Monika Grütters setzt Akzente. Die Kulturstaatsministerin plädiert für einen Umzug der Bestände der Gemäldegalerie: „Ein Umzug der Alten Meister auf die Museumsinsel wäre eine wichtige kulturhistorische Leistung, weil die weltberühmten Sammlungsbestände dort derzeit ohne die Königsdisziplin, ohne die Malerei, auskommen“, sagte die CDU-Politikerin im Interview der Berliner Morgenpost. Grütters befeuert damit wieder eine Diskussion, die bereits beendet schien.
Die Nachricht, dass die Gemäldegalerie zu einem Museum der Moderne umgestaltet werden sollte, löste im Sommer 2012 eine der heftigsten kulturpolitischen Debatten der vergangenen Jahre aus. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz wollte auf dem Areal des Kulturforums Platz für Werke des 20. Jahrhunderts einschließlich der Sammlung Pietzsch schaffen. Die Alten Meister sollten einen Neubau gegenüber dem Bode-Museum bekommen.
Kritiker befürchteten aber, dass die Alten Meister, Bilder aus dem 13. bis 18. Jahrhundert, darunter etliche Rembrandts, im Rahmen dieser Rochade jahrelang im Depot verschwinden würden, weil ein Museumsneubau sich erfahrungsgemäß nicht besonders schnell realisieren lässt. Eine von US-Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger angestoßene Petition zum Erhalt der Gemäldegalerie fand damals schnell mehr als 15.000 Unterstützer.
Um die Debatte zu beruhigen, gab die Stiftung Preußischer Kulturbesitz eine Machbarkeitsstudie in Auftrag. Im vergangenen August stellte Stiftungschef Hermann Parzinger die Ergebnisse vor – und machte keinen Hehl daraus, dass die favorisierte Variante nicht seiner Wunschlösung entsprach. Es war schlichtweg die kostengünstigste. Demnach sollte ein Erweiterungsbau für die Neue Nationalgalerie an der Sigismundstraße realisiert werden, ein Museum der Moderne. Die Baukosten wurden mit 130 Millionen Euro angegeben. Die Alten Meister wären nach diesem Plan dort geblieben, wo sie sind: in der Gemäldegalerie. Geprüft wurde damals aber auch ein Neubau an der Potsdamer Straße und einer auf der Museumsinsel.
Bundestag hat sich nicht festgelegt
Bauherr ist aber der Bund. „Mir ist nicht bekannt, dass sich der Bundestag auf eine Position festgelegt hat. Es gibt lediglich die Variantenuntersuchung und eine Stellungnahme der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Ich verspreche mir etwas Bewegung durch eine Debatte im Bundestag“, sagte Grütters gegenüber der Berliner Morgenpost. „Natürlich ist die Kostenfrage nicht banal, aber es ist nicht die einzige Frage, die dort zu erörtern ist.“
Grütters ist, ebenso wie Parzinger, davon überzeugt, dass die Alten Meister auf die Museumsinsel gehören. Dass die Preußenstiftung eine andere Variante präferiert hat, lag auch an sanftem politischen Druck. Der damalige Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hatte kurz vor der Präsentation der Machbarkeitsstudie in einem Interview verkündet, dass der von der Stiftung gewünschte Neubau auf der Museumsinsel wohl nicht finanzierbar sei.





