Max Liebermann gleich im Gemälde-Doppelpack: Über ihre „Freunde der Nationalgalerie“ bekommt die Nationalgalerie prominenten Zuwachs für die Sammlung. Ernst Ludwig Kirchners Porträt von Liebermann in seinem Atelier zeigt den Maler in ungewöhnlicher Seitenansicht, mit markanten Gesichtszügen, bodenlangem Mantel und expressiver Farbigkeit. Kirchner hatte ihn 1926 in Berlin getroffen und malte ihn als eher extrovertierten Bohemien. Ob das Liebermann gefallen hat, ist die Frage.
Manuela Müller, langjähriges Mitglied der Freunde, vermachte dem Verein rund eine Million Euro mit der Auflage, ein Werk der Klassischen Moderne zu erwerben. „Also keinen Martin Kippenberger“, kommentiert Peter Raue als Testamentsvollstrecker gewohnt fabulierlustig. Mit dem ehemaligen Museumsgeneral Peter-Klaus Schuster suchte er also nach einem für die Kollektion geeigneten Bild. Die Nationalgalerie besitzt zwar bedeutende Kirchner-Werke wie den „Potsdamer Platz“ von 1914, aber eben noch kein Spätwerk aus dem Jahr 1928.
Von diesem posthumen Mäzenatentum fühlte sich ein anderes Mitglied des Freundeskreises offenbar derart animiert, dass es aus seinem Eigentum ein Selbstbildnis Liebermanns aus dem Jahr 1915 Jahr spendete, möchte aber anonym bleiben. Auf dem Gemälde sehen wir einen ganz anderen Liebermann: einen edlen Herren im strengen Dreiteiler, ernst blickend, in Dreiviertelfigur. Ein Klassiker im Portfolio des Berliner Malers. Meist zeigte er sich im Anzug, in nüchterner Zurückhaltung, an die 70 Bildnisse entstanden in seiner Karriere. Und nun stehen die beiden Porträts da, auf alten schweren Staffeleien, da der Künstler, dort der Großbürger. Die Öffentlichkeit wird diese Gemälde so schnell nicht sehen können, die Nationalgalerie schließt Ende des Jahres zwecks Sanierung. Dann wandern auch andere Ikonen ins Depot. Udo Kittelmanns Pflicht war es, an diesem Abend noch einmal für ein „Museum der Moderne“ zu werben.
Gabriela Walde





