Admiralspalast

Das Alan Parsons Live Project ist gelebte Perfektion

Die Professionalität, die Ernsthaftigkeit, mit der das Alan Parsons Live Project seinen Progressive-Rock-Kitsch im Berliner Admiralspalst vorträgt, macht daraus große Kunst.

Foto: Adam Berry / Redferns via Getty Images

Fünf Mikrofone stehen in Reih in Glied vor dem Vorhang. Wer sich an eine Beschreibung der Musiker macht, die gleich dahinter auftauchen werden, läuft Gefahr, ein Panoptikum schräger Gestalten aufmarschieren zu lassen: Da ist der Gitarre spielende Lockenkopf Dan Tracey, der einem B-Movie über LKW-Fahrer entsprungen sein könnte. Neben ihm der glatzköpfige Bassist Guy Erez. Gefolgt von Sänger P.J. Olsson, der den vor einigen Jahren an Krebs verstorbenen Eric Woolfson ersetzt, und aussieht, wie ein kurz vor der Midlife Crisis stehender Mitte-Hipster. Rechts von ihm versprüht Sologitarrist Alastair Greene mit seinem dunklem Bärtchen und der langen Haarpracht Latino-Charme. Und ihm zur Seite wiederum schwingt der Hut und Nietengürtel tragende Todd Cooper Saxofon und Blockflöte.

Was für eine Band das ist? Die Frage stellt sich nicht, denn das ist keine Band, sie heißt ja auch nicht so. Die Musiker des Alan Parsons Live Project sind schlicht und einfach Götter. Ein achtköpfiges Ensemble, in dem jeder einzelne übernatürliche Selbstsicherheit ausstrahlt. Herabgestiegen vom Rockolymp sind sie, eine Erscheinung, wie um sich lustig zu machen über all die bemitleidenswerten Combos, die in eitle Rockerposen geworfen mit ein paar abgedroschenen Riffs, Viervierteltakten und harmlosen Kadenzen herumhantieren.

Erblassen müssten sie alle vor der Perfektion und Gelassenheit von Parsons Jüngern. Die Professionalität, die Ernsthaftigkeit, mit der sie ihren höheren Progressive Rockkitsch vortragen, macht daraus große Kunst. Die Zuständigkeiten und Positionen wechseln, jeder singt und soliert, alles ist erschreckend genau, kein Detail geht unter, kein Ton ist schief, die komplizierten Arrangements verursachen keine noch so kleine Irritation.

Alan Parsons ist das Mastermind im Hintergrund

Das überwältigend ausdifferenzierte orchestrale Klangbild erinnert an die Soundperfektionisten von Steely Dan. Soli wie die Bravoureinlagen von Greene sind untrennbar mit dem Klangorganismus verwachsen und doch gleichzeitig sauber herauszuhören. Die Lichtshow ist grandios und der Theatersaal des Admiralspalastes die beste Kulisse dafür - es findet sich schlicht kein Kritikpunkt.

Spätestens der dritte Song und erste große Hit des Abends "Don't Answer Me", eines der Lieder, bei dem die Fünfergarde an der Bühnenfront zum Backing-Quintett wird, setzt die Maßstäbe. Alan Parsons, bierbäuchiger King des Abends, Musikerlegende und wortkarg-sympathischer Bandleader in einem, steht angetan mit einem aus der Hose hängenden weißen Hemd, roter Weste und Seidenschal erhöht in der zweiten Reihe, eingerahmt von Schlagzeug und Keyboards, und verzieht dort selten eine Miene. Den ganzen Abend bleibt er im wahrsten Sinne im Hintergrund, ohne dass dies seine Leistung als ewiger Mastermind in Frage stellen könnte.

Angefangen bei Songs seines ersten Albums bis zur jüngsten Single "Fragile" wird der gesamte musikalische Kosmos des Alan Parsons Project aufgefächert. Das Haus liegt bzw. steht beim letzten Song und Smashhit "Eye In The Sky" den Musikern zu Füßen. Standing Ovations, Schreie und Pfiffe, Klatschen und Füßetrampeln enden erst für eine zweite Zugabe, den allerletzten Song "Games People Play". Dann aber kehren die Götter auf den Olymp zurück, wo sie weiter angebetet werden dürfen.