Kulturforum

Die Stadtbrache am Potsdamer Platz wird wiederentdeckt

Berliner Philharmoniker und Staatliche Museen tun sich erstmals für ein großes Sommerfest im Juni zusammen. Doch der Zeitpunkt ist pikant. Die Diskussion über das Areal wird neu aufgerollt.

Foto: Promo

Wer zur Gemäldegalerie will, muss über eine öde, schräge Piazetta steigen. Ein trostloser Ort inmitten der Stadt. Das geplante große „Fest am Kulturforum“ soll der ungeliebten urbanen Brache nun „eine Seele“ einhauchen, das Areal durch Bespielung lebendiger und attraktiver machen. Es passiert nicht oft, dass sich alle einmal einig sind. An zwei Tagen, 14. und 15. Juni, planen die Nationalgalerie, Gemäldegalerie, Kupferstichkabinett, Staatsbibliothek und die Philharmonie erstmals eine konzertierte Aktion, um den Standort als Ganzes zu stärken.

Höhepunkt der Veranstaltung wird sicherlich das Openair-Konzert der Philharmoniker sein. Zum ersten Mal spielt das Orchester sozusagen vor der eigenen Haustür. Eine zwanzig Meter große Bühne an der Scharounstraße wird eigens dafür aufgebaut.

Bestuhlt wird nicht, das würde zu eng. 10.000 Besucher werden erwartet, wenn Sir Simon Rattle mit dem Kinderchor „Vokalhelden“ Carl Orffs „Carmina Burana“ spielt. Eine kuriose Entwicklung, wenn man bedenkt, dass Popkonzerte immer häufiger bestuhlte Veranstaltungen sind.

Kulturstaatsministerin Grütters setzt Akzent

Das Fest am Kulturforum ist weit mehr als nur ein kulturelles Potpourri der Anrainer. Mit dieser Visitenkarte geht es um nichts weniger als städtebauliche Zukunft. Denn die Ankündigung des großen Sommerfests – während die WM-Vorrunde läuft – ist insofern pikant, dass ausgerechnet in diesen Tagen das Kulturforum wieder Stadtgespräch geworden ist.

Eine Entwicklung, die Anfang des Jahres noch für undenkbar gehalten wurde. Selbst eine hochkarätig besetzte Gesprächsrunde der Akademie am Pariser Platz im Februar – mit Hermann Parzinger und Bernd Lindemann von den Staatlichen Museen auf dem Podium und Senatsbaudirektorin Regula Lüscher im Publikum – kam zu kaum mehr als zwei Erkenntnissen: Erstens, wir haben ja schon vor Jahren gesagt, es müsse was passieren. Zweitens, schön, dass wir einmal darüber sprechen konnten.

Deutlich an Fahrt hat die Diskussion nun durch die Berufung von Monika Grütters als Kulturstaatsministerin bekommen. Sie ist nicht bekannt dafür, Vorschläge zu machen, ohne über deren politische Tragweite nachgedacht zu haben. Luftschlösser zu bauen, das war nie ihr Ding. Klar ist, dass sie im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Bernd Neumann das Kulturforum zu ihrer Herzensangelegenheit gemacht hat.

Besucherströme vom Potsdamer Platz in die Philharmonie treiben

Sie plädiert für einen Umzug der „Alten Meister“ auf die Insel. Das ist nichts Neues, diese Auffassung vertrat sie bereits in ihrer Zeit als Vorsitzende des Kulturausschusses des Bundes. Die Herren der Staatlichen Museen sind über diese Entwicklung nur mittelmäßig erfreut. Hatten sie sich doch lange Zeit selbst für eine „große Lösung“ eingesetzt – den Umzug der Gemäldegalerie in einen Neubau am Bode-Museum – und wurden dann von der Politik zurückgepfiffen.

