So richtig zu deuten wissen die Verantwortlichen des Studio Babelsberg die Zeichen noch nicht. Gut sind sie für sie jedenfalls nicht, will die Bundesregierung doch die Mittel für den Deutschen Filmförderfonds (DFFF) um zehn Millionen auf 60 Millionen Euro kürzen. In der Filmwirtschaft hegt man den Verdacht, dass die Zeit nach Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) – einem ausgesprochenem Filmfreund – für die Branche schwieriger wird und Nachfolgerin Monika Grütters andere Prioritäten setzen wird. Carl Woebcken, Vorstandsvorsitzender des Studio Babelsberg, fürchtet, dass allein schon die geplante Kürzung die großen internationalen Studios verschrecken wird.
Berliner Morgenpost: Der DFFF wird in diesem Jahr voraussichtlich von 70 auf 60 Millionen gesenkt werden. Das ist im Bereich der Filmwirtschaft einer der ersten Amtshandlungen der Kulturstaatsminister Monika Grütters. Sind Sie enttäuscht?
Carl Woebcken: Natürlich sind wir enttäuscht. Die Kulturstaatsministerin hatte während der Berlinale gesagt, dass sie die Förderung mindestens auf dem Niveau von 70 Millionen Euro belassen möchte. Daher hat uns die Nachricht über eine geplante Kürzung schon überrascht.
Wie kam es zu der geplanten Kürzung?
Wir wissen es auch nicht genau. Aber ich nehme an, dass das Finanzministerium hierzu Vorstellungen geäußert hat. Wir befürchten natürlich auch, dass eine Kürzung ein Signal für die Zukunft sein könnte. Denn es gab mal die Aussage, als der DFFF ins Leben gerufen wurde, dass man ihn ein paar Jahre testen würde, dann müsste man sehen, wie es weiter geht. Das kam damals, 2006, von Seiten des Finanzministeriums.
Der DFFF ist ja eine Art Lex Babelsberg, niemand hat so davon profitiert wie Ihr Studio. Sind Sie dafür auch angeneidet worden in der Branche, könnte das manchem jetzt womöglich gelegen kommen?
Nein. Vom DFFF profitieren alle deutschen Filmschaffenden. Angefangen von den Kreativen über die filmtechnischen Betriebe und Zulieferer bis zu Hotels, Gastronomie und Tourismus. Wir sind mit Babelsberg nur gering an der Wertschöpfung beteiligt und verstehen uns als Produktionsbasis, ohne die große Kinofilmproduktionen in Deutschland nicht realisierbar wären. Die Kürzung der Förderung macht überhaupt keinen Sinn, weil das Modell sehr erfolgreich war und ist. Der DFFF ist eine Jobmaschine. Der Erfolg von ähnlichen Förderungen in anderen Ländern ist durch internationale Studien belegt. Sonst wären andere Länder auch nicht so begierig, Filmproduktionen mit teilweise noch höheren Förderungen in ihr Land zu locken. Andere Produktionsstätten wie München und Köln sind mehr auf Fernsehen fokussiert. Die filmaffinen Städte sind vielleicht etwas neidisch, weil die ganzen Stars nach Berlin kommen.
Gibt es für Sie jetzt schon konkrete Auswirkungen?
Die Nachricht an sich führt jetzt schon bei der einen oder anderen Produktion zu der Frage, ob wir überhaupt Förderung beantragen können. Diese würden im September, Oktober mit der Produktion beginnen, dann ist die Gefahr groß, dass der Topf nicht ausreicht. Großproduktionen haben einen Vorlauf von einem halben, manchmal einem Jahr. Wenn man da keine Planungssicherheit mit einem Fördersystem bieten kann, geht der Produzent halt woanders hin. Wir arbeiten zurzeit an einem Projekt, das eventuell aus diesem Grund in England produziert wird, obwohl die Geschichte in Berlin spielt. Das kann doch nicht gewollt sein.
Um auf Frau Grütters zurückzukommen: Der Film war ja zweifellos das Terrain von Herrn Neumann. Steckt dahinter mehr als nur eine Einsparung? Ist das eine andere Prioritätensetzung, ein Richtungswandel?
Nein, das glaube ich nicht. Ich denke, sie hat auch ein Faible für Film. Frau Grütters hat den DFFF damals nicht mitentwickelt. Das war ein langer schwieriger Kampf. Jetzt muss sie unter Zeitdruck auf Vorgaben des Finanzministeriums reagieren. Wir hoffen darauf, dass sie sich in der Haushaltsplanung für die Interessen der Filmwirtschaft durchsetzen kann. Das Thema ist aber auch länderübergreifend. Dabei müsste auch der Bundesrat zustimmen. Wir haben aber nur sieben filmfördernde Bundesländer von 16. Die anderen Länder haben daran vielleicht nicht ein so großes Interesse.
Frau Grütters hat sich bei der Berlinale-Eröffnung sehr weit aus dem Fenster gelehnt, was die Unterstützung der deutschen Filmwirtschaft anbetrifft. Fühlt man sich da verraten, wenn das dann der erste Schritt ist?
Es macht uns schon nervös. Das geht nicht gegen sie persönlich. Ich bin überzeugt, dass sie alles tun wird, was in ihrer Macht steht, um die Filmwirtschaft weiter zu stärken. Der BKM-Haushalt beträgt 1,3 Milliarden. Den hatte Neumann erst vor zwei Jahren von 1,2 auf 1,3 erhöht, das war sicherlich nicht einfach. Wir reden beim DFFF von 60 oder 70 Millionen Euro als Teil des Gesamtetats. Das ist gerade mal 5,4 Prozent. Und ich glaube, es gibt vom ganzen BKM-Haushalt nicht eine Förderung, die volkswirtschaftlich so effizient ist. Wenn man schon sparen will, sollte man vielleicht woanders kürzen.
Ist das Kind jetzt bereits in den Brunnen gefallen?
Es ist für mich schwierig das zu beurteilen. Aber ich glaube, es müsste machbar sein das Erfolgsmodell DFFF aufrecht zu erhalten. Wir kämpften vor der Bundestagswahl eigentlich für eine Erhöhung, für eine Aufhebung der Kappungsgrenzen und für eine Verstetigung des DFFF. Das stand auch alles so im Koalitionsvertrag – bis in die letzte Nacht, bevor er ratifiziert wurde. Dem Vernehmen nach sind um Mitternacht die beiden Punkte ‚Erhöhung‘ und ‚Aufhebung der Kappungsgrenzen‘ wieder herausgestrichen worden. Nur die Verstetigung ist drin geblieben. Ich denke, über das BKM allein werden wir das nicht wieder hinbekommen. Wenn, dann wohl nur durch eine Überzeugung der Haushaltsexperten.
Gibt es bei Ihnen ein Worst-Case-Szenario?
Der derzeitige Haushaltsentwurf ist bereits der Worst Case. Ich will gar nicht daran denken, was da noch passieren könnte.





