Bernard und Philippe sind ganz, ganz dicke Freunde, dabei von gegensätzlichem Naturell. Bernard mimt den supertollen Hecht und fährt teure Autos, hängt aber von seiner reichen Gemahlin Nelly ab (Ehevertrag mit Gütertrennung), in deren Familienbetrieb er arbeitet.
Und er schläft mit Soraya, was ihn in die Bredouille bringt. Zum einen beschwert die sich, dass er nicht lustvoll stöhnt, zum anderen ist sie von B. schwanger, rückt ihm gefährlich auf die Pelle, droht, das Verhältnis offen zu legen, falls er ihr nicht beistehe. Philippe hingegen ist schüchtern und gutmütig bis zur Dämlichkeit, lebt seit langem mit Freundin Alice zwar brav, aber nicht recht glücklich zusammen. Es klappt nicht mit dem Kinderwunsch.
Soweit die Ehe-Konstellationen mit ihren „kleinen Abnützungskoeffizienten“. Angstschlotternd in die Enge getrieben, bequatscht Bernard seinen Freund Philippe, die Chose mit Soraya auf sich zu nehmen, womit das Chaos programmiert ist. Und mithin das mit galligem Witz und verrückter Situationskomik durchexerzierte Thema der ätzenden Komödie „Der Lügenbaron“ vom französischen Star-Autor Eric Assous, die der Chef des Schlosspark Theaters, Dieter Hallervorden, trefflich ins Deutsche übersetzt hat. Und die von Thomas Schendel derart gekonnt in Szene gesetzt wurde, dass ihre beträchtlichen Dimensionen zwischen leidvoller Bitternis und schamlosem Zynismus nuanciert zum Tragen kamen – wie auch ihr unerhörter Vortrieb ins total Aberwitzige.
„Der Lügenbaron“ im Schwebezustand zwischen Klamotte und Farce
Eine Komödie im Schwebezustand zwischen Klamotte und Farce. Ein tolles Kunststück, das freilich nicht ohne das großartige Ensemble gelang. Wobei Marko Pustisek als geradezu furioser Lügenbaron Bernard im Mittelpunkt steht. Dabei mag er womöglich zunächst heimlich-identifizierende Sympathien im männlichen Teil des Publikums kassieren („Lüge ihr die Hucke voll! Das mache ich, solange ich lebe.“). Letztlich jedoch steht er ertappt und seines Machismus’ entblättert im Regen – eine Fallhöhe, die er souverän meistert.
Ihm zur Seite Désirée Nick als Gattin Nelly: eine teuflisch selbstironische Sexbombe. Die langbeinige Göttin schamlosen Krawalls, dieser Engel mit Schandmaul beherrscht als Schauspielerin auch ganz lässig mit zartem Gelispel die bitterbösen Pointen des Lebens.
Komödie überzeugt auch dank großartigem Ensemble
Pustisek ist als „bester Freund“ das eklig-erpresserische Lügenpaket, letztlich ein elendes Würstchen auch als Ehemann und Fremdgeher. Effenbergs Philippe ist sein skrupulös mitmachender Depp. Die Nick das schlaue Weib, das immerzu eine Ahnung hat von der hässlichen Wahrheit, die hinter der biederen Fassade ihrer und nicht nur ihrer Ehe schwelt, das Entrüstung vorspielt, sich aber am Ende cool abfindet mit dem gewissen Quantum Mumpitz, ohne den, um mit Fontane zu sprechen, im (Ehe-)Leben halt nichts läuft. Klasse Casting (Birger Funke ist Alice, Isabella Redfern die Soraya) für einen grellen, zugleich rabenschwarzen Abend.
Zu Recht großer Jubel. Das Schlosspark, einst mit allerhand Flops, nunmehr auch ein Hit-Macher auf dem Berlin-Boulevard. In scharfer Konkurrenz zum Renaissance-Theater, zu den Kudamm-Bühnen.
„Der Lügenbaron“, Schlosspark Theater. 7. April, 24. - 30. April 2014; Te. (030) 7895667100
Reinhard Wengierek




