All die Diskussionen über das Humboldt-Forum wollen kein Ende nehmen. Dort mal wieder eine Gesprächsrunde, da eine Ausstellung en miniature in der Humboldt-Box und natürlich das Humboldt-Lab in Dahlem, in dem fröhlich experimentiert wird. Jeder hat seine Meinung. Das zeigt nur die Unsicherheit, die herrscht, wenn es darum geht, was das Humboldt-Forum im Inneren eigentlich sein soll. Zu vage ist wohl die Vorstellung von dem, was da ab 2019 ausgestellt wird.

Doch nun sind die Vorplanungen für das Konzept abgeschlossen. Langsam wird sichtbar, wie die zwei Geschosse im Humboldt-Forum bespielt werden. Das zweite Obergeschoss teilen sich Afrika, Südsee und Amerika, im dritten Obergeschoss findet Indien Platz. Herzstück sind die Sammlungen des Ethnologischen und des Asiatischen Museums. Keine Frage, sie gehören zur Weltklasse. Allerdings lagern die meisten der über 500.000 Objekte des Ethnologischen Museums derzeit noch in klimatisierten Depots. Man stelle sich vor: Nur zwei Prozent sind davon ausgestellt, viele Schätze sind also unsichtbar.

Begehbares „Männerclubhaus“ aus Palau

24.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche wird man im Humboldt-Forum haben, das Ethnologische Museum besetzt davon 12.500 Quadratmeter. Die einzelnen Raumordnungen mit verschiedenen Objekten stehen nun fest: Ozeanien präsentiert sich mit den bekannten Südsee-Booten zum Thema Navigation und dem begehbaren „Männerclubhaus“ aus Palau. Der Kolonialismus in Kamerun und Deutschland wird seine eigene Ausstellungsfläche haben. China bekommt Platz für seine Kunst und die chinesische Medizin, die in Europa mittlerweile einen großen Aufschwung erlebt. Die Geister- und Götterwelt Ozeaniens beschwört ihre eigenen Sphären und Ritualobjekte. Außerdem wird es gläserne Studiensammlungen geben, dort kann der interessierte Besucher zusätzlich die Vielfalt und Dichte einzelner Bestände – wie etwa der Mayas – in Magazinschränken studieren.

Eine Dauerausstellung, das hat Viola König, Chefin des Ethnologischen Museums, bereits verkündet, wird es nicht geben. Die Welt sei im Wandel, unsere Wahrnehmung ebenso, austauschbare „Themen-Module“ sollen dem Rechnung tragen. Das Humboldt-Team hat die nun nicht leichte Aufgabe, die Artefakte publikumsgerecht zu inszenieren und gesellschaftliche wie politische Zusammenhänge herzustellen. Für die Museumsmacher ist es ein Jahrhundertprojekt, das macht die Sache nicht besser. Schließlich soll das Humboldt-Forum nicht nur ein weiteres neues Museum werden. Es geht um große Dinge, um „Weltfragen des 21. Jahrhunderts“, um die „Rolle Europas“, um Integration und die Gleichberechtigung außereuropäischer Kulturen. Doch wie stellt man das dar? So, dass alle etwas davon haben, die Touristen auf Schnelldurchlauf, Schüler und Individualisten mit gehobenem Bildungsanspruch. Der Grat zwischen strenger Musealisierung und simpler Popularisierung ist reichlich schmal.