss erlaubt sein – bei einem Bau, der 2019 fertig sein soll – zu überlegen, ob wir uns mit dem Konzept bestmöglich aufstellen“, sagte Müller.

Nein, möchte man antworten, das ist nicht erlaubt. Das Konzept für das Schloss steht nämlich bereits seit Jahren fest, Michael Müller hätte in seinen Jahren als Senator auch Bedenken anmelden können. Die Entwicklung und Konzeption des Schlosses dürfte für ihn keine Überraschung gewesen sein, als er sein Amt antrat. Zudem ist dieser Vorstoß auch nicht gerade ein Fair Play gegenüber dem Bund. Der bezahlt nämlich den allergrößten Teil des Baus Unter den Linden. Und dass Änderungen am Bau ins Geld gehen, ist auch intellektuell nicht so kompliziert, dass dies einen Politiker überfordern würde. Vor allem, wo der Chef der Stiftung Berliner Schloss, Manfred Rettig, nicht müde wird, vor solchen Änderungen zu warnen. Im vergangenen Frühjahr hatte Rettig sogar schon mit Rücktritt gedroht, falls die Politik sich für größere Veränderungen entscheiden solle.

Warum Michael Müller in puncto Stadtschloss irrt

Schon Klaus Wowereit war in der Frage, ob die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) im Schloss ein neues Zentrum für Sprachen aufbauen und betreiben sollte, unentschieden. Und natürlich hatte er mit dieser Zögerlichkeit Recht, folgt diese Idee doch einer Logik, die sich nicht jedem erschließt: Warum strebt man auf der einen Seite an, die ZLB an einem Standort zu fusionieren und plant im gleichen Zeitraum quasi eine neue Zweigstelle der ZLB?

Michael Müller glaubt, dass jetzt – wenige Monate vor dem Richtfest – „der richtige Zeitpunkt ist, darüber zu diskutieren.“ Der Regierende Bürgermeister irrt. In der Bibel heißt es: „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“ Und: „Es gibt eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden.“ Die Zeit des Redens ist vorüber.