Der Berliner Architekt Jürgen Sawade ist tot. Wie die Akademie der Künste am Dienstag mitteilte, starb das Akademiemitglied bereits am vergangenen Mittwoch im Alter von 77 Jahren.
Sawades bekanntestes Bauwerk ist die als „Sozialpalast“ bekannt gewordene Wohnanlage an der Pallasstraße Ecke Potsdamer Straße in Schöneberg. Der Mitte der 70er-Jahre errichtete zwölfgeschossige Riegel, der die Pallasstraße und den Hochbunker Pallasstraße überspannt, ist Heimat für 2000 Menschen in mehr als 500 Wohnungen. Aufgrund seiner Dimensionen – der Gebäudekomplex überragt die umliegenden Häuser deutlich – war der Sozialpalast lange als seelenlose Wohnmaschine verschrien. Inzwischen jedoch sind die hellen, gut geschnittenen Wohnungen sehr begehrt. V
ielen Berlinern sind auch das Grand Hotel Esplanade in Tiergarten (1988), das Bürohaus Unter den Linden 42 in Mitte (1995) oder das mit rotem Backstein verkleidete Büro- und Geschäftshaus am Potsdamer Platz Ecke Köthener Straße (2001) ein Begriff. 1982 wurde Sawade für den gelungenen Umbau des Gebäudes der Schaubühne am Lehniner Platz mit dem Mies-van-der-Rohe-Preis ausgezeichnet.
„Extremer Pragmatiker und Minimalist“
In der Nachwende-Zeit erhielt Sawade zahlreiche Aufträge in Mitte. Er gehörte zur sogenannten „Vierer-Bande“, bestehend aus den Architekten Hans Kollhoff, Josef Paul Kleihues und dem damaligen Senatsbaudirektor Hans Stimmann, die maßgeblich an der Neugestaltung der Bereiche Unter den Linden, Gendarmenmarkt und Friedrichstraße beteiligt waren. „Sawade gehörte zu den Architekten, die ich sehr geschätzt habe“, sagte Hans Stimman am Dienstag der Berliner Morgenpost. „Er war ein extremer Pragmatiker und Minimalist, der stets das ,Weniger ist Mehr‘ beherzigte“, so Stimmann weiter.
„So rational jedoch seine Architektur war, so emotional war sein Wesen. Er war ein begeisternder Kollege und mitreißender Berliner, dessen Herzlichkeit den Raum erfüllte“, würdigte Tobias Nöfer, Vorstandsmitglied des Architekten- und Ingenieurvereins zu Berlins. „Obwohl er so viele innovative Gebäude entwickelt hat, ist er immer ein unterschätzter Kollege gewesen“, ergänzte Christine Edmeier, Präsidentin der Architektenkammer Berlin. Dies habe wohl auch daran gelegen, dass ihm, anders als vielen Stararchitekten, jeglicher Personenkult zuwider war.
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