Drei Windmaschinen und Mundharmonikas? Wenn die Partitur das so vorschreibt, muss Robert Buchwald die Instrumente besorgen. Für das Musikstück „Kraft“ von Magnus Lindberg hat er auf dem Schrottplatz Metallstücke gesammelt. In den Noten steht, dass lokaler Schrott verwendet werden soll. Auch ein riesiges Tamtam war gefragt. In London fand er ein stattliches Exemplar mit zwei Metern Durchmesser. Auf der Spanien-Tournee hatte ein Musiker seinen Frack vergessen. Robert Buchwalds Frau flog hinterher und brachte das Kleidungsstück mit.

Der Produktionsleiter der Berliner Philharmoniker hat schon viele Geschichten zu erzählen. Dabei ist er erst seit knapp zwei Jahren im Amt. „Ich bin dafür verantwortlich, dass alles, was sich das künstlerische Management ausdenkt, umgesetzt wird und funktioniert“, erklärt Buchwald. Wenn er den neuen Spielplan für die Saison bekommt, sieht er erst einmal die Besetzungen der Stücke durch.

Besonders aufwendig sind Tourneen

Die Philharmoniker besitzen eine stattliche Sammlung an Instrumenten, vor allem Tasteninstrumente wie Flügel, Klaviere, Cembali, Celesten, Truhenorgeln, ein Zymbalon, aber auch Sonderinstrumente wie Kontrafagotte. Alles andere muss Buchwald von anderen Orchestern oder Firmen ausleihen. Mit Chefdirigent Sir Simon Rattle und den Gastdirigenten bespricht er dann, ob es Requisiten, Fernmusiken, Platzsperrungen oder besondere Bühnenaufbauten gibt. Sollen die ersten und zweiten Geigen getrennt voneinander sitzen oder die Kontrabässe wie bei Barenboim auf der linken Seite?

Besonders aufwendig wird es, wenn die Philharmoniker auf Tournee gehen. Im Vorfeld muss Robert Buchwald mit den Sälen in Tokio, New York oder Prag die Probenzeiten, den Platzbedarf auf der Bühne, die Zahl der Stühle und Pulte und die Zeiten für Auf- und Abbau besprechen.

Buchwald ist immer erster und letzter

Wenn die Zollerklärungen ausgefüllt, Instrumente, Noten und Fräcke in Kisten verpackt sind, geht die Reise los. „Ich bin dann der Erste, der dort ist und der Letzte, der geht“, sagt Robert Buchwald. Nachts fährt die auf Orchestertransporte spezialisierte Speditionsfirma 150 Kisten zum Flughafen. Bei großen Tourneen braucht das Orchester drei Lastwagen mit Anhängern. Der Produktionsleiter steht dann im Lagerhaus und überwacht die Palettierung.

Die Cargoabteilung eines Jumbojets füllen die Philharmoniker manchmal komplett aus. Einige Millionen Euro sind die Instrumente wert, die dann transportiert werden. Die Frachträume müssen beheizt sein, und manchmal zweifelt Robert Buchwald beim Auspacken daran, dass die Temperatur eingehalten wurde. Auf Anraten der Versicherung hat er gerade Translogger in die Kisten einbauen lassen, die genau aufzeichnen, welcher Temperatur und welchen Stößen die Instrumente ausgesetzt sind, ob sie senkrecht oder waagerecht gelagert werden.

Auch das Klima ist wichtig

Im Gastland stehen am Flughafen natürlich wieder bestellte Helfer für den Transport zum Konzertsaal bereit. „Wir möchten luftgefederte Fahrzeuge, nicht solche mit Blattfedern. Die Trucks sollten auch beheizt oder klimatisiert sein.“ Manchmal finden sich vor Ort allerdings nur Behelfscontainer auf Rädern: „In Katar gab es zwei kleine, offene Laster mit Gittern, dafür aber zwanzig Helfer.“ Das Ausladen im Konzertsaal ist auch nicht immer unkompliziert. Vor allem bei älteren Sälen, etwa in Prag und Hamburg, muss er die Straße sperren lassen, damit die Kisten von den Lkw geladen werden können.

„Bei langen Tourneen möchte man es den Musikern so bequem wie möglich machen.“ Dann wird jedes Einzelteil sorgfältig verpackt, zwei Musiker teilen sich eine Garderobenkiste, und Buchwald nimmt sein ganzes mobiles Büro mit. Ein Röhrenglockenspiel füllt dann allein drei Kisten. Bei kurzen Gastspielen spricht Buchwald vom „kleinen Besteck“. Dann gibt es Sammelgarderoben, die Holzbläser teilen sich eine Kiste und die Noten werden nicht in der Kiste, sondern in zwei Taschen und zur Sicherheit noch einmal auf Buchwalds USB-Stick transportiert.

Abenteuerliche Erlebnisse

„Wenn alles gut läuft, weiß keiner, dass es mich gibt. Dann habe ich meinen Job richtig gemacht.“ Natürlich gibt es Unglücksfälle, die auch ein guter Produktionsleiter nicht verhindern kann. Einmal hat ein Gabelstapler eine Kiste mit einem Kontrabass durchbohrt. Eine umgestürzte Fernsehkamera zerlegte Saiteninstrumente in ihre Bestandteile. In Luxemburg steckten die Lkw mit den Instrumenten in einem Unfall-Stau fest und verhinderten eine Anspielprobe. In London kamen die Kisten mit den Fräcken nicht rechtzeitig an, und die Philharmoniker spielten in Zivil.

Für Buchwald ist es wichtig, dass man in seinem Beruf Partituren lesen kann und etwas von Instrumentenkunde versteht. Er selbst hat in Berlin und Hamburg Querflöte studiert, musste aber danach bei den Probespielen feststellen, dass er der Konkurrenz nicht standhalten konnte. Er hatte immer schon Kammermusikabende organisiert und studierte dann Kultur- und Medienmanagement. Er wurde Projektleiter beim Landesjugendjazzorchester in Brandenburg und Orchestermanager beim West-Eastern Divan Orchestra, bevor die Berliner Philharmoniker ihn holten. „Jetzt kann ich jeden Tag dem besten Orchester der Welt zuhören“, freut sich der Produktionsleiter. „Es macht mich stolz und glücklich, hier zu arbeiten.“