Sanierung

Pergamonsaal und Nationalgalerie schließen für Jahre

Eines der berühmtesten Museen in Deutschland wird saniert. Doch dafür muss der Saal mit dem weltbekannten Pergamonaltar bis 2019 geschlossen werden. Auch die Neue Nationalgalerie muss schließen.

Foto: Paul Zinken / dpa

Die Sanierung des Pergamonmuseum schreitet voran. Der Saal mit dem weltberühmten Pergamonaltar, den im vergangenen Jahr rund 1,3 Millionen Besucher sahen, werde am 29. September bis voraussichtlich 2019 geschlossen, sagte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz. „Das ist der Preis, den wir für die Sanierung zahlen.“

Um diesen Publikumsmagneten weder den Touristen noch den Besuchern vorzuenthalten, wird nun nach einer Lösung gesucht. In der „Nähe der Museumsinsel“ solle eine temporäre Ausstellung mit dem Pergamon-Panorama des Künstlers Yadegar Asisi für Ersatz sorgen. Außerdem sollen dort wichtige Originale gezeigt werden. Noch werden Sponsoren für die Finanzierung gesucht. Gespräche liefen, so Parzinger.

Auch Mies van der Rohes Neue Nationalgalerie am Kulturforum wird Ende 2014 für drei bis vier Jahre geschlossen – der gläserne Bau muss komplett saniert werden. Der britische Stararchitekt ist mit der Instandsetzung betraut.

Die Bauvorhaben der Stiftung laufen größtenteils planmäßig, versichert Parzinger. 2017 soll die James-Simon-Galerie, das zentrale Eingangsgebäude der Museumsinsel eröffnet werden. Endlich, möchte man sagen, nach mehrjähriger Verzögerung aufgrund von Problemen am Fundament.

Kulturforum bleibt ein Sorgenkind

Ein „Sorgenkind“ für den Stiftungspräsidenten bleiben das Kulturforum und der geplante Neubau für die Schätze des 20. Jahrhunderts. Hier soll auch die Surrealisten-Sammlung des Ehepaares Pietzsch endlich ihr neues Zuhause finden. Noch vor der Sommerpause hofft er auf eine Entscheidung. Den Standort, die Sigismundstraße, sieht er als „die ideale Ver- und Anbindung“ zu den anderen Häusern. Das städtebauliche Dilemma aber – die unwirtliche und öde Brache der Piazzetta – bleibt, das ist eine andere Baustelle. „Ich möchte nicht noch in zehn Jahren hier sitzen und über das Kulturforum diskutieren.“

Immerhin wird dort das Kunstgewerbemuseum nach der Umgestaltung eröffnet. Mit neuem Auftritt für die Fashion – es wird eine Modegalerie geben. Die Berliner Museumsarchitekten Kuehn/Malvezzi bastelten an den Entwürfen. Hauptsache man sieht hinter der Piazzetta auch den Eingang, der war vor der Sanierung unsichtbar.

33 Millionen Euro hat die Stiftung 2013 eingenommen, eine Steigerung von über 37 Prozent. Dazu gehören Gelder aus Eintritten, Führungen, der Verkauf von Katalogen und Merchandising-Produkten. Dienstleistungen lässt sich der Besucher also etwas kosten. Sehr beliebt sind die Produkte aus der Charlottenburger Gipsformerei. Dort werden Repliken historischer Originale wie Nofretete oder die Prinzessinnengruppen hergestellt. Diese Gelder braucht die Stiftung dringend, sie fließen in steigende Personalkosten. Für dieses Jahr rechnet Parzinger mit Gesamtausgaben von 258 Millionen Euro. Für Bauvorhaben stehen 2014 rund 80 Millionen Euro zur Verfügung, der gleiche Betrag wie im Vorjahr. Das reicht nicht für große architektonische Lösungen.

Fall Gurlitt beschäftigt Museumschefs der Republik

Jenseits der Ausstellungen gibt es unter den Museumschefs der Republik ein Thema: den Fall Cornelius Gurlitt in all seinen immer neuen Wendungen und Fragen, auch international schlug er Wogen. Wenn also der umstrittene „Schwabinger Kunstfund“ eines bewirkt hat, ist es die Erkenntnis, dass die Museen gar nicht genug tun können in Sachen Provenienzforschung.

Erst am Montag hatte der Anwalt des Sammlers die Ausstellungshäuser heftig kritisiert: „Bis heute weigern viele Museen in Deutschland sich kategorisch, überhaupt nach Raubkunst in ihren Sammlungen zu suchen und Fundmeldungen ins Internet zu stellen“, heißt es auf der Webside „gurlitt.info“. Hermann Parzinger, Präsident der Preußenstiftung, weiß um die steigende Anforderung der Eigentumsrecherche und geht einen Schritt weiter: Er fordert eine zentrale Einrichtung, ein Bundesamt, unter dessen Dach die einzelnen Forschungsstellen wie die Taskforce, die Arbeitsstelle für Provenienzrecherche (AfP) und die Koordinierungsstelle Magdeburg ihre Kompetenzen bündeln können. „Das wäre ein gutes Zeichen im Ausland.“

350 Kunstwerke zurück an Erben und Rechtsnachfolger

Seit gut 15 Jahren hätte die Stiftung in der Provenienzrecherche „vorbildlich gehandelt“, sagt er auf der jährlichen Pressekonferenz. Mittlerweile gibt es zwei Vollzeitstellen, um die Bestände systematisch analysieren zu können auf verfolgungsbedingte Raubkunst. Jene Werke also, die dem ursprünglichen Besitzer zu NS-Zeiten entzogen wurden. 500 Werke, die bis 1945 entstanden und in den Fundus der Nationalgalerie und des Kupferstichkabinetts gehören, wurden untersucht.

In 50 Fällen von Restitution hat die Stiftung entschieden, erklärte Parzinger. 350 Kunstwerke gingen zurück an die Erben und Rechtsnachfolger, darunter eine Zeichnung van Goghs und C.D. Friedrichs „Der Watzmann“. Die Staatsbibliothek entschied sich bei rund 1000 Bänden für die Rückgabe. Derzeit sitzt eine Wissenschaftlerin am Fundus der Zeichnungen der Nationalgalerie, die aus dem Zeitraum 1933 bis ‘45 stammen.

In den nächsten zwei Monaten beginnt ein Mitarbeiter mit der Sichtung von Gemälden, Skulpturen und Papierwerken aus dem Museum Berggruen, das derzeit teilweise geschlossen ist. 135 Werke, die vor 1945 entstanden sind, kommen unter die Lupe. Das mag befremden, denn Heinz Berggruen musste Berlin aufgrund seiner jüdischen Herkunft verlassen. Einen Anfangsverdacht gäbe es nicht, so Parzinger. Doch die lückenlose Aufarbeitung der einzelnen Sammlungen ist wichtig.