Zuletzt war es vergleichsweise ruhig um Friedrich Kautz, der sich auf der Bühne Prinz Pi nennt. Mit dem Prinzen assoziiert man jetzt auch in Berlin den Kölsch-fidelen, Social Media gewandten Fußballer Podolski. Im Radio spielten sie in den letzten Monaten den Rap von Marteria, Casper und zuletzt wieder vom Panda-Jüngling Cro.

Vor einem Jahr stieg Prinz Pis Album „Kompass ohne Norden“ in die Charts ein – es stand auf Platz eins, und aus dem gleichnamigen Song wurde ein Sommerhit. Zugegeben der Song war etwas deprimierend, schließlich rappt Pi nicht von billigem Bling-Bling und auch nicht vom dicken Mercedes, er degradiert keine Frauen und Gruppensex würdigt er auch nicht. Statt vom Bordstein zur Skyline philosophiert Kautz über das was auf den Abiball folgt, spricht von Eifersucht, verpassten Chancen und denkt über den Sinn des Lebens nach.

In diesem Jahr ist Kompass Ohne Norden als Livealbum veröffentlicht worden. „Auf Kurs Nach Hause“ heißt der Zusatz. Zuhause in Berlin, also heute in der Spandauer Zitadelle warten die Fans auf den Prinz aus Berlin – aus den Boxen laufen die Dire Straits. „Prinz Porno“, schreien sie in den vorderen Reihen. Mädchen mit kurzen Hosen und Basecaps, Jungs, die sich die Kapuzen ihrer Hoodies über den Kopf gezogen haben und Rucksäcke tragen, auf denen „Casper“ steht. Beim Bierstand steht Sänger Adel Tawil und lässt sich fotografieren. Zum Piano-Intro fällt endlich das weiße Leintuch mit dem die Bühne verhangen war und die Mädchen in der Zitadelle beginnen zu kreischen.

Alle sind schon so lange glücklich miteinander

Prinz Pi steht in dicken Buchstaben auf der Bühne, die Musiker machen sich bereit, das Schlagzeug klopft, und Pi stürmt auf die Bühne. Er trägt eine enge Röhrenjeans und eine College-Jacke. Seine Haare sind gegelt, auf der Nase sitzt die Hornbrille. Er spielt „Kompass ohne Norden“ oder das vergleichsweise alte Stück „Elfenbeinturm“, die Fans hüpfen im Takt und werfen die Hände in die Luft. „Glück“ hat Kautz seinen Eltern gewidmet weil die schon so lange glücklich miteinander sind. „Wir meinten immer nur einander, wenn wir ‚Glück‘ sagten, und wenn alles untergeht, bleib ich hier und bleib bei dir“ heißt es in dem Stück. Im Publikum wird jetzt geknutscht und umarmt, und wer niemanden zum Küssen hat, der seufzt, weil es so schön ist oder guckt über die Bühne, wo man die Flugzeuge von Tegel starten sieht.

Früher rappte Friedrich Kautz auch unter dem Pseudonym Prinz Porno. Irgendwann passte Prinz Pi besser zur Bühne. Ob er sich umbenannte, weil sich seine Themen nicht auf Brachial-Erotik beschränkten (da hat der diplomierte Kommunikationsdesigner tatsächlich weitaus mehr zu bieten), weil Pi schlauer klingt, oder ob sich das unendlich unschuldige Pi besser mit den strengen Regeln von Musikportalen oder Werbung verstand, sei dahingestellt. Eines seiner Alben hat der Rapper „Rebell ohne Grund“ genannt. Und im Gegensatz zu James Dean hat Friedrich Kautz tatsächlich wenig Grund zur Rebellion. Keine schlimme Kindheit, keine Geldprobleme. Ein Rapper mit hohem Niveau, so sauber wie Bio-Waschmittel.

Der Sinn nach Rebellischerem

Erst kürzlich wurde auf Pis Facebook-Seite ein neues Musikvideo gepostet. Im Song „Chillig“ geht es um Berlin im Allgemeinen und um Kreuzberg im Besonderen. Die blaue Stunde auf Häuserdächern wird thematisiert, billiges Späti-Bier und ordentlich Gras. Viel wichtiger als der Inhalt ist die Tatsache, dass der Song unter Prinz Porno läuft. Als Prinz Porno hat Friedrich Kautz vor Jahren mal Berliner Wände besprüht. Damals, ja, da war er jung und hat bestimmt auf vielen Häuserdächern gestanden und mit mehr oder weniger edlem Dope die Sonne aufgehen sehen. Jetzt, wo er bereits über das Ende seiner Jugend resümiert hat, scheint ihm der Sinn auch wieder nach Rebellischerem zu stehen. „Im Dezember kommt das Prinz-Porno-Album raus“ verkündet der Sänger, die Menge jubelt ihm zu und reckt wieder die Arme in die Luft. „Wir sind Ballaballa, die Werbung macht uns krank“ singt Pi. Dazu feiert sich die Generation Porno selbst, die Kritik des gleichnamigen Songs geht mit „Chillig’“ in gefälliger Partylaune unter. Kann sie auch, schließlich ist der Porno wieder da, das ist was heute zählt.