Theater

Komödie am Kurfürstendamm - Mehr Zuwendung erwünscht

Die Komödie am Kurfürstendamm hat ihren 90. Geburtstag nachgefeiert. Berlin Kulturstaatssekretär Tim Renner beschwor bei der Feier die „Weltkulturmetropole“.

Foto: Amin Akhtar

Das Publikum drängt sich im Vorraum der Komödie am Kurfürstendamm. Der Einlass verzögert sich, das Klingeln klingt schon ein bisschen panisch. Natürlich war dieses Haus schon immer beengt, aber an diesem Tag fällt es besonders auf: Viele geladene Gäste, rappelvoll der Zuschauerraum, es wird gefeiert an diesem Mittwoch: der 90. Geburtstag eines Theaters, das es eigentlich schon gar nicht mehr geben sollte. Tim Renner, der erste offizielle Gratulant, beschwört die „Weltkulturmetropole Berlin“ und nimmt natürlich die unsichere Zukunft in seinem Grußwort auf. Er trägt einen schwarzen Rollkragenpullover, also dezentes Existenzialisten-Outfit, und sagt: „Ich will hier stehen, wenn der 100. gefeiert wird.“ Es liegt nur bedingt in seiner Hand. Er erzählt von einem Besuch auf einer Immobilienmesse und den Gerüchten, dass die irische Ballymore Group sich vom Kudamm-Karree trennen möchte, beziehungsweise es vergeblich versucht hat.

Nichts Genaues weiß man, das bestätigt anschließend auch der Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, Reinhard Naumann. Als Renner ihn beim Namen nennt, taucht er plötzlich aus den Kulissen auf und winkt ins Publikum. Das Beispiel dazu hatte vorher Rolf Eden gegeben. Die West-Berliner-Legende, wie immer playboy-like gekleidet und mit sehr sonnengebräuntem Teint, betritt den Zuschauerraum, als die Gala schon begonnen hat. Dem Publikum zugeneigt geht er lächelnd zu seinem Platz in der ersten Reihe.

Neben dem Rednerpult wird in einer Art Rahmen, der sich später bei der Aufführung der Komödie „Eine Sommernacht“ mit Oliver Mommsen und Tanja Wedhorn als Teil des Bühnenbildes entpuppt, ein Foto projiziert: Es zeigt das festlich geputzte Publikum, die Männer mit Fliege, die Damen im Abendkleid. Die Aufnahme wurde am 1. November 1924, zur Eröffnung der Komödie am Kurfürstendamm gemacht. Max Reinhardt hatte es sich von Architekt Oskar Kaufmann entwerfen lassen. Reinhardt, der in der Hauptstadt zu diesem Zeitpunkt bereits das Deutsche Theater und die Kammerspiele betrieb, wollte damit etwas Neues nach Berlin holen: das Boulevardtheater, das es bis dahin nur in New York, Paris und London gab.

Die Rechnung geht lange Zeit auf, in die Krise kommt das Genre und auch der Standort in den 90er-Jahren. Das Fernsehen zeichnet immer weniger Produktionen auf, andere Theater bekommen staatliche Zuschüsse, die Boulevardbühnen nicht. Martin Woelffer, der vor zehn Jahren die Direktion von seinem Vater übernahm, nutzt die Feier, um auf diese Wettbewerbsverzerrungen hinzuweisen. Zwar bekommen die Kudammbühnen mittlerweile einen jährlichen Zuschuss von 230.000 Euro, was bei 230.000 Besuchern einen Zuschuss von einem Euro pro Karte ausmache, wie Woelffer vorrechnet. Das reiche aber nicht aus. Diesen Wunsch hat die Politik an diesem Abend deutlich vernommen.