Fast ein halbes Jahr lang war die Deutsche Oper geschlossen, weil die Obermaschinerie, mit der die Vorhänge und Teile des Bühnenbilds bewegt werden, saniert wurde. Das Bauprojekt ist gut gegangen. Auf der großen Bühne wird planmäßig am Donnerstag das Staatsballett seinen „Nussknacker“, tags darauf das Opernhaus die „Carmen“ zeigen. Zuletzt gab es offenbar noch ein bisschen Lampenfieber, ob denn die Beleuchtung auf der Bühne mitspielt. Überhaupt sind noch ein paar Kabel zu verlegen. Wobei Thomas Fehrle, der Geschäftsführende Direktor, das ergänzt: „Es sind noch ein paar Kabel mehr.“
Insgesamt rund 20 Millionen Euro wurden verbaut. An der Deutschen Oper hatte man sich entschlossen, die Sanierung in drei Phasen zu vollziehen. Im Sommer 2012 waren etwa die Krananlagen auf den Seitenbühnen und die Brandschutztüren erneuert worden, 2013 wurden auf den Seitenbühnen und der Hinterbühne neue Zugeinrichtungen installiert und der Bühnenturm gedämmt. Unsicherheiten traten ein, als zuerst das beauftragte Büro für Klima- und Lüftungstechnik und dann auch noch die Planungsgesellschaft pleite gingen. In diesem Jahr nun war der Bühnenturm quasi entkernt worden, die neue Obermaschinerie basiert auf Elektromaschinenzügen. Daneben wurde die Bühnenbeleuchtung erneuert, von 642 geregelten Stromkreisen ist die Rede. Daran wird noch gefeilt. Der Letzte macht das Licht an.
„Auswärtsspielzeit“ ist zu Ende
Die Zeit der Sanierung hatten die Opernleute als Auswärtsspielzeit deklariert. Das Ensemble zog mit Projekten in die Waldbühne, das Haus der Festspiele, die Philharmonie, gar auf Tournee in den Oman und aufs eigene Parkdeck. Das Resümee von Thomas Fehrle fällt ziemlich knapp aus: „Auch mal ganz schön.“ Dann folgt das Aber: „Im eigenen Haus zu spielen, ist angenehmer.“ Vor allem auch, weil es sich für ihn als Kaufmann besser rechnet. Der Opernbetrieb im eigenen Haus ist preiswerter. In der Philharmonie oder im Tempodrom müssen hohe Mieten gezahlt werden. Dazu kommen Extrakosten fürs Equipment. Wegen des Ausfalls von Aufführungen im eigenen Haus war ein Fehlbetrag von knapp 1,5 Millionen Euro eingeplant worden. „Da werden wir drunter bleiben“, sagt Fehrle. Er wirkt schon gut gelaunt.
Erfahrungen sind bekanntlich immer Gold wert. Die Saisoneröffnung mit Mozarts „Zauberflöte“ in der Waldbühne brachte brutto knapp eine halbe Million Euro ein. Damit war die Produktion kostendeckend. 12.000 Besucher waren gekommen. Wenn das Wetter besser gewesen wäre, so Fehrle, hätte man 2000 Leute mehr haben können. Das wäre dann der Gewinn gewesen. Irgendwie liebäugeln die Opernmacher damit, in zwei Jahren wieder in die Waldbühne zu gehen. Dagegen will er sich bei der neu erschlossenen Spielstätte, dem Parkdeck, nicht festlegen. Die bezaubernde Open-Air-Eröffnung mit Iannis Xenakis’ Musiktheater „Oresteia“ war zwar beim Publikum beliebt, brauchte aber auch Unterstützung von 100.000 Euro durch den Hauptstadtkulturfonds. Weitere Projekte sind zunächst nicht geplant.
Aber jetzt läuft auch erst einmal die große Opernmaschinerie an. Als erste Premiere wird am 25. Januar Dmitri Schostakowitschs Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ gezeigt. Am Pult steht Generalmusikdirektor Donald Runnicles. Der Auftakt ist Chefsache.





