Schlosspark Theater

Wenn sich Hallervorden in einen Edelmann verwandelt

Dieter Hallervorden hat die neue Saison des Schlosspark Theaters vorgestellt – und spielt selbst in einem Stück von Molière mit. Die Inszenierung ist eine Koproduktion mit dem Ernst Deutsch Theater.

Foto: Tim Brakemeier / dpa

Wenn Dieter Hallervorden die Produktionen für die neue Spielzeit an seinem Schlosspark Theater vorstellt, dann präsentiert er die immer gemeinsam mit Schauspielern und Regisseuren. Nicht, dass er das braucht: Hallervorden ist Intendant und Entertainer genug, um so eine Veranstaltung auch im Alleingang zu bestreiten. Und das hat er am Montag dann auch getan, weil alle Anwesenden nur von ihm etwas wissen wollten, was für die beteiligten Künstler etwas frustrierend gewesen sein dürfte. Aber dafür stehen die ja dann demnächst im Rampenlicht.

Das Schlosspark Theater ist nun einmal das Kind von Dieter Hallervorden; er kümmert sich um den Laden, arbeitet unentgeltlich und ist auf der Titelseite eines jeden Spielplanheftes zu sehen – weniger aus Eitelkeit, sondern vielmehr, weil das die Zuschauer erwarten, wie er mal sagte. Nicht ohne Stolz verwies der Hausherr gestern darauf, dass er jetzt die sechste Saison präsentiert. Und das kann man verstehen.

Als er im Dezember 2008 von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit als neuer Betreiber des damals geschlossenen Theaters vorgestellt wurde, haben viele der Bühne einen schnellen Tod prophezeit. Hallervorden hat durchgehalten, auch wenn er einen Rückzieher machen musste: Er hatte zu Beginn vollmundig angekündigt, ohne Subventionen auskommen zu wollen. „Das war eine Fehleinschätzung“, räumte er gestern ein.

Ohne Zuschüsse geht es nicht

Neben einer Förderung von 230.000 Euro aus dem Kulturetat bekommt die Bühne derzeit noch einen Zuschuss in Höhe von 600.000 Euro von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie, diese Projektmittel müssen allerdings jährlich neu beantragt werden. Im Rahmen des nächsten Doppelhaushaltes für die Jahre 2016/17 hofft Hallervorden dann auf die Politik und eine Erhöhung der Zuschüsse, gewissermaßen als Kompensation der Lottomittel. Entsprechende Gespräche mit Wowereit, dem neuen Kultur-Staatssekretär Tim Renner (SPD) und dem Finanzsenator habe er schon geführt – aber letztlich entscheidet das Parlament über den Haushalt. Knapp 100.000 Zuschauer hat das Theater laut Hallervorden in der vergangenen Saison gehabt, die Auslastung lag bei 62 Prozent.

Eigentlich sollte es an diesem Montag ja um die Kunst gehen, aber ohne Geld läuft nun mal nicht viel. Umso zufriedener ist Hallervorden, dass die Molière-Inszenierung „Der Bürger als Edelmann“ mit dem Hamburger Ernst Deutsch Theater als Koproduzenten gemacht wird, beide Häuser teilen sich die Kosten. In der Titelrolle ist der Hausherr – ein bekennender Molière-Fan – zu sehen, die Frau an seiner Seite spielt Dagmar Biener. Folke Brabant inszeniert den Klassiker, bei dem man Hallervorden im Barockkostüm erleben kann, am 25. Oktober hat die Aufführung in Steglitz Premiere, in Hamburg läuft „Der Bürger als Edelmann“ im kommenden Sommer.

Mit den Worten „Das Stück ist saukomisch und passt in unsere Zeit“ kündigte Hallervorden „Die Selbstanzeige“ an, er hat die Komödie von Francis Veber in Paris gesehen, sich die Rechte gesichert und das Werk übersetzt. Comedian Wigald Boning gibt damit sein Bühnendebüt am Schlosspark Theater, Premiere ist am 6. September. Franziska Troegner und Jörg Schüttauf spielen „Misery“ , das Kriminalstück nach dem gleichnamigen Stephen-King-Roman kommt Ende November heraus. Drei weitere Eigenproduktionen wird es geben, darunter „Geliebter Lügner“ mit Brigitte Grothum und Achim Wolff, die Premiere ist für den 10. Januar geplant.