Besonders einladend sieht es immer noch nicht aus. Abgenutzte Treppenstufen, Gebäude mit grauem Putz, Baugerüste und Bauzäune. Bei genauem Hinsehen entdeckt man in den grauen Bauten aber neue Fensterrahmen mit intakten Scheiben. Das ist ungewöhnlich auf dem Areal des Müggelturms in Köpenick. Denn das Gelände war jahrelang für Vandalismus und Brandstiftung bekannt. „Seit Mai 2014 gab es keinen Einbruch mehr“, sagt Matthias Große. Seit dieser Zeit ist er Eigentümer des Müggelturm-Grundstücks. Große ist Unternehmer in Köpenick sowie Manager und Freund von Eisschnellläuferin Claudia Pechstein. Am Montag hat der 47-Jährige gemeinsam mit seinen Partnern öffentlich über den Stand der Sanierung berichtet.

Vor allem deshalb, weil er sich über negative Medienberichte zum Müggelturm vom Dezember 2014 geärgert habe, so Große. „Um es von vornherein zu klären: Niemand von uns wird diese Sache hinwerfen.“ Dann zählt er auf, was seit Mai 2014 passiert ist. „Wir haben 600 Kubikmeter Müll und Schutt abgefahren.“ Die Aussichtsplattform am Turm habe ein Gitter bekommen. An den Gebäuden sei alter Putz abgeschlagen und neuer aufgebracht worden. Ein Wachschutz ist rund um die Uhr eingerichtet, ein Wachhund im Einsatz.

Für Sichtachse 180 Bäume gefällt

Große will auch den unverstellten Blick vom Müggelturm in die Umgebung wieder ermöglichen. Der Wald im Umfeld des Bauwerks ist in den vergangenen Jahren ungehindert gewachsen. „Wir durften 180 Bäume fällen“, sagt der Unternehmer. Damit ist mehr auf dem Grundstück geschehen als in den vergangenen zwölf Jahren. Der Liegenschaftsfonds hatte seit 2003 mehrmals vergeblich versucht, die Fläche in einer Ausschreibung zu vermarkten. Schließlich verkaufte er es 2007 an einen Unternehmer in Krefeld. Doch der musste die Fläche nach einem Klageverfahren zurückgeben, weil er nicht rechtzeitig, bis 2010, einen Bauantrag stellte.

Auch da ist Matthias Große weiter. Am 16. Januar, so der Unternehmer, sei der Bauantrag im Rathaus Köpenick abgegeben worden. In den alten Gebäuden sollen die Müggelturm-Baude im rustikalen Stil und ein deutsch-italienisches Restaurant eingerichtet werden. Auch auf der Dachterrasse ist Gastronomie vorgesehen. Geplant sind zudem Veranstaltungen für Familien. „Wenn uns das Bezirksamt die Baugenehmigung gibt und diese Genehmigung rechtskräftig ist, benötigen wir genau ein Jahr Bauzeit.“ Doch wann das der Fall sein wird, ist nicht absehbar. Die Unterlagen werden vom Amt auf Vollständigkeit geprüft. „Ich gehe nach einer ersten Durchsicht davon aus, dass noch einiges nachzuliefern ist“, sagt Treptow-Köpenicks Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD). „Man muss sehen, wie aufwendig das ist.“

Streit um Stellplätze und Eichen

Es gebe auch einige strittige Punkte, darunter das Thema Erschließung und Parkplätze. Dabei müsse auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung einbezogen werden, denn das Gelände neben der schmalen asphaltierten Straße zum Müggelturm ist Wald. Große hält 500 bis 1000 Stellplätze in der Nähe des Müggelturms für erforderlich. „Ich bin der Meinung, dass man die Situation verbessern muss“, so Stadtrat Hölmer. „Aber 1000 Stellplätze halte ich für illusorisch.“ Strittig ist auch der von Große gewünschte Aufzug am Müggelturm, um Behinderten den Zutritt zu ermöglichen. „Das Landesdenkmalamt hat sich dazu eindeutig geäußert“, sagt Hölmer. „Ein Aufzug am Turm kommt nicht infrage.“ Ein heißes Thema seien außerdem die Sichtachsen. Denn Große möchte noch 30 Eichen am Müggelturm fällen lassen. „Die Berliner Forsten haben bei einem Ortstermin klargemacht, dass Eichen unter einem besonderen Schutz stehen“, sagt Stadtrat Hölmer.

Trotz aller strittigen Punkte: Der Politiker sagt, er habe den Eindruck, dass es Große mit dem Müggelturm ernst meine und wolle, dass das Projekt erfolgreich wird. „Darin können wir ihn nur unterstützen. Denn das wollen wir auch.“ Er habe seine Verwaltung angewiesen, das Projekt Müggelturm mit Priorität zu bearbeiten.