Filmförderung

Neuer Job, alte Liebe - Bernd Neumann in seinem neuen Büro

Acht Jahre lang war Bernd Neumann Staatsminister für Kultur und Medien. Jetzt ist der 72-Jährige Präsident der Filmförderungsanstalt. Und kümmert sich einmal mehr um den Deutschen Film.

Foto: Amin Akhtar

Mit Schlips oder ohne? Tapfer hat sich Bernd Neumann sein Sakko übergezogen. Trotz der 30 Grad draußen, die man auch in seinem Büro spürt. Die Kühlanlage scheint nicht recht in Gang zu kommen. Aber Bernd Neumann ist ja kein Staatsminister mehr, das Foto muss nicht mehr staatstragend sein. Der Schlips darf wieder in den Schrank.

Wir befinden uns in Mitte, in der Großen Präsidentenstraße am Hackenschen Markt. Hier residiert die Filmförderungsanstalt (FFA), und hier hat Bernd Neumann seit Ende Februar sein neues Büro. Es ist nicht so groß wie das alte im Bundeskanzleramt, gibt er zu. Aber das Namensschild an der Tür klingt ähnlich kompliziert wie der Posten als Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, den er zuvor acht Jahre lang inne hatte: „Präsident und Vorsitzender des Verwaltungsrates der FFA. „Sie können es aber ganz einfach machen“, beschwichtigt er. FFA-Präsident, das sei auch okay.

Der ideale Kandidat

Die FFA, die über einen jährlichen Haushalt von gut 80 Millionen Euro verfügt, ist mehr, als ihr Name glauben macht. Sie fördert nicht nur Filme in allen Entstehungsphasen, vom Drehbuch bis zum Verleih. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Vertretung des deutschen Films im Ausland, die Erhaltung des filmischen Erbes, die Wahrung einer vielfältigen Kinostruktur. Und nicht zuletzt geht es um filmpolitische Zielsetzungen. Für den neuen Präsidenten konnte es da keinen besseren Kandidaten als Bernd Neumann geben.

Der CDU-Politiker hat nicht nur in seiner Zeit als Kulturstaatsminister einen Schwerpunkt auf den Film gelegt und etwa den ambitionierten Deutschen Filmförderfonds (DFFF) ins Leben gerufen. Von 1989 bis 1999 wirkte er bereits in einer Drehbuchkommission mit und hat allein in dieser Zeit über 1000 Drehbücher gelesen. Dann war er sechs Jahre in der Jury für den Deutschen Filmpreis, die damals noch über die Lola-Vergabe entschied. Ein Vierteljahrhundert lang also hat er sich in vielfältiger Weise um das Pflänzlein Deutscher Film gekümmert. Das neue Amt ist da wie auf ihn zugeschnitten: „Das ist ja sehr selten, dass Sie dann noch eine Aufgabe erhalten, die an alles anschließt, was Sie bereits gemacht haben.“ Und, fügt er hinzu, auch noch Spaß macht. Neuer Job, alte Liebe.

Die Kanzlerin war unterrichtet

Es hat ihn deshalb auch nicht überrascht, als ihm der Posten angetragen wurde. Dass er nicht noch für eine dritte Legislaturperiode angetreten ist, hatte nichts mit seinem Zusammenbruch im vergangenen Herbst zu tun. Das muss der 72-Jährige noch einmal betonen. Er habe es zwar bis zum Ende offen gelassen, ob er weitermache. „Ich hatte mich allerdings früh, nämlich schon zu Beginn 2013, entschlossen, das Amt als Kulturstaatsminister abzugeben.“

Und auch das sei gleich vermerkt: „Die Bundeskanzlerin war davon unterrichtet.“ Aus dem Bereich der Filmschaffenden wurde ihm damals immer wieder bedeutet, man hoffe, dass er weitermache. Sollte er es aber nicht tun, würde man sich freuen, wenn er das Amt des FFA-Präsidenten übernähme. Neumann folgte damit auf den „Blechtrommel“-Produzenten Eberhard Junkersdorf, der das Amt 15 Jahre lang bekleidet hat.

Die Nachfolgerin wacht nun über den ihn

Die einzige Pikanterie daran ist, dass die FFA als öffentlich-rechtliche Anstalt dem Bundeskulturministerium (BKM) unterstellt ist. „Da hat der Staat keine direkte Weisungskompetenz, sondern eine Rechtsaufsicht“, wie Neumann das in korrektem Beamtensprech erläutert. Aber das obliegt nun seiner Nachfolgerin, Monika Grütters (ebenfalls CDU). „Ich muss mich auch noch daran gewöhnen“, gibt er zu, „dass die Rechtsaufsicht, die mein Ministerium hatte, nun mich selbst betrifft.“

Die Beziehung zu seiner Nachfolgerin sei eng, „nach wie vor“. Sie war ja in den letzten vier Jahren die Vorsitzende des Kulturausschusses, „ich habe sie als Staatsministerin“ begleitet. Und er schätzte sie, betont der Parteigenosse, „sie macht ihre Arbeit prima.“ Aber Moment mal: Eine der ersten Amtshandlungen von Frau Grütters war es doch, den von Neumann geschaffenen DFFF von 60 auf 50 Millionen Euro zu senken. Hat sie damit nicht sein Werk beschädigt? Der Vorgänger schüttelt den Kopf. „Auch ich musste mich gegenüber dem Finanzminister immer wieder gegen eine Reduzierung durchsetzen.“ Der DFFF sei ein „rentierliches Subventionsprogramm“ (wieder so ein Beamtenwortungetüm), das sei nachweisebar. Und: „Monika Grütters sieht das genauso und unterstützt den DFF voll, das muss ich klar sagen.“

Mehr Zeit, um ins Kino zu gehen

Ob er selbst, wäre er Staatsminister geblieben, die Senkung hätte verhindern können, diese Frage will er aber nicht beantworten, ja nicht mal gestellt wissen. Da ist er ganz Gentleman.

Der Ex-Minister sieht entspannt aus. Er hat jetzt wieder mehr Zeit, um ins Kino zu gehen. Und auch den Zusammenbruch im vergangenen Jahr, nachdem er drei Monate ausgefallen war, hat er überstanden. „Mir geht es wieder bestens“, sagt er. „Ich mache auch wieder Sport.“ Seit 34 Jahren spielt der Bremer Fußball im Freundeskreis des SV Werden. „Da sind auch einige ehemalige Nationalspieler dabei“, erklärt Neummann nicht ohne Stolz. „Und die Jungs sagen, ich sei wieder der Alte.“