Diese entschied sich für einen Bau an der Sigismundstraße gleich hinter der Nationalgalerie. Nun hat sich die politische Führung geändert. Und alles ist wieder auf Null gesetzt.

Monika Grütters hat mit Martin Hoffmann, dem Intendant der Berliner Philharmoniker, einen veritablen Kampfgenossen an ihrer Seite. Die beiden kennen seit bereits seit einer kleinen Ewigkeit und verstehen sich auch privat. Quasi mit Amtsantritt 2010 umtreiben Martin Hoffmann zwei Probleme: Wie schafft man es, die Besucherströme vom Potsdamer Platz Richtung Philharmonie zu treiben?

Deutsche Bank wird Sponsor des Kulturfestes

Und wie sorgt man dafür, dass sich kurze Zeit nach Konzertende keine Friedhofsruhe über das Kulturforum senkt. Zudem hat die Konkurrenz auch ordentliche Openair-Locations gefunden: Staatsoper spielt am Bebelplatz, das Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Wer die Philharmoniker draußen sehen wollte, musste in die Waldbühne.

So ist es kein Wunder, dass Martin Hoffmann kaum etwas mehr beschäftigt wie die Wiederbelebung des Kulturforums. Daher hat er nicht nur die Idee für das „Fest am Kulturforum“ gehabt, sondern sich um gleich um die Finanzierung gekümmert. Eine halbe Millionen Euro wird das alles kosten und die Deutsche Bank wird der Sponsor sein. Man kennt sich. Seit 25 Jahren bereits ist das Bankhaus Sponsor des Orchesters. Wird Martin Hoffmann aber öffentlich auf das Kulturforum angesprochen, macht er dicht.

Wann wird es sein endgültiges Gesicht bekommen, will jemand während der Pressekonferenz wissen. „Wir sind die falschen Adressaten“, sagt Martin Hoffmann. Man hofft auf eine „Richtungsweisung noch in diesem Jahr“. Hoffmann geht es darum, dass ein Signal gesetzt wird, auch an die Politik: Wir haben verstanden. Wir unternehmen etwas (und reden nicht nur). Und kümmern uns sogar um die Finanzierung.

Public Viewing am Kulturforum?

Jetzt geht es erst einmal ums Fest. Vorstellen kann man sich das Projekt wie Tage der offenen Tür. Alle Häuser wollen ein bunt gemischten und vor allem populären Programm zeigen. „Wir wollen der Öffentlichkeit einmal das Potenzial deutlich machen“, sagt Stiftungspräsident Hermann Parzinger. Jung und alt, Kunstliebhaber und Musik– und Modefans werden sicher etwas für ihren Geschmack finden. Und man darf sagen, so viel Programm gab es hier nie. Wer will, zieht sich die Tangoschuhe an und bleibt draußen vor der Nationalgalerie bis tief in die Nacht.

Auch Liebhaber der Klassischen Moderne kommen nicht zu kurz, Ernst Ludwig Kirchners Ikone, das Gemälde „Potsdamer Platz“ aus dem Jahr 1914 wird aus dem Depot geholt und ist in der Nationalgalerie zu sehen sein.

Das Bild ist das Leitbild des Festes, Symbol des Aufbruchs an diesem Ort, so möchte es Michael Eissenhauer, der Generaldirektor, verstanden wissen. Allein die Staatlichen Museen locken mit elf Ausstellungen und Sonderpräsentationen.

Hermann Parzinger weiß zu gut, dass die Öffentlichkeit in dem Areal nur die Einzelgebäude wahrnimmt, dahinter oft die hohe Qualität der Sammlungen nicht sichtbar ist. Übrigens, am 14. Juni spielt Chile gegen Australien. Public Viewing am Kulturforum wäre auch noch eine gute Idee.

Karten: Tageskarte, Kulturforum (ohne Abendkonzert), 16 Euro. Kombiticket mit Konzert, 24 Euro. Das ausführliche Programm steht unter: www. fest-amkulturforum.de