Stadtschloss

Architekt Franco Stella verteidigt seinen modernen Ostflügel

Im Forum „Schlüter trifft Stella“ sollte es um den Einfluss von Bildhauerei auf Architektur gehen. Schließlich musste Architekt Franco Stella wieder einmal seine moderne Fassade verteidigen.

Foto: Paul Zinken / dpa

Eigentlich sollte Franco Stella gar nicht dabei sein. Zur Diskussionsrunde „Schlüter trifft Stella: Impulse für die Architektur von heute?“ fanden sich am Montagabend auf dem Podium im Bode-Museum vier andere, angekündigte Teilnehmer ein. Aber Manfred Rettig, Sprecher der Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum scherzte gleich, dass Schlüter zwar nicht mehr kommen könne, Stella schon. Daraufhin erhob sich der italienische Architekt, dessen Name für den Wiederaufbau des Schlosses steht, vorn links in der ersten Reihe und grüßte etwas verklemmt in den vollen Saal hinein. Ihm dürfte schon klar gewesen sein, dass er wieder mal als Verteidiger seiner selbst und vor allem des modernen Ostflügels gefordert sein würde.

Es geht um die Außenfassade

Andreas Schlüter, 1714 gestorben, hatte seinerzeit als Schlossbaudirektor die Außenfassaden voller verspielter Details gestaltet, Stella folgt ihm heute, allerdings nicht auf der Ostseite. Das steht in der Kritik, nicht zuletzt, seit sein Berliner Widersacher Stephan Braunfels vorgeschlagen hat, eine Seite besser ganz offen zu lassen. Und damit neue Proteste ausgelöst hat. Genau genommen hätte Stella gleich mit aufs Podium gehen können.

Um es vorweg zu nehmen. Am Ende hob Moderator Rettig eine rote Karte hoch und meinte, gut, dass er sie nicht benutzen musste. Immerhin hat er damit gerechnet. Tatsächlich herrschte Konsens darüber, weder Schlüter noch Stella unnötig weh zu tun. Selbst Architekt Sergei Tchoban, ein erfolgreicher Konkurrent, an dessen Dom-Aquarée vis-a-vis vom Schloss wohl jeder Berliner und Tourist schon einmal vorbei geschlendert ist, fand angemessen unverbindliche Worte für Stellas Entwurf. Etwa in der Art: Setzt sich mit Schlüters Sicht auseinander, kann man so machen, ob es richtig sei, wisse er nicht.

Erinnert an den Palast der Republik

Etwas spitzfindiger formulierte seine Zweifel ein Besucher, der sich als neugieriger Nikolaiviertel-Anwohner zu erkennen gab. Er habe gerade eben in der Schlüter-Ausstellung gelernt, sagt er, dass der Barockmeister immer beide Seiten einer Sache zeige. Im Stella-Entwurf sieht er demnach Schlüters Fassade auf der einen und den Palast der Republik auf der anderen Seite. So gesehen bekommt der Begriff Ostflügel eine ganz neue Bedeutung.

Stella kann, was Schlüter betrifft, keinerlei Widerspruch zur modernen Konstruktion ausmachen. Er beschwört die Lobbyfassade und glaubt, dass es ein belebter Ort in der Stadt sein wird. Gerade auch das Portal sei ihm wichtig, immerhin wird es ein öffentlicher Eingang sein. Darüber hinaus geht es in seinen Worten um Glas, Proportionen und Offenheit.

Eigentlich sollte es in der Diskussion darum gehen, ob es überhaupt noch möglich ist, Architektur und Bildhauerei miteinander zu verbinden. Die Diskutanten, zu denen auch Bernd Lindemann und Michael Schoenholz gehörten, glauben eher nicht daran. Dem Berliner Schloss dürfte es jetzt egal sein.