Berliner Schloss

„Es muss nicht jeden Schnörkel an der Fassade geben“

Der CDU-Abgeordnete Rüdiger Kruse hat das Museum der Moderne ermöglicht. Nun steht die Finanzierung des Berliner Schlosses an. Die Spenden reichen bisher nicht. Dann wird es eben schlichter, sagt er.

Foto: Krauthoefer

Sein Titel ist etwas sperrig. Rüdiger Kruse (CDU) ist Berichterstatter für Kultur und Medien. Er hat sich als CDU-Landesvorsitzender beworben, ist im Bundestag seit 2009 und hat im Herbst vergangenen Jahres geradezu Historisches bewirkt. Zusammen mit dem federführenden Haushälter der SPD, Johannes Kahrs, hat er die Finanzierung des Museums der Moderne ermöglicht. 200 Millionen Euro stellt der Bund für einen Neubau bereit.

Berliner Morgenpost: Herr Kruse, der Chef der Stiftung Berliner Schloss, Manfred Rettig, hat uns in einem Interview gesagt, je sichtbarer das Berliner Schloss wird, desto höher ist das Spendenaufkommen. Stimmt das denn?

Rüdiger Kruse: Ja.

Das war ein zögerliches Ja. Reicht die Summe denn aus?

Nein.

Springt am Ende der Bund ein?

Nein. Ich erwarte, dass sich das Spendenaufkommen deutlich verbessert. Das ist das Versprechen der Schloss-Befürworter gewesen. Und jetzt muss das Team um Herrn Rettig eben liefern.

Von den 80 Millionen Euro ist er ein gutes Stück entfernt. Derzeit sind es 30 Millionen Euro plus zehn Millionen Euro als sogenannte Sachspenden. Was machen wir, wenn, sagen wir im August, nicht ausreichend Spenden zusammengekommen sind?

Dann lassen wir die Fassade so, wie sie ist. Das wäre doch ein schönes Symbol.

Klingt nur nicht realistisch.

Wir sollten doch bei dem Schloss festhalten, dass es zu den Bauprojekten gehört, die sowohl im Zeit- als auch im Kostenrahmen liegen. Und natürlich ist es schwieriger, Spenden für ein Projekt zu gewinnen, wenn es fertiggestellt ist.

Das heißt?

Das heißt, dass wir auch immer überlegen müssen, was passiert, wenn sich die Bauarbeiten verzögern, weil die Spendensumme nicht ausreicht. Eine Kostenexplosion aus diesem Grund müssen wir ausschließen. Daher wird selbstverständlich weitergebaut.

Man spendet doch nur, wenn man weiß, dass ohne dieses bürgerliche Engagement etwas nicht zustande kommt. Warum sollten wir spenden, wenn wir wissen, dass am Ende ohnehin der Bund die Kassen öffnet?

Weil es einfach so nicht ist. Die Kuppel zum Beispiel, die man noch gerne haben möchte, wird ohne Spenden nicht kommen. Genauso muss es nicht jeden Schnörkel an der Fassade geben. Das Schloss kann zunächst auch ohne die eine oder andere Verzierung dastehen.

Aber wäre es nicht imageschädigend, wenn bei so einem nationalen Großprojekt die Sparmaßnahmen sichtbar wären?

Ich glaube nicht, dass das Image von Deutschland in der Welt mit einer Schlossfassade steht und fällt. Sichtbar wären nicht Sparmaßnahmen, sondern noch offene Spendenoptionen.

Wie schätzen Sie das ein, wie wird das Schloss deutschlandweit gesehen?

Das Humboldt-Forum, also die Inhalte, sind noch zu weit weg, als dass sich die Bürger davon ein Bild machen würden. Und das Gebäude ist jetzt nicht wie Neuschwanstein, was jedes Kind kennt. Es gibt hier also kein Hinfiebern auf den Wiederaufbau, so wie es zum Beispiel bei der Dresdner Frauenkirche zu beobachten war. Wenn das Schloss öffnet, werden auch die Besucher kommen. Zumindest in den ersten ein bis zwei Jahren. Da brauchen Sie sich keine Sorgen machen. Das Schloss wird aber nicht zuletzt auch durch die zentrale Lage langfristig vom Berliner Tourismus profitieren.

