Jüdische Kulturtage

Jochen Kowalski entdeckt die Noten auf dem Trödelmarkt

Das Programm der Jüdischen Kulturtage steht. In der Synagoge Rykestraße wird der Berliner Countertenor Jochen Kowalski im September das Festival mit Liedern von Max Kowalski eröffnen.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

„Wir haben so viele Veranstaltungen“, sagt Festivalchef Martin Kranz, „dass der Grafiker Probleme hatte, sie in der Übersicht auf der Rückseite der Broschüre unterzubringen.“ Eine bunte Broschüre wirbt für die Jüdischen Kulturtage, die vom 4. bis 14. September in Berlin stattfinden. Es ist ein kaum zu greifendes Programm mit all den Konzerten zwischen Klassik und Pop, den Filmen, Lesungen, Ausstellungen, Vorträgen, einem koscheren Diner und der „Langen Nacht der Synagogen“ am 6. September.

Kowalski singt Kowalski

Das Eröffnungskonzert gestaltet der Berliner Countertenor Jochen Kowalski. Sein Abend in der Synagoge Rykestraße, wo es 1400 Plätze gibt, ist überschrieben mit „Jochen Kowalski singt Max Kowalski“. Das klingt nach Familienbetrieb, aber die beiden sind nicht miteinander verwandt. Auf die Lieder ist der Plattensammler Jochen Kowalski gestoßen, als er wieder einmal über den Trödelmarkt am Ostbahnhof schlenderte. Die unbekannten „Pierrot Lunaire“-Noten haben ihn einen Euro gekostet. Inzwischen ist Kowalski ein Kowalski-Fan.

Max Kowalski, Jahrgang 1881, war eigentlich Rechtsanwalt. Unter anderem hat den Zwölftöner Arnold Schönberg in einem Streit gegen die Frankfurter Oper vertreten. 1938 wurde er als Jude verhaftet, kam ins KZ Buchenwald. 1939 emigrierte er mit seiner Tochter nach London, seine ebenfalls inhaftierte Frau hatte sich kurz zuvor das Leben genommen.

Ein Deutscher gewinnt israelische Castingshow

Wie so oft bei den Jüdischen Kulturtagen sind gerade die Lebensgeschichten das bemerkenswerteste. Dazu gehört auch die Biografie des Kölners Tom Franz, der in Israel ein angesagter Koch ist und gemeinsam mit dem Savoy-Küchenchef Stefan Förster am 7. September zum „Jewish Dinner kosher Style“ ins Hotel einlädt. Franz war als Katholik zum Judentum konvertiert, vom Rechtsanwaltsbüro in die Küche gewechselt, und er hat eine Israelin geheiratet. Im letzten Jahr gewann er die israelische Realityshow „Masterchef“, quasi eine Castingshow für Starköche. Seither ist er als Spezialist für die moderne jüdische Küche gefragt.

Rückkehr als amerikanischer Offizier

Eine ganz andere Lebensgeschichte lässt Hermann Simon im Centrum Judaicum in der Schau „Kurt Jacobowitz Jasen“ (Eröffnung: 7. September). Der war 1938 aus Berlin geflüchtet und kurz nach der Landung der Alliierten in der Normandie als amerikanischer Offizier zurückgekehrt. Er gehörte zu einer Spezialeinheit für psychologische Kriegsführung. Im Sommer 1945 war er wieder in seiner Heimatstadt, als Besatzungssoldat. Er wollte aber nicht in Berlin bleiben, sondern kehrte nach New York zurück. Seine Familie hat dem Centrum Judaicum Uniform und Armeekiste überlassen.

„Wir wollen den Menschen etwas beibringen“, sagt Kranz, „und Spaß haben“. Letzteres findet unter anderem am 13. September im Yaam-Club statt, wo das israelische HipHop- und Reggae-Duo Axum Party macht.

Jüdische Kulturtage Berlin, vom 4. bis 14. Septemberm Tel. 030-84108909