Am kommenden Donnerstag beginnt Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt. Dieses Jahr stehen Anna Loos & „Silly“, Nora Tschirner, und „Unheilig“ auf dem Programm. Neben diesen Pop-Auftritten wird es einen Klassik-Abend mit Stücken von Mozart, Haydn und Beethoven geben sowie den traditionellen italienischen Abend. Gerhard Kämpfe startete das Festival 1992, er führt es mit seinem langjährigen Kompagnon Mario Hempel.

Berliner Morgenpost: Herr Kämpfe, als wir im vergangenen Jahr miteinander sprachen, haben Sie gesagt, Sie wünschen sich für 2014 Udo Lindenberg bei den Classic Open Air.

Gerhard Kämpfe: Daraus wird leider nichts, weil sein Management entschieden hat, dass er jetzt in die Stadien geht. In Düsseldorf hat er schon seinen Anfang gemacht. Im kommenden Jahr soll er ins Olympiastadion kommen.

Er hat aber doch früher auch in kleineren Clubs gespielt.

Ich vermute, es hat ihn wieder in die große Arenen gezogen, und er möchte dieses Bad in der Menge haben. Ich kann das schon nachvollziehen. Bei uns ist die Atmosphäre intimer.

Wenn man sich Ihr Programm für dieses Jahr anschaut mit Unheilig und Selig, fragt man sich, wie lange Ihr Programm noch Classic Open Air heißen kann.

Ewig noch. Wir haben ja schon 1991 gesagt, wir bekommen fünf, sechs Abende nicht mit Klassik voll. Also haben wir drei künstlerische Säulen. Die eine sind Starkonzerte mit Klassikstars. Das Zweite sind Konzeptkonzerte – also Wagner, Beethoven, Mozart, Bach. Und das Dritte sind Classic Off: Entweder weil die Künstler schon seit Jahrzehnten auf der Bühne stehen, wie die Scorpions zum Beispiel. Bei „SCHILLER“ in diesem Jahr ist es so, dass er alle seine elektronischen Lieder für das klassische Orchester arrangiert hat.

Aber der Eindruck bleibt, anders als in den vergangenen Jahren zuvor, dass Klassik und Pop gleichgewichtig sind.

Dieses Jahr ist es in der Tat so. Es ist aber kein Sinneswandel. Ich kann erklären, wie so etwas passiert. Wir hatten ursprünglich fünf Konzerte geplant, und da wäre mit Unheilig lediglich ein reiner Pop-Act dabei gewesen. Dann habe ich „SCHILLER“ vor neun Monaten bei seiner Plattenpremiere kennengelernt und war beeindruckt. Da geht jemand mit seinem Album „Opus“ sowohl in den Pop-Charts wie auch in den Klassik-Charts auf Platz eins. Das fand ich spannend. So ist dann das sechste Konzert entstanden.

Philharmoniker in der Waldbühne, Staatsoper am Bebelplatz, nun das Fest am Kulturforum. Stört Sie die Konkurrenz?

Bei einer Sache werde ich nachdenklich: Wir wissen, wie hoch subventioniert Philharmonie und die drei Opern sind. Da bekomme ich schon Bauchschmerzen, wenn eine Oper umsonst Konzerte veranstaltet und wir wenige Wochen später versuchen müssen uns über Eintrittspreise zu finanzieren.

Warum verschieben Sie den Beginn der Classic Open Air nicht nach der WM?

Das geht nicht. Wir haben vorgeschriebene Zeiten: Wenn das Konzerthaus schließt, dann sind wir dran. Anschließend braucht das Konzerthaus die Zeit, um Umbauten vorzunehmen.

Wie beeinträchtigt die Weltmeisterschaft das Geschäft?

Interessanterweise wenig. Für den 4. und 5. Juli, wo die Viertelfinalspiele stattfinden werden, läuft der Vorverkauf extrem gut. Wir liegen mit 4000 Karten im Plus im Vorverkauf gegenüber dem vergangenen Jahr. Die Weltmeisterschaft schadet uns nicht, aber ich als Fußballfan leide schon darunter, dass ich so wenig von ihr mitbekomme.

Ein stetiges Ärgernis ist ja der Streit um die Lautstärke. Ist da ein Umdenken bei der Senatsverwaltung für Umwelt zu spüren?

Wir haben eine Einigung auf 75 Dezibel, die aber über den ganzen Tag gemessen wird. Das hat zur Folge, dass wir die Proben am Nachmittag möglichst leise halten. Denn, wenn wir am Tage etwas einsparen, ist am Abend mehr möglich.

Absurd ist es schon, denn die Konzerte sind immer noch zu leise.

Es gibt eine Koalitionsvereinbarung, nach der Veranstaltungen, die dem „Wohl Berlins“ dienen, auch Sonderreglungen bekommen. Wir wurden von Innensenator Frank Henkel damals explizit genannt, dass wir zu diesen Veranstaltungen dazu zählen. Trotzdem ist bislang noch nichts passiert.

Fußballjubel um elf ist dementsprechend in Ordnung, aber klassische Musik nicht.

So ist das. Abgesehen davon, dass wir schon um 22.30 Uhr fertig sein müssen. Da wird genau darauf geachtet, dass wir ja nicht überziehen. Ich musste, zum Beispiel nach längerem Applaus, im laufenden Programm Sängern sagen, dass sie auf einzelne Arien verzichten müssen, damit wir pünktlich das Konzert beenden. Halb elf ist jedenfalls keine Schlafenszeit für eine Metropole.

Und nun zum Wetter: Ein Großteil des Erfolges Ihrer Veranstaltung hängt davon ab, ob es regnet oder nicht.

Das ist so. Für dieses Jahr sieht es gut aus: Alle Wettervorhersagen gehen von warmen, schönen Abenden aus.

Classic Open Air am Gendarmenmarkt, 3. bis 8. Juli, jeweils um 19:30 Uhr.

Tickethotline: 47 99 74 15