Warum fehlt dieses Fiebern?

Das Schloss braucht jetzt einen Intendanten, der dem Ensemble von Institutionen, die dort untergebracht werden, ein Gesamtkonzept gegenüberstellt. Dann steigt auch die Spannung auf etwas Neues, Interessantes. Ohne Intendanten mit so einem Konzept bleibt das Projekt schwer zu vermitteln. Aber darum kümmert sich ja intensiv Kulturstaatsministerin Monika Grütters.

Kann das Humboldt-Forum über längere Frist erfolgreich sein? Die Inhalte, die sich in Dahlem befinden, interessieren pro Jahr gut 100.000 Menschen.

Berlin ist in der günstigen Lage, dass ein nicht enden wollender Touristenzug in die Stadt kommt. Andererseits müssen Sie sich fragen, wann gehen Sie im Urlaub in ein Völkerkundemuseum? Da hat es bereits drei Wochen geregnet, oder Sie waren schon vier Mal mit den Kindern im Zoo. Das heißt: Letztendlich muss es zu einer komplett anderen Inszenierung kommen. Das ist aber auch der Anspruch des Hauses.

Als 200 Millionen Euro im November 2014 für das Museum der Moderne bewilligt wurden, waren wir doch überrascht. Wie ist diese Entscheidung zustande gekommen?

Für das Museum der Moderne war nichts im Haushaltsplan vorgesehen und das Sammlerehepaar Pietzsch hatte bereits fünf Jahre vorher die Schenkung ihrer hochkarätigen Sammlung angekündigt. Es war absehbar, dass sich das Ehepaar, weil in Berlin nichts passierte, umentscheiden würde. Im Oktober 2014 habe ich sie besucht und festgestellt, dass sie es ernst meinen. Wir mussten schnell handeln, und daher kam es auch für alle überraschend. Aber das war das Signal, das auch die anderen stiftenden Sammler gebraucht haben.

Das Ehepaar Pietzsch war also der Auslöser für das Museum der Moderne?

Genau genommen war der Auslöser die Warnung des Ehepaares in der Berliner Morgenpost, dass sie die Schenkung an Berlin zurückziehen, falls bis Ende 2014 nicht etwas passiert.

Normalerweise macht die Regierung doch Vorschläge und das Parlament entscheidet.

Das stimmt. Aber auch das Parlament kann die Initiative ergreifen, wie in diesem Fall.

Wie stark war Kulturstaatsministerin Monika Grütters an diesem Vorstoß beteiligt?

In diesem konkreten Fall war es eine Sache des Parlaments. Wir haben uns im Haushaltsausschuss mit dem Finanzministerium abgestimmt und dann entschieden.

Für eine städtebauliche Lösung des Kulturforums muss der Bund doch weiteres Geld bereitstellen.

Das Museum der Moderne ist eine städtebauliche Chance, aber nicht jede Chance muss gleich genutzt werden. Das Geld ist gesperrt. Und wenn es keine gute Lösung gibt, dann wird das Geld für das Museum vom Haushaltsausschuss auch nicht freigegeben. Es gibt ja verschiedene offene Fragen: Welche Fläche soll in den Wettbewerb gehen? Wie wird der Wettbewerb gestaltet? Welche städtebaulichen Aspekte beinhaltet er? Bevor wir hier keine Sicherheit haben, geben wir keinen Cent frei.

Wir brauchen also zwei Wettbewerbe, einen für das Museum und einen für die Umgestaltung der Brache?

Wir hatten zu diesem Thema eine Öffentliche Anhörung. Jetzt wird es darum gehen, welches Areal für den Wettbewerb ausgewählt wird und wie dabei die städtebaulichen Aspekte berücksichtigt werden. Zwei Wettbewerbe wären eine Lösung.

Und was wollen Sie?

Wenn ich es mir wünschen könnte, wäre es die große Lösung. Das neue Museum muss Teil einer gelungen Gesamtgestaltung werden. Man muss diese jetzt nicht in einem Stück ausführen, dafür reichen die 200 Millionen Euro auch nicht, aber man darf sich die Gesamtlösung nicht verbauen.

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